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Rosdorf aktuell
Ausgabe 21/2019
Redaktionelles
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Ortsheimatpflege Rosdorf

Erntedank 2004

Erntedank 2019

Gedanken zum Erntedankfest 06. Oktober 2019

Ein Stückchen Brot

Ein Stückchen Brot, - du weißt was es bedeutet!

Doch hast du früher drüber nachgedacht,

Als es mit Wurst und Butter zubereitet

Dir täglich wurde auf den Tisch gebracht?

Du nahmst es hin, ohn´ viel zu überlegen,

Was galt dir denn schon eine Schnitte Brot?

Heut` ist das Brot für dich ein Gottessegen,

Du lerntest schätzen es erst in der Not.

Ein Stückchen Brot, - mit dankerfüllten Blicken

Nimmst du es heute wohl in deine Hand.

Es kann ein Stückchen Brot dich schon beglücken

Und Achtung hast du vor dem Bauernstand.

Siehst auf dem Feld du wieder Ähren reifen,

Im Sommerwinde wogen hold,

Dann lerne Gottes Allmacht recht begreifen

Es ist das liebe Brot – der Erde Gold!

Ein Stückchen Brot, - nie sollst du es vergessen,

Wenn einmal wieder du zu Hause bist,

Wie du mit Andacht hast dein Brot gegessen,

Wie heilig es dir hier gewesen ist.

Was du dir still geschworen – sollst du halten,

Gedenken stets im Glück – der Zeit der Not.

Lehr´ du dein Kind schon früh die Hände falten:

Gib lieber Gott uns, unser täglich Brot!!

Fundus: Brotmuseum Ebergötzen

Diese Zeilen wurden 1946 in russischer Gefangenschaft geschrieben, von einem Menschen, der geschunden vom Krieg, gefangen, eingesperrt und mit großem Hunger einer hoffnungslosen Zukunft entgegen sah.

Nie sollst du es vergessen, wie du mit Andacht hast dein Brot gegessen!

Wie tiefsinnig sind diese Worte eines hungernden und verzweifelten Menschen!

Und heute, nach 73 Jahren?

Die Presse schreibt: “Wir leben durch globale Märkte in einer Zeit des Überflusses an reich gedeckten Tischen“ und “Unser Land lässt keinen Menschen verhungern“ oder „Wir Deutsche sind so reich wie nie zuvor“.

Wir? Alle Menschen???

Der Mensch von heute lebt weitestgehend herausgelöst aus den Abläufen des Jahreskreises. Nahrungsmittel aus der ganzen Welt stehen im Überangebot in den Regalen der Märkte zur Verfügung. Dass viele dieser Produkte dafür um die halbe Welt geflogen werden, wird auf Kosten der Natur hingenommen; „was geht mich auch die Welt von morgen an“.

Wir nehmen den Überfluss gerne hin, weil es für die Meisten unserer Mitbürger/Innen schon Standard geworden ist, ihr Leben so zu gestalten!

Ernte – Dank -?

Natürlich, haben wir allen Grund zum Danken.

Wir können dankbar sein, dass wir auf einem Teil dieser Erde leben dürfen, der überwiegend von Katastrophen verschont bleibt.

Ja, wir können dankbar sein, für eine hoffentlich gesunde, wertvolle Natur, die uns hoffentlich weiterhin ernährt.

Sie ist schön und wertvoll für unser Leben!

Also schonen wir sie! Sie wird es uns danken!

Wie viele Bürger müssen sich in unserem freien Land auch heute noch um das tägliche Brot Gedanken machen?

„Gib lieber Gott uns unser tägliches Brot, heute, morgen, täglich...“

Betrachten wir also unser tägliches Brot nicht als Selbstverständlichkeit, sondern als eine besondere Gabe.

Bei aller Dankbarkeit für unseren gedeckten Tisch muss aber auch die Frage gestattet sein: „Warum gibt es in vielen Teilen der Welt, bedingt durch Naturkatastrophen, Wassermangel und Krankheiten, so viel Hungersnöte und Armut. Warum macht Gott auf unserer Welt solche Unterschiede??“

Der Erntedanktag ist nicht um sonst als jährlicher Feiertag in unserem Kalender vermerkt.

So auch der 06. Oktober 2019.

Wir waren an diesem Tag zu einem besonderen Kirchgang in unsere schöne

St. Johannis-Kirche eingeladen und konnten uns an den, von den Konfirmandinnen und Konfirmanden eingesammelten Erntegaben, sowie dem von der Küsterin Frauke Arnold liebevoll geschmückten Altarraum, erfreuen.

Dazu die Erntekrone, als Symbol für Erntedank und der Einzug der Kindergarten-Kinder Sellenfried mit Früchten des Jahres in ihren Körbchen;

es war ein gelungener, lebendiger Gottesdienst.

Allen Beteiligten herzlichen Dank.

Erbitten wir tägliches Brot für alle Menschen und danken Gott für die Geschenke unserer Natur.

Ich wünsche allen nachträglich, ein nachdenkliches Erntedankfest 2019.

Manfred Hempfing
Ortsheimatpfleger