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Gemeinde-Zeitung Waging a See
Ausgabe 8/2023
Ökomodellregion Waginger See
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Regionalinitiativen, damit die kleinen Dörfer nicht abgehängt werden - Regionalinitiativen der Gegend: Rückblick auf erfolgreiche Arbeit

Regionalinitiativen der Gegend: Rückblick auf erfolgreiche Arbeit

Wonneberg. Mit dem Ziel, die Region zukunftsfähig zu gestalten, haben sich viele der Kommunen rund um den Waginger See, im Rupertiwinkel und darüber hinaus zusammengeschlossen, um die Dinge gemeinsam anzupacken, jedoch ohne dabei auf ihre Eigenständigkeit und Identität verzichten zu müssen. Kurzum: Jeder beteiligt sich und profitiert vom großen Ganzen. Dazu arbeiten drei verschiedene Regional-Initiativen zusammen, die sich mit unterschiedlichen Aufgabengebieten und Projekten beschäftigen, um die Attraktivität der vom anhaltenden wirtschaftlichen, sozialen und gesellschaftlichen Wandel betroffenen Dörfer und kleinen Städte zu erhalten. Dass die Initiativen dabei erfolgreich agieren und schon sehr weit gekommen sind, wurde jetzt auf der gemeinsamen Regionalkonferenz aller drei Initiativen im Wonneberger Bürgerhaus deutlich. Denn dort präsentierten die Verantwortlichen und Mitarbeiter der einzelnen Interessensgemeinschaften den Konferenzteilnehmern eine einzigartige Vielfalt an Handlungsfeldern und verwiesen auf bereits realisierte Vorhaben und ihr breites Spektrum an Aufgaben.

Bei diesen drei Regionalinitiativen handelt es sich um die „Zukunftsregion Rupertiwinkel“ mit Kirchanschörings Bürgermeister Hans- Jörg Birner an der Spitze, um die „Ökomodellregion Waginger-See-Rupertiwinkel“ mit Wagings Bürgermeister Matthias Baderhuber und Tachings Bürgermeisterin Stefanie Lang, die diese Organisation als Sprecher vertreten, sowie um die lokale Leader-Aktionsgruppe „Traun- Alz Salzach“, für die Tittmonings Bürgermeister Andreas Bratzdrum verantwortlich zeichnet.

Die Regionalinitiativen fördern eine nachhaltige Landwirtschaft, Bio-Landwirte, Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe samt der Vermarktung von deren Produkten und Dienstleistungen. Denn die Landwirtschaft und die Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe bilden das Rückgrat für einen multifunktionalen ländlichen Raum, ergänzt durch eine Aktivierung der Bürgergesellschaft zur Übernahme von Eigenverantwortung. Zielsetzung der Regionalbewegung ist der Erhalt der Lebensgrundlagen für Menschen, Tiere und Pflanzen. Hierzu gehören Wasser, Luft, Boden und Energie, aber auch Arbeitsplätze, gute Arbeitsbedingungen und faire Preise. Regionales Wirtschaften bildet hierfür die Basis. Nun berichteten die Entscheidungsträger, Verantwortlichen und Mitarbeiter der drei Gruppen über die einzelnen Projekte, die aktuell laufen, bereits durchgeführt oder in nächster Zeit geplant sind.

Das Grußwort übernahm „Hausherr“, Martin Fenninger. Er bestätigte, dass Wonneberg gewaltig von den Initiativen profitiert habe. Nur mit Hilfe der Gelder, die das Amt für Ländliche Entwicklung über die Regionalinitiativen bereitstelle, sei es möglich gewesen, dass die Gemeinde das Wonneberger Bürgerhaus errichten konnte. „Das Geld ist gut investiert“, betonte er angesichts der regen Nutzung durch die Wonneberger Bürger und der vielen darin stattfindenden Veranstaltungen. „Ich bin dankbar, dass Wonneberg Mitglied der Regionalinitiativen ist.“ Bei den Treffen der Regionalinitiativen gehe es ständig darum, die Vitalität und die Anpassungsfähigkeit der ländlichen Kommunen zu stärken. Er fragte sich aber: „Woher sollen die Leute, die wir dafür brauchen, denn kommen?“. Viele junge Leute wanderten ab. Und obwohl schon ein Mangel an Verwaltungsmitarbeitern herrsche, steige die Bürokratiebelastung in den Rathäusern. Mit der Einführung der Ganztagsschule, müssten die Kommunen wieder mehr pädagogisches Personal einstellen, das ebenso fehle, wie andere Fachkräfte. Hans- Jörg Birner zeigte sich in seiner Rede dankbar, dass so viele Kommunen bei den Initiativen mitmachen. Die Ökomodellregion Waginger See-Rupertiwinkel (ÖMR) sei mittlerweile ein Vorzeigeprojekt in ganz Bayern. Sie bestehe nun schon seit fast zehn Jahren und sei die erste im Freistaat gewesen. Zwischenzeitlich gebe es 35 davon.

Das heißt, dass auf etwa 43 Prozent der Fläche in Bayern aktuell Ökomodellregionen, Bio-Musterregionen, für den Ökolandbau aktiv sind. Laut Birner lässt sich daran ablesen, dass viele Kommunen überzeugt sind, den Biogedanken selbst voranbringen zu müssen.

Er stellte dann die „Zukunftsregion Rupertiwinkel“, deren Mitarbeiter, Finanzierung und Büroräume näher vor. Die Kooperation basiere auf den drei Säulen der Nachhaltigkeit, die sie mit unterschiedlichen Vorhaben umsetze. In allen Kommunen habe man den Vitalitäts-Check (VC) zur Innenentwicklung abschließen können. Dessen Ergebnisse fänden sich nun in einer Flächenmanagementdatenbank, mit deren Daten sich die bauliche Innenentwicklung nun besser steuern lasse. Vorläufig beendet sei das Pilotprojekt „Landwirtschaftsrat-Prozess“, der aber als sogenannter Bauernrats-Prozess in eine weitere Runde gehen soll. Birner erinnerte noch einmal im Detail an den Ablauf des Landwirtschaftsrats. Zudem ging er auf die Workshops und Klausuren ein, welche das „Pilotprojekt Resilienz und Landentwicklung“ mit sich brachte. Mit diesem Projekt verfolge man das Ziel, die gesamte Region, resilient, krisensicher und zukunftsfähig zu machen. Die Resultate fließen in das „Integrierte Ländliche Entwicklungskonzept“ (ILEK) ein, mit der die Zukunftsregion arbeitet und das nun unter Beachtung der Resilienz-Aspekte fortgeschrieben wird. Eingebettet in die Fortschreibung sind auch Bürgerbeteiligungsprozesse (Bürgerräte), die an einzelnen Themen mitwirken. Bürger sollen auch wieder viel mitreden dürfen, wenn ab dem Herbst für alle Gemeinden der Zukunftsregion ein interkommunales „Klimawandel-Anpassungskonzept für Sturzfluten“ erarbeitet wird. Dafür lässt die Region von einem Fachbüro eine Fließwege- und Gefahrenkarte erstellen, die aufzeigt, wohin das Wasser bei starken Regenfällen fließt. Die Gutachten und Karten bilden dann die Grundlage für eventuelle Maßnahmen zum Schutz vor Überflutungen und zwar in allen Orten der ILE-Region „Überdies wollen wir im Rahmen des Konzeptes auch sektorenübergreifende Maßnahmen für Gewässer, Landwirtschaft, Naturschutz und Bauleitplanung erarbeiten“, sagte Birner, ehe er das Regionalbudget für förderfähige Projekte in der ILE-Region, die jetzt ja Zukunftsregion Rupertiwinkel heißt, vorstellte. Das Amt für Ländliche Entwicklung stelle jeder ILE-Region heuer wieder Gelder in Höhe von 100.000 Euro zur Verfügung. Dabei werde der Fördertopf zu 90 Prozent aus Mitteln des Amtes für Ländliche Entwicklung (ALE) und zu zehn Prozent aus Eigenmitteln der Allianzgemeinschaft gespeist. Ziel des Regionalbudgets sei es, eine aktive, eigenverantwortliche ländliche Entwicklung zu forcieren und die regionale Identität zu stärken. „Alleine in den letzten drei Jahren haben wir dafür fast 236.000 Euro an Zuschüssen abrufen können“, betonte Birner. Mit Beträgen aus diesem Fördertopf habe man auch die insgesamt 50 verschiedenen Projekte (davon 13 Kooperationsprojekte) in Taching und Kirchanschöring (jeweils 13), in Waging (sechs), in Wonneberg und Tittmoning (je vier) sowie in Petting und Fridolfing (je fünf) mitfinanzieren können, sagte Birner. Abschließend dankte er der Vertreterin des Amtes für Ländliche Entwicklung, Tanja Mayer.

Die Projektmanagerin der ÖMR, Marlene Berger-Stöckl, betonte, dass die Kombination aus bio und regional hohe lokale Wertschöpfung schaffe. Deshalb baue man die hiesige Wertschöpfung immer stärker aus und bringe immer mehr Biolandwirte mit Bio-Lebensmittel Verarbeitern zusammen. „Die Kooperationen mit der Brauerei Stein und mit Barnhouse haben sich großartig entwickelt.“ Vor einiger Zeit sei es auch gelungen, die Firma „SoTo/ organic veggie food“ für die Abnahme des in der Region angebauten Getreides zu gewinnen, darunter Emmer, Buchweizen und Hafer. Auch die Vermarktung von Bio-Ölen aus der Gegend laufe gut, nannte sie einige Beispiele für gelungene Kooperationen. Zurzeit baue man ein Feldgemüsenetzwerk mit jungen Biogemüsebauern auf. Zum Wohl des Tieres fördere die ÖMR das stressfreie, Hof nahe Schlachten, wofür man heuer zwei regionale Schlachthöfe bei der Beschaffung eines teilmobilen Schlachtanhängers unterstützen konnte. Ab Herbst 2024 könne die ÖMR wieder Fördermittel für weitere Kleinprojekte, wie dies zum Beispiel der Schlachtanhänger ist, beantragen, sagte Berger-Stöckl, nachdem sie ihren Rückblick auf die zahlreichen, bisher realisierten Projekte abgeschlossen hatte. Lilli Dinglreiter ist die neue Teilzeit-Mitarbeiterin der ÖMR. Zu ihren Aufgaben gehöre, den Bio-Anteil in der Außer-Haus-Verpflegung zu steigern. „Vor allem die kommunalen Einrichtungen wie Schulen, Krankenhäuser oder Kindergärten sollen mehr Bio-Lebensmittel verwenden.“ Unter anderem vernetze sie Bio-Caterer mit den kommunalen Einrichtungen. Ein erster Erfolg sei der Start des BioRegio-Coachings für das Seniorenheim Waging, in Zusammenarbeit mit den schulischen Einrichtungen der Gemeinde. Auch bei öffentlichen Veranstaltungen setze die ÖMR zunehmend auf die biozertifizierte Schiene. Es gebe mittlerweile einen Food-Truck, der Bio-Burger mit Bio-Zutaten aus der Region anbiete, die bestens ankommen. Vorgesehen sei die Teilnahme am Modellregionen-Wettbewerb „Ernährungswende in der Region“. Überdies seien viele weitere Vorhaben, Treffen und Veranstaltungen geplant, die dem Ökolandbau und damit letztlich dem Schutz des Waginger Sees und Abtsees, des Grundwassers und der Artenvielfalt dienen, sagte Dinglreiter. Schließlich stellte die Managerin der Leader- LAG, Elke Ott, die vielen umgesetzten Vorhaben, wie etwa die Neugestaltung eines Generationenplatzes am Strandbad Leitgeringer See, genauer vor, die nur mithilfe von Leader-Zuschüssen machbar waren. Diese umfassen zwischen den Jahren 2014 und 2022 ein Projektvolumen von mehr als 11 Millionen Euro. Leader bewilligte dafür gut 4 Millionen Euro an Zuschüssen. Im neuen Förderzeitraum 2023 bis 2027 dürfe allein die Aktionsgruppe „Traun- Alz Salzach“, mit weiteren Leader-Mitteln von knapp 1,9 Millionen rechnen. Es gebe da aber wohl noch Luft nach oben, schätzt Elke Ott. Sie empfahl, Mittel für einzelne Vorhaben rechtzeitig abzurufen und erläuterte, was LEADER als förderwürdig erachtet. LEADER ist eine EU-Förderstrategie zur Mobilisierung und Umsetzung der Entwicklung in ländlichen Gemeinschaften. Wesentliche Grundlage ist das Engagement der Regionen, ihrer politischen Entscheidungsträger und ihrer gesellschaftlichen Gruppierungen. Öffentlich-private Partnerschaften entfalten in eigener Verantwortung Initiativen, erkennen Stärken und Schwächen, formulieren Ziele, bestimmen Entwicklungsstrategien und legen diese in regionalen Entwicklungskonzepten dar. Unter anderem ist die Einrichtung einer Lokalen Aktionsgruppe (LAG) als Träger der lokalen Entwicklungsstrategie Voraussetzung für die Anerkennung als Fördergebiet.

Anneliese Caruso