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Rosdorf aktuell
Ausgabe 3/2026
Aus den Ortsteilen
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Mengershausen

Karl Otte bei der Postzustellung ca.1960

Das Postwesen in Mengershausen (Teil 2 - Forstsetzung aus Ausgabe Heft 2- Januar 2026.)

Dies ist eine Geschichte aus den Aufzeichnungen von Friedrich Egener[1] mit weiteren Ergänzungen.

Da dies eine längere Geschichte ist, wird sie in zwei Teilen veröffentlicht, hier der zweite Teil:

Sein Sohn hat die Post bis einige Jahre vor dem Kriege behalten, dann trat er sie an Hermann Wagener ab. Nach dem Krieg hat sie August Elbrecht bekommen, der nun auch seit 1930 den gesamten Briefträgerdienst übernommen hat, nachdem der althergebrachte Landbriefträger auf der ganzen Linie verschwunden ist.

Also, der Landbriefträger ist nicht mehr, eine Einrichtung, die über 100 Jahre bestanden hat. Früher war er eine typische Erscheinung auf den Land- und Dorfstraßen.

Wie oft wurde er zur gewohnten Stunde erwartet und wie erstrahlte das Gesicht der Wartenden vor Freude, wenn sie nun wirklich ein Lebenszeichen von ihren Lieben aus der Ferne erhalten hatten. Wie traurig und still gingen sie aber von dannen, wenn eine unangenehme oder gar schmerzliche Nachricht eingelaufen war, man denke in dieser Beziehung an den unheilvollen Krieg.

Wie niedergeschlagen waren die Menschen, wenn wieder kein Brief kam, nachdem sie schon so lange auf Nachricht gewartet hatten. Im Kriege standen oft vor jedem Hof Wartende, die entweder ein Lebenszeichen von den Lieben draußen im Felde erwarteten oder dem Briefträger etwas für den Sohn oder Gatten im Krieg mitgeben wollten.

Wie furchtbar waren die Wirkungen jener Briefe aus dem Felde mit der lakonischen Mitteilung: „Wir müssen Ihnen die traurige Mitteilung machen, dass Ihr Sohn Karl, Ersatzreserve im Regiment 91, am 8. September den Heldentod bei Rethel[2] erlitten hat und so weiter, Römfeld, Leutnant."

Gar manchen Landbriefträger habe ich in den langen Jahren in Mengershausen kennengelernt. Zuerst Hente (...), der außergewöhnliches stets mit der Redensart abtat: „Sind meine Funktionen nicht", ab und zu auch mal im Chausseegraben lag und doch immer glücklich in Göttingen ankam.

Ferner ein Welfe[3]mit Namen Otto, der aber an der Schwindsucht starb, Friedrich Drechsler, der jetzt als alter Mann in Göttingen herumgeht, August Spieß, auch noch in Göttingen lebend, Albert Schatz, Dettmar Borchert, jetzt am Finanzamt, Karl Freiboth, Friedrich Jahns, der letzte Briefträger.

Jahns musste nun kurzerhand als Chauffeur lernen und fährt nun alltäglich mit dem Auto die Postsachen auf die Dörfer. Damit gehört der Landbriefträger der Vergangenheit an. Es ist Deutschlands Not, die ihn verschwinden lässt, man sucht zu sparen und die Kraftfahrzeuge sollen durch ihre Geschwindigkeit alles wieder gut und billiger machen.

Ergänzungen:

Karl Otte hat nach dem zweiten Weltkrieg (1946 oder 1947) die Post in Mengershausen ausgetragen und einige Zeit später kam noch die Postannahmestelle in seinem Haus[4] in der Lindenstraße 37 dazu. Zunächst waren die Zeitvorgaben für die Postverteilung sehr begrenzt und erst bei seinem Nachfolger Karl-Heinz (Sohn von Karl Otte) wurden dann 90 Minuten daraus.

Erst wurde die Post aus Göttingen mit einem alten Mercedes 7,5t vom Bahnhof und später aus der Friedrichstraße über die Dörfer gefahren. Die Post traf gegen 9 bis 9.30 Uhr in Mengershausen ein und wurde im Verteilspind[5] sortiert. Dann ging es an die Zustellung, die gegen 13 Uhr fertig war. Kurz vorher gab es bei „Tante Ella“[6] ein „Erfrischungsgetränk“!

In den 1970er-Jahren sollte Mengershausen eine Poststelle 1 werden, aber dafür sollte das bereitgestellte Zimmer bei Ottes umgebaut und mit Sicherungseinrichtungen versehen werden. Das wollten „Binchen“ (Albina) und Karl-Heinz Otte nicht, da es für die Nebenkosten nicht mehr Geld geben sollte. Da ist „Binchen“ zur Post nach Rosdorf gegangen, hat für ihren Bereich die Post sortiert und das Auto mit Paketen beladen und zugestellt. Die Post für Mengershausen wurde zur Sortierung nach Karl-Heinz Otte nach Mengershausen gebracht und von diesem dann in Mengershausen zugestellt.

Ottes Karl und Karl-Heinz sind vielen Mengershäusern noch als zuverlässige Briefträger bekannt.

Beide waren sehr kinderfreundlich, hatten immer ein nettes Wort und kleine Naschereien für die Kinder parat.

Karl war „eine treue Seele“ und guter Gastgeber. Er hat auf dem kleinen Hof, mit wenig Eigenland, lange mit Pferden geackert. Überhaupt war er ein Pferdenarr, er hat auch mit einer kleinen einachsigen Kutsche die Post nach Örshausen und Heißenthal gebracht.

Die Poststelle war bis zum Jahr 1974/75 im Haus von Ottes, dann wurde sie gänzlich nach Rosdorf verlegt!

Ab diesem Zeitpunkt wurde im Haus Herrenkind, Lindenstrasse 15, eine Postannahmestelle eingerichtet. Hier konnten nur Postsendungen aufgegeben werden, eine Postverteilung fand nur doch Rosdorf statt.

Diese Postannahmestelle befand sich in dem ehemaligen Stall, dort auf der rechten Seite gegenüber dem Wohnhaus Herrenkind und wurde bis zum 31. August 1994 durch Ruth Herrenkind - aushilfsweise auch von Christel Schlieper - betrieben.

Überhaupt war und ist Mengershausen „ein Dorf der Postler“. Früher und heute waren und sind viele Einwohner/-innen bei der Post (heute DHL) beschäftigt!

[1] Herr Friedrich Egener (12.12.1863 - 29.08.1938) war in der Zeit vom 15.10.1885 bis 01.04.1929 Lehrer in Mengershausen und hat in seinem 75. Lebensjahr Aufzeichnungen über das Leben in Mengershausen verfasst.

[2] Ort in den Ardennen, Frankreich

[3] Braunschweiger

[4] Poststelle 2; Nebenstelle von Rosdorf, der Poststelle 1

[5] Sortierregal

[6] Gaststätte Ella Sieck, Tiefenbrunner Straße 2

Eckart Leßner
-Ortsheimatpfleger Mengershausen-