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Schnaitsee
Ausgabe 4/2026
Strassennamen erzählen
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Straßennamen erzählen

Richard Bauer †1971

Graf Chuno (Franz Flötzl) und Pertha von Berg (Amalie Irlbacher)

2.Reihe von rechts: Georg Sewald (Knappe), Richard Bauer, Amalie Irlbacher (Pertha von Perge), Franz Flötzl (Chuno I. von Schnaitsee) und Max Simmeth (Graf Sighard) mit Gefolge

…aus der Geschichte unserer Gemeinde:

Richard-Bauer-Straße (10)

Eigentlich hätte die 1000-Jahrfeier von Schnaitsee schon 1924 (erste urkundliche Erwähnung 924) oder 1950 (Schnaitsee als Sitz des Grafen Sighard 950) stattfinden können. Aber die Menschen beschäftigten zu diesen Zeiten andere Sorgen: 1924 waren es Börsenkrach und Weltwirtschaftskrise, und 1950 ging es den meisten vorrangig um eine gesicherte wirtschaftliche Existenz.

Und so machte sich ausgerechnet ein „Zugereister“, der vormalige Flugzeugingenieur und spätere Berufschullehrer Richard Bauer an die Arbeit. In unseren Ort hatte es ihn verschlagen, weil seine Frau Elisabeth während des Krieges wegen der Bomben auf München nach Schnaitsee evakuiert worden war und er 1945 bei ihr im Hause Heigerer (später Pimpl), unten am Berghamer Weg, unterkam.

 

Wie jeden Neubürger faszinierte ihn der Ort Schnaitsee: in exponierter Höhenlage gelegen mit seinen drei Kirchtürmen, mit Blick auf die gesamte Alpenkette und umgeben von Wäldern und Seen. Und er wollte mehr über die Vergangenheit seines neuen Heimatortes wissen.

Richard Bauer begann, deutsche und österreichische Archive aufzusuchen und wurde schließlich fündig: 1954 erhielt er vom Bayerischen Hauptstaatsarchiv die Bestätigung, dass der Ort „Sneitsee“ erstmals im Jahre 924 in der Urkundensammlung „Codex Odalberti“ des Salzburger Erzbischofs schriftlich erwähnt ist.

 

 

Ein Jahr später erfuhr er, dass der Ort „Sneideseo“ in einer Urkunde Kaiser Ottos I. aus dem Jahr 950 als Sitz eines Grafen Sighard bezeichnet wurde. Jetzt stieß Richard Bauer in der Bevölkerung auf offene Ohren und die Bereitschaft, gemeinsam das große Vorhaben einer Tausendjahrfeier in die Tat umzusetzen. Die Vorbereitungen dazu leitete ein Festausschuss, bestehend aus Richard Bauer, Bürgermeister Johann Alten-weger und Landrat Hans Unnützer.

Das Ergebnis waren drei Festtage mit dem historischen Heimatspiel „Das zerbrochene Hufeisen“, einem Pontifikalgottesdienst mit Weihbischof Dr. Neuhäusler und einem großen historischen Festzug mit „lebenden“ Bildern aus tausend Jahren Schnaitseer Vergangenheit. Gerade noch rechtzeitig traf am 18. Mai auch noch die Genehmigung ein, ein eigenes Gemeindewappen führen zu dürfen.

 

 

Die Festtage standen unter der Schirmherrschaft des Salzburger Erzbischofs Dr. Andreas Rohracher und unter dem Protektorat von Karl Theodor Graf zu Toerring-Jettenbach. Die einstige Bedeutung Schnaitsees wurde unterstrichen durch die Anwesenheit aller Bürgermeister der damaligen umliegenden Gemeinden: Albertaich, Babensham, Evenhausen, Elsbeth, Jettenbach, Kirchstätt, Kling, Schönberg, Titlmoos, Waldhausen und Kling.

Mit einbezogen in die historischen Darbietungen wurde auch das Ministerialen-Geschlecht der Chunos, das im 12. und 13. Jahrhundert am Hofe das Salzburger Fürsterzbischofs als Burggrafen von Werfen Herausragendes leistete und dafür den Adelstitel „von Gutrat“ verliehen bekam. Während Richard Bauer in seiner Festrede die Ungarneinfälle im 10. Jahrhundert thematisierte, berichtete der Theologie-Student Josef Hamberger von der Blütezeit der Kirche im 12. Und 13. Jahrhundert mit ihren Dekanen und vielen Nebenkirchen.

Höhepunkt der Feierlichkeiten war der der historische Festzug mit über 40 Gruppen und Wagen, bei dem die Schnaitseer Geschichte von der Keltenzeit bis zu den Nachkriegsjahren des 20. Jahrhunderts bildlich erlebbar wurde. Später wurde Richard Bauer zum Ehrenbürger der Gemeinde Schnaitsee ernannt. Er baute für sich und seine Frau in Kreuzstraße ein schmuckes Haus, in dem er bis zu seinem Tod 1971 lebte.

© Reinhold Schuhbeck