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Rosdorf aktuell
Ausgabe 9/2019
Mitteilungen
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Studienfahrt zu Freunden in Houdan

Ein Turnschuh, eine Bauchtasche mit 40 Euro und eine Mütze. Das sind die Gegenstände, die wir unfreiwillig in Frankreich gelassen haben. Alles andere ist nach fünf aufregenden Tagen und Nächten wieder mit nach Hause gekommen.

18 Schülerinnen und Schüler aus den 7., 8. und 9. Klassen hatten sich angemeldet, um an einem Schüleraustausch mit Schülerinnen und Schülern aus Groß Schneens Partnerstadt Houdan teilzunehmen. Aber dann kam alles ganz anders: Die Partnerschule sagte unerwartet und aus personellen Gründen den Austausch kurzfristig ab. Mit viel Mut zur Lücke und engagierten Menschen diesseits und jenseits des Rheins wurde improvisiert, so dass die deutschen Kinder schließlich doch fahren konnten und alleine oder zu zweit bei Familien wohnten, die sich der langjährigen, seit 1973 bestehenden, Partnerschaft der beiden Gemeinden verbunden fühlen und uns zu sich einluden. So konnten sie zwar nicht wie sonst üblich mit in die Schule gehen, am Unterricht teilnehmen und auch nicht in der dortigen Mensa essen, aber das typische französische Familienleben haben sie doch intensiv kennengelernt und trafen zum Teil auf Leute, die kein Wort Deutsch sprachen. Gott sei Dank sind inzwischen so gut wie alle französichen Haushalte mit W-LAN ausgestattet, so dass die Kommunikation untereinander (Google-Übersetzer!) und mit den Familien zu Hause gesichert war.

Zwei Tagesausflüge haben wir nach Paris unternommen, die Hauptstadt Frankreichs liegt nur eine knappe Stunde Fahrt mit dem Vorortzug östlich von Houdan. Um in Paris von A nach B zu kommen, fährt man Metro. Das bedeutet für Touristen wie für Einheimische Laufen, Treppensteigen, Rolltreppe rauf, dann wieder runter, noch mehr Laufen, kilometerlange Gänge. Kaum vorstellbar, dass bis 2020 sämtliche öffentliche Gebäude und eben auch die Metro barrierefrei sein sollen, wie es ein neues Gesetz offenbar vorschreibt!

Das größte Highlight der Reise war für viele unserer Schülerinnen und Schüler der Eiffelturm, und das buchstäblich, denn er ist mit einer Höhe von 324 Metern bis heute das größte Bauwerk der Stadt. Der Turm selbst von unten ein beeindruckender Metalltross („der ist viel größer, als ich gedacht hatte“), die Aussicht von oben ist atemberaubend. Spontan zum Eiffelturm zu gehen, ist allerdings keine gute Idee, denn ohne Reservierung im Internet läuft hier gar nichts. Die Zugänge zum Wahrzeichen der Stadt sind gut gesichert - während unserer Suche nach dem Eingang gibt es mehrmals Taschen- und Jackenkontrollen.

Überhaupt wird Sicherheit in Paris groß geschrieben. Immer wieder sehen wir an den Straßenrändern Absperr-Barken, die auf ihren Einsatz warten. Die Polizei ist im gesamten Stadtgebiet omnipräsent, im Auto, auf Motorrädern, zu Pferd oder neuerdings auf Inlinern, immer mit mehreren Personen.

Aber Paris ist auch wunderschön und friedlich, z.B. wenn man es vom Wasser her betrachtet. An unserem letzten Tag sind wir mit dem „Fliegenschiff“, dem Bateau mouche die Seine rauf- und runtergefahren, formidable!

Einen Tag der Kontraste haben wir in Versailles verbracht: Mittagssnack bei McDonald’s und anschließend Besichtigung des prachtvollen Schlosses von Versailles mit der riesigen Gartenanlage. Menschenmassen aus aller Welt wollen sehen, wie Ludwig XIV. dort im 17. Jahrhundert mit seinem Hofstaat von mehreren Tausend Menschen lebte. Audioguides in verschiedenen Sprachen erleichtern es, sich das Leben bei Hofe vorzustellen. Was wir bisher nicht wussten: Besucher sollten zuerst das Schloss selbst komplett ansehen, denn wer einmal im Garten ist, kommt nicht wieder rein.

In Frankreich ist vieles anders als zu Haus: Beim Frühstück gibt’s keine Teller! Das Baguette, Croissant oder Brioche wird einfach in die Schale Kaffee oder Schokolade getunkt und gegessen - auch wenn dabei alles vollkrümelt. Das Bad kann man oft nicht abschließen, und das Toilettenpapier ist sehr dünn und rosa. Die Mahlzeiten dauern lange, beinhalten mehrere Gänge, und es gibt meistens kein Sprudelwasser.

Jeder unserer Frankreichfahrer könnte diese Liste endlos verlängern. Und um all diese Unterschiede kennenzulernen, haben sie sich ja auch zur Frankreichfahrt angemeldet. Sie können stolz auf sich sein und werden bestimmt noch lange an ihre Houdanfahrt 2019 zurückdenken.