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Gemeinde-Zeitung Waging a. See
Ausgabe 6/2020
Ökomodellregion Waginger See
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Bioöle und Biosenf von Erzeugern aus der Ökomodellregion

Bioleinfeld in Tengling

Zeit für einen Ölwechsel! Heimische Öle aus unbehandelten, ungespritzten Ölsaaten, die chemisch nicht verändert, nicht mit Zusatzstoffen versehen werden und aus erster Pressung stammen, sind ein wertvoller Beitrag auf dem täglichen Speiseplan. Sie liefern essentielle Fettsäuren, die der Körper braucht, und wertvolle Vitamine und Spurenelemente. Ein unraffiniertes Naturprodukt schmeckt mit seinem spezifischen Eigengeschmack anders als sterile, chemisch extrahierte und mehrmals „gereinigte“ Öle, die zwar hocherhitzbar sind, aber neutral schmecken und ihre wertvollsten Substanzen längst eingebüßt haben.

Der Einsatz von Insektiziden gegen Schädlinge wie im konventionellen Rapsanbau ist im Biolandbau tabu. Das mindert den Ertrag deutlich, garantiert aber rückstandsfreie Produkte und fördert nebenbei die Insekten- und Artenvielfalt. Durch den Verzicht auf chemische Extraktion, die eine viel höhere Ölausbeute ermöglicht, wird der Ertrag nochmals eingeschränkt, aber beste Qualität erzeugt – beides zusammen erklärt den höheren Preis für ein regionales Bioöl. Als einer der wenigen Betriebe in der Region baut die Familie Kraller in Tittmoning Biosonnenblumen an. Das Salatöl wird direkt ab Hof gepresst und in braune Lichtschutzflaschen gefüllt, es hat viel Vitamin E und einen milden Eigengeschmack (damit passt es z.B. gut in den Krautsalat).

Vor allem Demeterbetriebe sind es, die den Anbau der uralten Kulturpflanze Lein wiederaufleben lassen. Die Besonderheit des Leinöls, der ausgesprochen hohe Gehalt an gesunden Omega-3-Fettsäuren, hat sich herumgesprochen. Frisch gepresstes Leinöl in bester Qualität gibt es aus Trostberg (Betriebe Aicher und Schmutz) oder vom Demeterbetrieb Franz Obermeyer aus Tengling, dessen Öle die Chiemgauer Ölmühle, Hans Niedl aus Nußdorf, jeweils nach Bedarf frisch presst.

Der Leindotter, eine weitere alte Kulturpflanze, ist nicht mit dem Lein verwandt, sondern mit Senf, Raps und Hederich. Leindotteröl war schon bei den Eroberungszügen der Wikinger mit im Fass, sein ausgewogener Gehalt an mehrfach ungesättigten Fettsäuren macht den gesundheitlichen Wert aus. Mehrere Landwirte aus der Ökomodellregion, die Dinkel und Hafer für den Müslierzeuger Barnhouse anbauen oder Biobraugerste für die Brauerei Stein, mischen den Leindotter als Nebenfrucht regelmäßig ins Getreide. Diese Felder bieten einen dreifachen Nutzen: Getreide, Öl und dazu den Blütenreichtum für Bienen und weitere Insekten. Ein echter Glücksfall ist, dass es in der Region auch heimischen Biohanfanbau gibt (THC-arme Sorten, also ohne Rauschwirkung). Hans Posch aus Nußdorf gehört zu den Pionieren, die seit Jahren unverdrossen Hanf anbauen und an einer Verbesserung der Erntetechnik arbeiten. Hanföl wird nach seiner Erfahrung auch gern von Allergikern gekauft. Auch die Ölmühle von Toni Lamprecht in Garting bei Schnaitsee ist inzwischen biozertifiziert und stellt einen Teil der Öle in Bioqualität her, darunter Biorapsöl und Biohaselnussöl. Fast unbekannt ist, dass es in der Region auch Biosenföl aus heimischem Anbau gibt; es stammt von mehreren Biosenfbauern aus der Region und wird von der Chiemgauer Ölmühle gepresst. Erstaunlicherweise schmeckt es nicht scharf, sondern sehr mild, und passt bestens in fast alle Salate.

Der Hauptteil des in der Region geernteten Biosenfs geht zur Firma Byodo nach Mühldorf, die den Senf ihrem Biogelbsenf beimischt, faire Preise bezahlt und auf steigende Erträge und mehr teilnehmende Bauern hofft, damit ein echter regionaler Bio-Gelbsenf erzeugt werden kann. Er ist im Naturkosthandel (Bioladen) erhältlich.

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