Zu sehen hinten ein Schnitt durch die Matthäuszeche Links: „das Geleucht“ mit den verschiedenen Ausführungen. Rechts: die Situation unter Tage
Der fast darniederliegende Hüttenbetrieb der Salzburger Eisengewerkschaft am Ende der napoleonischen Kriegszeit führte dazu, dass 1820 nur noch 44 Bergleute in Neukirchen in Lohn und Brot standen. Um den neuen Hochofen ausreichend mit Erz versorgen zu können, war es zwingend notwendig, auch das Bergwerk zu modernisieren. Dies betraf auch die Entlohnung und den Status der Bergleute: Sie erhielten nun „Gedingelohn“, das heißt, dass sie nach Leistung bezahlt wurden: nach der Fördermenge oder dem Fortschritt der Arbeiten beim Ausbau und der Instandhaltung des Bergwerks.
1854 nahm das Unternehmen den Bau eines neuen „Erbstollens“ in Angriff. Als Erbstollen bezeichnet man den tiefsten Stollen im Bergwerk, in dem das Grubenwasser zusammenläuft (er „erbt“ das Wasser) und aus dem es mittels Pumpen, Wasserhebemaschinen oder Rinnen herausbefördert wird.
Der neue Stollen lag wesentlich tiefer als der alte Christopherus-Erbstollen und führte weiter ins Achthal hinein, um die geförderten Erze über Gleise näher ans Werk zu bringen. Das sparte Fuhrkosten. Zugleich sollte das durch den Stollen abgeleitete Grubenwasser als Antriebsenergie für das Gebläse des Hochofens genutzt werden, wobei diese allein natürlich nicht ausreichte.
Erst 1873 konnte der 2 Kilometer lange Untertagebau vollendet werden. Zu dieser Zeit arbeiteten rund 150 Bergleute in der „Matthäus-Zeche“. Dieser moderne Name für die gewerkschaftlichen Eisensteingruben in Neukirchen entwickelt sich im Laufe des 19. Jahrhunderts und erinnerte an den Fürsterzbischof Matthäus Lang, unter dem das Unternehmen 1537 gegründet worden war. Ab 1869 wurden neue Gesteinsbohrmaschinen eingesetzt und moderne Grubenlampen eingeführt.
Doch wenig später begann im gesamten Deutschen Reich eine heftige Bergbaukrise, nachdem die Einfuhrzölle auf Eisen aufgehoben worden waren. Bis auf eine Stammbelegschaft von 11 Mann wurden alle Bergleute in Neukirchen entlassen. Erst am Ende der 1880er Jahre besserte sich die Situation, bis 1895 erneut so starke Absatzschwierigkeiten eintraten, dass eine Schließung mehrmals diskutiert wurde. Sechs Jahre später wurde ein neues großes Erzvorkommen aufgefunden und zugleich der Absatz an Roheisen durch ein rheinisches Rüstungsunternehmen garantiert. Bergbau und Eisenwerk blühten erneut auf.
Führungen nach vorheriger Anmeldung jederzeit möglich. Infos unter: https://bergbaumuseum-achthal.byseum.de/