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Rosdorf aktuell
Ausgabe 5/2026
Aus den Ortsteilen
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Mengershausen – so war es früher!

Herr Friedrich Egener (12.12.1863 – 29.08.1938) war in der Zeit vom 15.10.1885 bis 01.04.1929 Lehrer in Mengershausen und hat in seinem 75. Lebensjahr Aufzeichnungen über das Leben in Mengershausen verfasst.

Nachstehend eine Zusammenfassung aus verschiedenen Aufzeichnungen über:

Die alte und die neue Pfarre

Im Jahr 1885 stand die alte Pfarre, benachbart von Hof Eichmann/Grube[1], noch in ihrer „ganzen Herrlichkeit", als Zeuge einer großen Zeit, vor uns. Sie stand wohl auf demselben Platz, auf dem jetzt die neue steht, doch sah sie eingefallen und baufällig aus, obwohl sie noch nicht eingefallen wäre. Von 1879 bis 1887 stand sie leer, nur im Jahr 1884 wohnte die Familie Scheede, der Pfarre gerade gegenüber, darin, weil die Familie Scheede[2] sich ein neues Haus baute, aber nur ein Jahr, dann zogen Scheedes in das neue Haus.

Nach siebenjähriger Vakanz wollten die Leute in Mengershausen gern einen Pastor wieder haben, deshalb wollten sie nun auch ein neues Pfarrhaus bauen. Sie wussten ganz genau, dass jeder Pastor seine Meldung für die Stelle zurückzog, wenn er dies alte Pfarrhaus gesehen hatte.

Vor allen Dingen war es mein Schwiegervater[3], der den Pfarrhausbau betrieb. Er war auf Wunsch des halbblinden letzten Pastors Hartwig Kirchenvorsteher geworden, der alle schriftlichen Arbeiten für den Pastor erledigen musste. Mein Schwiegervater sorgte nun dafür, dass Maurermeister Conrad Rathkamp in Göttingen eine Zeichnung anfertigte und den Kostenanschlag in Höhe von 22.000 Mark.

Ostern 1887 zog mein Schwiegervater nach Einbeck, weil sein Schwiegersohn Glenewinkel gestorben war. Ehe er abzog, schenkte er der Gemeinde 300 Mark als seine Spende für den Pfarrhausbau.

Die Aufbringung der Kosten verursachte nun allerlei Kopfzerbrechen. Das Kirchenärar[4] von Lemshausen, das gute Kapitalien hatte, sollte zunächst 3.000 Mark vorweg zahlen und das von Mengershausen 1.000 Mark, weil das Ärar nur wenig Geld hat. Es war eine lange, aufregende Sitzung, in welcher der Kirchenvorstand von Lemshausen endlich gelobte, 3.000 Mark vorweg zu zahlen.

Als das nun am Abend in Lemshausen bekannt wurde, entstand ein gewaltiger Kampf im Dorf, die ganze Gemeinde kam zusammen, heftige Reden gegen Mengershausen wurden gehalten, gegen die Kirchenvorsteher wurden allerlei Drohungen ausgesprochen. Was war nun zu tun? Um zwei Uhr in der Nacht gingen zwei Kirchenvorsteher nach Rosdorf zu Pastor Hampe, der damals noch „primarius vicarius"[5] war und der Sitzung vorgestanden hatte und nahmen weinend ihre Zustimmung zurück.

Zwischen Lemshausen und Mengershausen hat schon seit langen Jahren ein unerfreuliches Verhältnis bestanden. Nun musste der alte Modus bei Pfarrlasten zur Anwendung kommen, dass Mengershausen 2/3 und Lemshausen 1/3 bezahlte.

Der neue Pastor Adolf Hagemann aus Bardowiek wohnte gut zwei Jahre auf der Rasemühle und zog dann im August 1889 in die neue Pfarre. Durch das Leerstehen war die alte Pfarre noch mehr verfallen, doch in der Zeit, als Pastor Hartwig noch darin wohnte, sah sie doch wohl ganz handlich aus: Vor allen Fenstern Gardinen und Rouleaus, dann vor dem Haus ein niedlicher Blumengarten. Pastor Hartwig war ein großer Blumenfreund und hatte ganz besonders schöne Rosen. Mein Schwiegervater[6] sagte, dass er auch immer so nett mit den Rosen gesprochen hätte, er fand sie, obwohl er ziemlich blind war.

Das alte Pfarrhaus wurde nun rasch auf Abbruch verkauft, Wilhelm Schwarz kaufte es für 650 Mark. Er hat dabei ein sehr gutes Geschäft gemacht, weil das Holz vielfach noch gut war. Weil Tischler Kleinhans[7] keine gescheite Scheune hatte, so baute ihm Schwarz von dem Holz des Pfarrhauses eine neue Scheune, für die er an Schwarz 450 Mark bezahlen musste. Dann hat Schwarz noch viel im Dorf und auch nach auswärts verkauft. Dann kam Meister Rathkamp und nun ging es rasch vorwärts.

Als historische Erinnerung hätte ich nun gern den Pflaumenbaum, auf dem Karl Gerke allabendlich der Anna Hartwig ein Ständchen brachte, erhalten, aber er musste entfernt werden, nur ein kleiner Pflaumenbaum und ein Haselnussbaum blieben stehen, sie sind, glaube ich, noch da, ebenso der alte Wickelbrunnen, der aber oft kein Wasser hat.

Auf einem Balken an der Hintertür stand: „Erbaut im Jahr 1684." Somit ist die alte Pfarre etwas über 200 Jahre alt geworden.

Kirchlich gehörte Mengershausen im Mittelalter zu Sieboldshausen, das heißt, der Pastor von Sieboldshausen musste in Mengershausen predigen. Als zu Sieboldshausen noch ein anderes Dorf kam, wurde Mengershausen zu Rosdorf gelegt. Sieboldshausen musste aber dann an Rosdorf eine Hufe[8] Mengershäuser Pfarr- und Kirchenland abtreten.

Später habe der Pastor von Rosdorf noch von jedem Haus in Mengershausen einen Scheffel Roggen verlangt. Das taten die Mengershäuser aber nicht und baten um einen eigenen Pfarrer, der ihnen auch gegeben wurde.

Das wird so um 1684 gewesen sein, deshalb bauten sie schnell ein Pfarrhaus. Die 30 Morgen[9] Land sind scheinbar in Rosdorf geblieben.

Die neue Pfarre wurde 1888 gerichtet, ein einfaches Fest wurde dabei abgehalten, 1889 konnte sie bezogen werden. Das Gebäude ist unverwüstlich, wie jedes Haus, was der alte Rathkamp baute. Es ist ein großer viereckiger Kasten, ohne jedweden architektonischen Schmuck, für 22.000 Mark hätten auch Verschönerungen angebracht werden können.

Pastor Hagemann zog mit seiner Schwester Helene hinein, sie hatten nur für wenig Zimmer Möbel, nach einigen Monaten erhielten sie noch allerlei Möbel aus England, auch ein Klavier. Hier wohnte ein Bruder von Pastor Hagemann, der sich mit einer reichen Engländerin verheiratet hatte.

Durch den Gärtner Becker auf der Rasemühle hat Pastor Hagemann in dem Garten vor dem Haus Blumenbeete anlegen und Sträucher anpflanzen lassen. Der Obstgarten hinter der Pfarre enthält wenig wertvolles Obst, es sind alles hohe Bäume, uralt und sehr schwer zu pflücken.

Hagemann zog weg anfangs Februar 1899, zwei Kirchenvorsteher, Heinrich Kleinhans und Louis Gerke, hatten ihn zu grob behandelt....

[1] heute Walter Gerke, Lindenstraße 30

[2] Lindenstraße 31

[3] Wilhelm Steding

[4] Vermögen der Kirche

[5] Oberster Stellvertreter der Kirchengemeinde

[6] Wilhelm Steding

[7] Haus Nr.16, jetzt Lindenstraße 33

[8] Hufe=altes deutsches Flächenmaß (1 Hufe= in diesem Fall 7,5 Hektar)

[9] 7,5 Hektar

Eckart Leßner – Ortsheimatpfleger Mengershausen -