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Zwischen Aller und Oker
Ausgabe 3/2026
Die Samtgemeinde informiert
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Der Klimamanager informiert

Geschätzt 200 Besucher tauschten sich beim „Markt der Möglichkeiten“ mit den anwesenden Energieexperten über die kommunale Wärmeplanung und Möglichkeiten für die Wärmewende in den eigenen vier Wänden aus.

(v. l. n. r.) Tobias Kluge, Isabell Tamsel und Daniel Buhr (alle von der Samtgemeindeverwaltung) und Horst Schiesgeries warben am Rande der Bürgerinformationsmessen um Mitglieder zur Gründung des Bürgervereins Radweg Flettmar-Ahnsen.

Die Informationsmesse zur kommunalen Wärmeplanung der Samtgemeinde Meinersen am gestrigen Dienstag ab 15 Uhr im Meinerser Kulturzentrum fand großen Anklang bei der Bürgerschaft der vier Mitgliedsgemeinden. Auch viele Interessierte von außerhalb reisten an, um sich zu informieren und Ideen zu sammeln. Die Besucher umlagerten die Themenstände im „Markt der Möglichkeiten“ und diskutierten mit den anwesenden Energie-Experten. Auch das Interesse an den Vorträgen im Sitzungszimmer war groß und überstieg teilweise die Zahl der verfügbaren Sitzplätze.

Die Wärmewende der Samtgemeinde Meinersen soll „nicht nur technisch, sondern auch gesellschaftlich und politisch getragen werden – durch breite Beteiligung und transparente Kommunikation“, erklärte Samtgemeindebürgermeisterin Karin Single in ihrer Begrüßung das Ziel der Bürgerinformationsmesse. Wenn man diesen Anspruch an der hohen Zahl der Besucher misst, dann ist das Ansinnen gelungen. Schätzungsweise 200 Personen nutzten die Gelegenheit, mit den zahlreichen Experten vor Ort ins Gespräch zu kommen, sich zum Sachstand der kommunalen Wärmeplanung auszutauschen und sich ganz konkrete Tipps für die sinnvollste Wärmeversorgung ihrer eigenen vier Wände abzuholen. Samtgemeinderat Tobias Kluge und der Energie- und Klimaschutzmanager Eduard Bayer freuen sich: „Es ist toll, dass so viele Menschen unserer Einladung gefolgt sind und dieses doch sehr hochwertige Angebot der Samtgemeinde Meinersen zur kommunalen Wärmeplanung angenommen haben!“

Fehlinformationen richtigstellen, Verunsicherung auflösen, für Bürgerbeteiligung werben

Bei der Aufstellung eines kommunalen Wärmeplanes steht die Samtgemeinde Meinersen nicht alleine da, sondern hat sich von vielen Seiten Unterstützung geholt. Die beteiligten und beratenden Organisationen stellten sich im großen Saal des Kulturzentrums beim „Markt der Möglichkeiten“ vor und beantworteten die vielen Fragen der Besucher. Mit dabei waren das Klimaschutzmanagement des Landkreises Gifhorn, die Klimaschutz- und Energieagentur Niedersachsen, die Verbraucherzentrale, das Bündnis Bürgerenergie sowie IP Syscon und enercity, die die Samtgemeinde bei der Bestands- und Potenzialanalyse zur Vorbereitung der kommunalen Wärmeplanung unterstützen. Ebenfalls informierten Klimapate Detlev Jäger sowie die Klimaschutzmanager der Samtgemeinde Meinersen Eduard Bayer und Heinz Schmitz über ihre Arbeit.

Im benachbarten Sitzungssaal des Kulturzentrums erhielt das dicht gedrängt stehende Publikum in drei halbstündigen Vorträgen einen guten Überblick zum aktuellen Sachstand und den weiteren Schritten zur kommunalen Wärmeplanung.

Patrick Nestler von der Klimaschutz- und Energieagentur Niedersachsen erläuterte in seinem Vortrag „Kommunale Wärmeplanung in Niedersachsen“ die Bedeutung der Wärmeplanung für den Klimaschutz. Nach dem Verkehr sei die Raumwärme der nächstgrößere Verursacher von klimaschädlichen Emissionen – deshalb müsse man darüber sprechen. In seinen Ausführungen zum gesetzlichen Rahmen, der die Kommunen zur Aufstellung einer Wärmeplanung verpflichtet, bescheinigte er der Samtgemeinde Meinersen, alles richtig gemacht zu haben. „Die Samtgemeinde hat sich frühzeitig auf den Weg gemacht und sich um Förderung bemüht“, stellte Patrick Nestler anerkennend fest. Zum Abschluss seines Vortrags war es ihm ein wichtiges Anliegen, mit den „TOP Five der Falschinformationen“ zum Wärmeplanungs- und Gebäudeenergiegesetz aufzuräumen. Er stellte u. a. klar, dass bestehende Heizungen Bestandsschutz haben und sich niemand ohne Not für viel Geld ein neues Wärmesystem einbauen muss. Erst wenn die alte Heizung ab Mitte 2028 kaputt geht und durch eine neue ersetzt wird, muss diese mit 65 Prozent erneuerbarer Energie laufen. Auch bestehe grundsätzlich kein Zwang, sich einem Wärmenetz anzuschließen. Schon gar nicht dann, wenn man bereits ein klimaneutrales Heizsystem eingerichtet hat. Patrick Nestler riet allen Hauseigentümern, sich frühzeitig zu informieren. „Lassen Sie sich beraten! Löchern Sie Ihren Schornsteinfeger mit Fragen! Wenn die Heizung erst kaputt ist, ist die Panik groß. Beginnen Sie frühzeitig damit, Ihre eigene Wärmewende einzuleiten. Unterstützung ist vorhanden!“

In ihrem Vortrag zum „Sachstand der kommunalen Wärmeplanung in der Samtgemeinde Meinersen“ stellten Nils Ziegenbein, enercity, und Lucas Bender, IP Syscon, die Ergebnisse aus der Bestandsanalyse der Samtgemeinde Meinersen vor. Hier machen die fossilen Energieträger mit 58 Prozent Erdgas und 23 Prozent Heizöl einen hohen Anteil an der Wärmeversorgung aus. Die Energieexperten zeigten aber auch die großen Potenziale in der Samtgemeinde auf. Die seien zur Deckung des kommunalen Wärmebedarfs in Form der sogenannten Umweltwärme von Aller und Oker, in Erdwärmekollektoren, Luftwärmepumpen, Solarthermie, Biomasse- und Abwasserwärme ausreichend vorhanden. Außerdem stellten die Referenten vor, wie das Ergebnis der kommunalen Wärmeplanung ganz konkret in Landkarten abgebildet werden wird. Hier wird zukünftig ablesbar sein, in welchen Wohngebieten sich Wärmenetze eignen und wo die hauseigene Wärmepumpe die bessere Wahl wäre. Im Anschluss an ihren Vortrag beantworteten sie zahlreiche Fragen und betonten: „Entscheidend für die Wärmeplanung ist immer das für den Bürger günstigste Modell.“

Janina Kosel vom Bündnis Bürgerenergie, Projektleiterin „Heat it!“ in der Samtgemeinde Meinersen, referierte in ihrem Vortrag zu Bürgerenergiegenossenschaften über die Wichtigkeit einer breiten Bürgerbeteiligung bei der kommunalen Wärmeplanung. Ihr war es ein großes Anliegen, die Zuhörenden dazu zu motivieren, sich in Bürgerenergiegemeinschaften zu organisieren, um beispielsweise eigene Photovoltaik- oder Windkraftanlagen zu installieren. Vorteile solcher Genossenschaften seien natürlich die Renditen für Investoren, eine wirtschaftliche Weiterentwicklung der Gemeinden, aber auch der regionale Zusammenhalt und die Identifikation mit der Region. Sie lud herzlich zum Bürgerenergie-Workshop am 24. Februar ein, wo Projektideen der Bürgerinnen und Bürger besprochen und Unterstützungsmöglichkeiten erläutert werden könnten.

Margret Nywelt (links) und Gerhard Rohs (Mitte) aus Isenbüttel informierten sich am Stand von Klimapate Detlev Jäger. Sie wünschen sich die kommunale Wärmeplanung auch für ihre Samtgemeinde und wollen von Meinersen lernen.

Detlev Jäger (rechts) ist ehrenamtlicher Klimapate bei der Samtgemeinde Meinersen. Seit der verunglückten Kommunikation des Heizungsgesetzes, die für viel Verunsicherung gesorgt hat, beschäftigt sich der studierte E-Techniker mit der energetischen Sanierung von Wohngebäuden, Schwerpunkt Wärmepumpe und Balkonkraftwerke. Für Beratungen steht er jederzeit zur Verfügung (Terminabsprache unter klimapaten@sg-meinersen.de).

Im Klimaschutz setzt die Samtgemeinde Meinersen auf Kooperation mit umliegenden Kommunen. Kay Popp, Klimaschutzmanager des Landkreises Gifhorn (Bildmitte), ist mit seiner Kollegin Lea Schlodinski (links im Bild) vor Ort, um dabei zu helfen, Netzwerke mit anderen Kommunen aufzubauen. Außerdem unterstützen die Mitarbeiter des Landkreises bei rechtlichen Fragen und Fördermöglichkeiten.

Alexander Spahr, Schornsteinfegermeister und Energieberater, und seine Kollegen wissen eine Menge über die Ängste und Nöte vieler Hauseigentümer zum Thema Heizung. „Es gibt noch sehr viel Unsicherheit und hohen Beratungsbedarf bei den erneuerbaren Energien. Deshalb stehen wir nicht nur heute Nachmittag für Fragen zur Verfügung, sondern jederzeit. Das ist unser Job!“

Weitere Termine, bitte vormerken
  • 24. Februar von 18 bis 20 Uhr: Bürgerenergie-Workshop im Kulturzentrum

  • 8. April Präsentation der Ergebnisse zur Kommunalen Wärmeplanung der Samtgemeinde Meinersen