Viele Menschen wissen nicht, dass Frauen in der Wissenschaft oft weniger Anerkennung bekommen als Männer – selbst dann, wenn sie dieselbe Arbeit leisten. Dieses Phänomen nennt man den Matilda-Effekt, die amerikanische Historikerin Margaret W. Rossiter hat es 1993 beschrieben. Benannt wurde er nach der Frauenrechtlerin Matilda Joslyn Gage, die bereist in den 1880er Jahren die Aberkennung von weiblicher Leistungen in Forschung und Technik kritisierte.
Der Effekt zeigt sich auf verschiedene Weise: Leistungen von Wissenschaftlerinnen werden häufiger übersehen, ihre Arbeiten seltener zitiert oder ausgezeichnet. Oft erhalten männliche Kollegen die Anerkennung für Ergebnisse, die eigentlich Frauen zugeschrieben gehören. Besonders stark fällt dies in hierarchischen Strukturen auf, etwa wenn Professoren und Assistentinnen zusammenarbeiten – Männer profitieren häufiger von kollektiver Arbeit.
Historische Beispiele machen dies deutlich: Rosalind Franklin spielte eine entscheidende Rolle bei der Entdeckung der DNA-Struktur, Lise Meitner trug wesentlich zur Kernspaltung bei – beide Frauen wurden lange nicht angemessen gewürdigt. Doch der Effekt ist nicht nur ein Problem der Vergangenheit. Auch heute haben Frauen geringere Chancen auf Preise, Fördermittel und Spitzenpositionen, und ihre Arbeiten werden häufiger abgelehnt oder seltener zitiert.
Hier kommt die Gleichstellungsarbeit ins Spiel: Maßnahmen wie Mentoring-Programme, transparente Förderstrukturen, geschlechtergerechte Bewertungskriterien und gezielte Sichtbarmachung von Frauen sollen dafür sorgen, dass Leistungen fair anerkannt werden. Ziel ist es, die strukturellen Hindernisse des Matilda-Effekts abzubauen und gleiche Chancen für alle Wissenschaftler*innen zu schaffen.
Wichtig ist zu verstehen: Der Matilda-Effekt ist strukturell, nicht persönlich – er entsteht durch institutionelle, kulturelle und soziale Mechanismen. Gleichstellungsarbeit hilft, diese Muster sichtbar zu machen und aktiv dagegen zu steuern, damit wissenschaftliche Leistungen unabhängig vom Geschlecht gewürdigt werden.
Ihre Gleichstellungsbeauftragte
Barbara Haferkamp-Weber
05372 89-105
barbara.haferkamp-weber@sg-meinersen.de
https://sg-meinersen/Gleichstellung