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Pidinger Gemeinde-Report
Ausgabe 3/2026
Soziale Einrichtungen
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Soziale Einrichtungen

Abdullah und Viktor – für Kaffee ist gesorgt..

 

Soeben hat Abdullah Kasem die Abschlussprüfung zum staatlich anerkannten Heilerziehungspfleger absolviert. Sein Notendurchschnitt von 1,8 und die gleichzeitig erworbene Fachhochschulreife (FOS-Abitur) sind umso beachtlicher, wenn man seine Geschichte etwas genauer betrachtet:

Seine Eltern stammen aus Somalia, aufgewachsen ist er in Saudi-Arabien. Aufgrund seines Ausländerstatus hatte er jedoch keine Möglichkeit, eine reguläre Schule zu besuchen. Mit 15 Jahren machte er sich auf den Weg zu seinem Onkel, der in London lebt. Die abenteuerliche Reise führte den unbegleiteten Minderjährigen über Irak, Iran, Türkei, Griechenland, Albanien, Montenegro, Bosnien, Kroatien, Slowenien und Österreich bis nach Freilassing. Bei der Grenzkontrolle fiel auf, dass sich acht Personen in einem PKW befanden: „Stopp- alle raus!“, lautete die Anweisung der Polizei. Abdullah wurde von der Polizei nach Bischofswiesen in eine betreute Unterkunft für Jugendliche gebracht. Was mit den anderen Reisenden geschah, weiß er bis heute nicht. Ein Glas Wasser und erstmal 2 Tage Durchschlafen, so beschreibt er seine Ankunft im Berchtesgadener Land. Der Teenager fand in der Wohngruppe sein Zuhause, wurde betreut, bekam die erste Brille seines Lebens, begann sofort, Deutsch zu lernen und machte sich auf den Weg, seine schulischen Defizite aufzuholen. Nach einem 2jährigem intensiven Mittelschulkurs bestand er die Abschlussprüfung, sprach inzwischen fließend Deutsch und formulierte für sich ein neues Ziel: „Ich werde mir einen Beruf aussuchen, bei dem man nicht andauernd rechnen muss!“ Er begann an der staatlichen Berufsfachschule für Sozialpflege in Traunstein die Ausbildung zum Sozial- bzw. Krankenpflegehelfer. Während seiner Praktika lernte er neben der ambulanten Pflege und dem Krankenhausbetrieb auch Einrichtungen der Behindertenhilfe kennen - darunter die Pidinger Werkstätten (PWLH) und das Wohnhaus der Lebenshilfe in Berchtesgaden.

Mit der Abschlussprüfung erhielt Abdullah außerdem die mittlere Reife und legte damit die Grundlagen für seinen weiteren beruflichen Weg. Anschließend begann er in der PWLH die dreijährige Ausbildung zum Heilerziehungspfleger. Im Jahr 2025 absolvierte er eine sehr erfolgreiche Zwischenprüfung mit einem inklusiven Ersthelferkurs für Teilnehmer aus unterschiedlichen sozialen Einrichtungen.

Seine Projektarbeit zum Ende der Ausbildung widmete sich der individuellen Förderung eines blinden Mitarbeiters durch systematisches Training und gezielte Anleitung ist dieser nun imstande, selbstständig für sich und seine Kollegen Kaffee zuzubereiten. Die Arbeit wurde hervorragend bewertet und zeigt eindrucksvoll die an die pädagogischen, didaktischen und persönlichen Fähigkeiten, die ein Heilerziehungspfleger mitbringen muss.

Abdullah und Viktor – für Kaffee ist gesorgt..

Der junge Mann, mittlerweile 22, hat „nebenbei“ das Sprachniveau „C1“ erreicht und die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten. Er freut sich über seine Übernahme als Fachkraft im Gruppendienst der Pidinger Werkstätten und hofft, dass er nach dieser intensiven Zeit mit Ausbildung und Nebenjobs nun wieder etwas mehr Zeit fürs Basketballspielen und Berggehen findet.

Sein Resümee: „Ich hatte wirklich Glück, hierher zu kommen. Mein Start bei Null, so viel Neues, die vielen Übergänge und Veränderungen - das ist mir nicht leichtgefallen, aber es wurde immer besser, ich konnte mich gut integrieren, bin dankbar für die umfassende Unterstützung und habe meinen Platz gefunden.“

Und was sagen seine Kollegen? „Der Abdu hat so viel erlebt, so viel gelernt, der hängt sich rein und bringt sich super ein, hat einen tollen Draht zu unseren Mitarbeitern. Der passt genau zu uns.“

Mehr über die Pidinger Werkstätten und die Möglichkeiten, Abdullah im Rahmen eines freiwilligen sozialen Jahrs oder Bundesfreiwilligendienstes kennenzulernen unter www.pwlh.de

Text: Florian Huber