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Pidinger Gemeinde-Report
Ausgabe 1/2026
Aus den Vereinen
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Hart Konrad zum Gedenken

Konrad Hart

Ein aktives Leben für die Allgemeinheit

Konrad Hart wurde am 24. November 1935 als sechstes und jüngstes Kind der Eheleute Karl und Maria Hart in Alkofen bei Vilshofen geboren. Er hatte noch vier ältere Brüder und eine ältere Schwester, die alle, wie auch Konrad, die Volksschule in Alkofen besuchten.

Nach acht Jahren Volksschule erlernte er den Beruf eines Bäckers, den er bis 1972 ausübte.

Zunächst zog es ihn nach seiner dreijährigen Lehre aus dem niederbayerischen Alkofen an den Ammersee. Nach kurzer Zeit fand er über eine Bäckerzeitung eine neue Anstellung bei der Bäckerei Kurzmaul im hiesigen Karlstein. Von dort zog es ihn weiter zur Bäckerei Dießbacher nach Inzell und später zu dessen Zweigstelle nach Berchtesgaden. Sein beruflicher Werdegang führte ihn von hier weiter nach Mitterfelden zur Bäckerei Schrott.

1961 legte er in München-Lochham seine Meisterprüfung als Bäcker mit Erfolg ab und kehrte wiederum zur Bäckerei Schrott zurück. Nebenbei verdiente er sich noch in Piding als Allrounder im Sägewerk Reichenberger ein Zubrot. Als Bäcker zog es ihn dann von der Bäckerei Schrott nach Bad Reichenhall zur Bäckerei und Konditorei Neuschmid, wo er knapp acht Jahre arbeitete. Seinen Nebenjob beim Sägewerk Reichenberger hat er aber nie aufgegeben. Aus gesundheitlichen Gründen musste er den Job als Bäcker 1972 an den Nagel hängen und arbeitete fortan nur noch im Sägewerk Reichenberger, wo er neben der allgemeinen Sägewerkstätigkeit noch Reichenbergers Sägeblätter einen neuen Schliff verpasste. Auch Kundenwerkzeuge wurden von Konrad bis spät abends im berühmten Sägewerksstüberl mit einer neuen Schneid versehen. Diese Tätigkeit verrichtete Konrad bis zum Tod von Karl Reichenberger.

1993, also mit 58 Jahren erhielt er als Schwerbehinderter noch bis zur Verrentung 1995 Arbeitslosengeld. Dieses besserte er sich mit einem kleinen Nebenjob in der „ Reichenhaller Glasfabrik“, die in der „ Alten Saline“ untergebracht war, auf. Mit dem Umzug dieser Firma nach Österreich endete auch sein beruflicher Werdegang und er widmete sich fortan nur noch der Familie, seinen Hobbys und seinem vielfach gesuchten und geschätzten Weihnachtsgebäck und Torten in seiner komplett eingerichteten kleinen Hausbäckerei. Einmal, so erzählte Konrad, hat er bis zu 100 kg Mehl und mehr verbacken. In einem Spitzenjahr waren dies sogar Plätzchen aus 110 kg Mehl. Selbst bis einen Tag vor Heilig Abend hat er Aufträge angenommen und termingerecht geliefert.

Soweit sein beruflicher Werdegang.

Während seiner Tätigkeit bei der Bäckerei Kurzmaul lernte er die einzige Tochter des ortsbekannten Pidinger „Postboten“ Hias Haslauer, seine spätere Frau Maria (Ria) beim Tanzen im Gasthof Tiroler Tor in Bad Reichenhall kennen und lieben. Am 23. Februar 1957 haben sie in der Pidinger Kirche Maria Geburt geheiratet und beim Neuwirt fand die weltliche Feier statt.

Zunächst wohnten sie bei ihren Eltern Hias und Maria Haslauer in der Bachstraße in Piding. In dieser Zeit hatte er 1958 einen schweren Unfall mit seinem Motorroller, wobei er sich u.a. einige Bänder riss und den linken Knöchel brach. Mehr als ein halbes Jahr musste er im Reichenhaller Krankenhaus verbringen. Nach seiner Genesung machte er sich Gedanken über bessere Wohnverhältnisse und suchte sich ein Grundstück, das er 1963 beim Lohmoar-Bauern in der heutigen Carossastraße fand. Mit viel Eigenleistung konnte er sich 1965 seinen Eigenheimwunsch erfüllen. Aus seiner Ehe mit Ria gingen vier Kinder, drei Buben und ein Mädel hervor, die alle in der näheren oder weiteren Umgebung sich ansiedelten. Sein Ältester, Robert blieb in Piding.

Durch seine Verletzung fand Konrad 1961 den Weg zum VdK, den er später selbst als Ortsvorsitzender von Piding über 30 Jahre lang führte. Ebenso war er einige Jahre als stellvertretender Kreis-Vorsitzender tätig. Für dieses Engagement wurde er vom Ortsverband Piding 2008 zum Ehrenvorsitzenden ernannt und vom Kreisverband BGL erhielt er für seine Verdienste die Patronia Bavaria-Plakette in Silber verliehen.

Seit Anfang der 60er Jahre oblag ihm als bayernweit bekannten Schafkopfkönig die Leitung der alljährlichen Schafkopfturniere, zunächst für die Bürgerbräu Brauerei und später auch noch für die der Brauerei Wieninger, die ihn nicht nur in den Kreisen BGL und Traunstein herumführten. Ja, sogar in ganz Bayern fanden unter seiner Leitung Schafkopfturniere statt. Er selbst brachte es bis zum Bayerischen Meister im Schafkopfen. An der VHS führte er sogar Schafkopfkurse durch, die viele neue Freunde des Schafkopfens hervorbrachten. Erst im hohen Alter gab er diese Aufgabe in die Hände seiner Stellvertreter ab.

Aber auch sportlich hat sich Konrad Hart betätigt.

Als 1970 im ASV Piding die Wanderabteilung gegründet wurde, war er als Organisator und Wanderwart an vorderster Stelle mit tätig. Bis zur Auflösung der Wanderabteilung 1999 war er ununterbrochen mit der Organisation von Gruppen zum Besuch befreundeter Wandervereine betraut und warb dabei fleißig für den eigenen Wandertag, die Saalachtal-Wanderung. So brachte diese Bewegung in den knapp 30 Jahren ihres Bestehens fast 100.000 Wanderer nach Piding ins schöne Berchtesgadener Land zu den diversen eigenen Wandertagen. Die Pidinger Wanderfreunde hingegen besuchten dafür in dieser Zeit etwa 1.000 Wandertage in ganz Bayern und Österreich. Dabei legte Konrad Hart mit seinen Wanderfreunden aus Piding und der weiteren Umgebung mehr als 500.000 km zurück, eine Strecke mehr als 10 mal um die Welt!!! Eine unglaubliche Leistung.

Leider wurden Konrad und Ria im hohen Alter pflegebedürftig, weshalb Ria seit Oktober 2023 im Seniorenpflegeheim Bad Reichenhall-Kirchberg und dann ab Dezember 2024 im Seniorenheim Vivaldo in Piding bis zu ihrem Tod am 6. Oktober 2025 gepflegt wurde. Konrad hingegen konnte noch mit Hilfe des Pflegedienstes der Caritas und der ärztlichen Betreuung durch Dr. Michael Jochum zu Hause versorgt werden. Anfang Oktober, nach einem Sturz im heimischen Umfeld musste er ins Krankenhaus eingeliefert werden. Dort ist er am 9. Oktober 2025, nur drei Tage nach dem Tod seiner Frau ebenfalls verstorben.

Welche Fügung: Einige Tage vor ihrem Tod konnten sich beide noch kurz an Konrads Krankenbett im Reichenhaller Krankenhaus treffen.

Täglich las Konrad seine Heimatzeitung und war stets auf dem Laufenden. Viel Freude machte ihm die Fernsehserie „Dahoam is dahoam“, bei der er nicht gerne gestört werden wollte. Politisch war er ein großer Fan von Angela Merkel, weshalb er sich zum 90. ihr Buch „Freiheit“ gewünscht hatte. In weiser Voraussicht hat ihm sein Ortsverband Piding noch diesen Wunsch vorzeitig erfüllt und ihm damit eine große Freude bereitet. Innerhalb weniger Tage hat er dieses Buch noch gelesen.

Der VdK-Kreisverband BGL wollte ihm für seine lange Treue und Verdienste zum Verband noch eine große Ehre erweisen und hat ihn in seiner Sitzung Anfang Oktober zum Ehrenmitglied ernannt. Leider war der Tod schneller als der VdK, weshalb er diese Ehrung nun posthum verliehen bekam.

Die Vorstandschaft des VdK-Ortsverbandes Piding sowie des VdK- Kreisverbandes BGL und die vielen Wegbegleiter bei all seinen Ämtern trauern zusammen mit seinen Kindern und Angehörigen um „ihren“ Konrad. Durch seine vielfältigen Verpflichtungen war er vielen in tiefer Freundschaft, aber auch Dankbarkeit verbunden.

Wir alle trauern um einen Großen in der Vereinswelt. Wir trauern mit seinen Kindern und Angehörigen und werden „ihren“ Konrad nicht vergessen.

VdK Orts-Verband Piding, Siegfried Fiedler, Ortsvorsitzender

Johann Wallner