Der Winter war (bis jetzt) nur kurz und heftig. Leiser Schneefall und tiefe Temperaturen zur Vorweihnachtszeit haben eher zur richtigen Stimmung beigetragen, als ein großes Loch durch die Heizkosten in die Kasse zu reißen. Sogar die Gaspreise sinken merklich. Bei den Stromkosten sind die Kunden der Stadtwerke Trostberg mit deren moderater Preisanpassung sowieso gut aufgehoben. Diese Verteuerung lässt sich durch bewusstes Nutzen und sparsamen Einsatz auffangen. Nachdem die Benzinpreise an den Tankstellen von zeitweise 2 Euro aktuell wieder auf 1,65 Euro gesunken sind, wird dieses Niveau von vielen auch nicht mehr als bedrohlich empfunden. Es ist jedem/jeder Autofahrer*in bewusst, dass sich die Energiepreise von vor 10 Jahren nicht mehr einstellen werden. Wenn das auch manchen wünschenswert erschiene – die Auswirkungen auf das Klima wären fatal, denn billige Energie verführt zu gedankenlosem Mehrverbrauch. So aber führt unsere Bereitschaft Energie zu sparen parallel zu den fast schon frühlingshaften Temperaturen dazu, dass der laufend diskutierte Füllstand der Gasspeicher im grünen Bereich bleibt.
Sind wir also mit einem „blauen Auge“ durch die aktuelle Energiekrise gekommen? Kann vielleicht sogar Entwarnung gegeben werden?
Leider nein. Erstens kann der Winter durchaus noch seine kalte Schulter zeigen. Und zweitens sind die Energie-Baustellen bei weitem nicht in trockenen Tüchern. Der Umbau der Strom- und Wärmeversorgung weg von den fossilen Brennstoffen steht erst am Anfang. Dass über Kohleabbau debattiert wird und LNG-Terminals in Rekordzeit in Betrieb gehen, lenkt vom eigentlichen Thema ab. Es geht nach wie vor darum, die Verbrennung von fossilen Stoffen schnellstmöglich zu beenden, am besten weltweit. Die westlichen Industrienationen haben seit der Industrialisierung sehr viel Treibhausgas ausgestoßen. Heute liegt der pro Kopf CO2-Ausstoß der Deutschen bei durchschnittlich 11,2 Tonnen (Stand: 2021, Quelle: statista.de). Klimaverträglich wäre lt. Umweltbundesamt ein weltweiter pro Kopf Ausstoß von max. 1 Tonne.
Als hochentwickelte westliche Industrienation sind wir aufgefordert, Wege aus der Misere zu entwickeln. Kohle und Flüssiggas dürfen nur einen Übergang zu den erneuerbaren Energien ermöglichen. Jetzt muss zügig der Ausbau der Stromnetze erfolgen, damit parallel dazu erstellte Windkraftanlagen, Freiflächen-Solarstromanlagen, Geothermiekraftwerke, Biomasse- und Wasserkraftwerke an leistungsfähige Anschlusspunkte angeschlossen werden können. Wenn wir jetzt erst mal aufatmen, weil dieser Winter voraussichtlich gut zu überstehen ist, bedeutet das noch lange keine Entwarnung. Noch stehen keine neuen Windräder und die PV-Anlagen existieren größtenteils vorerst nur auf dem Papier. Um im Zuge der Energiewende den Umbau bewältigen zu können, ist Entschlossenheit und Sparsamkeit gefragt. Planungs- und Genehmigungsverfahren müssen auf Verbesserungsmöglichkeiten geprüft werden. Gleichzeitig dürfen wir Strom und Wärme nicht verschwenden, um den Einsatz von Kohle und Gas und damit den CO2-Ausstoß möglichst gering zu halten. Jetzt gerade hilft uns ein milder Winter mit einem blauen Auge davon zu kommen. Aber die nächsten Jahre bedeuten eine große Herausforderung. Es geht um die Begrenzung der Klimaerwärmung mit all ihren Folgen. Man kann über „Die letzte Generation“ verständnislos den Kopf schütteln, sollte aber bedenken: In den nächsten Jahrzehnten droht deutlich mehr als nur ein blaues Auge.
Informationen: johann.stalleicher@trostberg.de