Badehaus um 1470
Beim Schröpfen
Der Baderbräu am Baderweg 10, Baderhaus von 1532 - 1799
Das „Doktorhaus“, Wasserburger Straße 9
STRASSENNAMEN ERZÄHLEN:
…aus der Geschichte unserer Gemeinde:
Vom Mittelalter bis weit in das 19.Jahrhundert hinein war allein der Bader für das körperliche Wohl der Bevölkerung zuständig. Die Berufsbezeichnung weist auf den Betreiber einer Badstube hin, welche im Dorf die einzige Möglichkeit zu einer richtigen Körperpflege bot. In diesem sozialen Treffpunkt saßen die Leute, Männlein wie Weiblein, gemein-schaftlich in großen Zubern und unterhielten sich bei einem Becher Wein und Speisen. Nebenbei ließen sie sich schrubben, massieren und die Haare bzw. den Bart schneiden. Der Bader konnte aber noch mehr; denn er war der hochgeachtete, gut ausgebildete Arzt der kleinen Leute:
Er versorgte kleinere Wunden, zog kranke Zähne und richtete Knochenbrüche ein. Die meisten anderen Beschwerden behandelte der Bader mit dem damals als Allheilmittel gepriesenen Aderlass bzw. mit Schröpfen von Blut, denn viele Krankheiten erklärte man damals mit einer „Unordnung der Körpersäfte“. Für dieses Schröpfen wurden Blutegel verwendet, die der Bader in Tümpeln fing oder sogar in eigens angelegten Weihern züchtete. Die Tierlein galten noch 1861 als so wertvoll, dass alljährlich Blutegelfänger aus Tirol in unsere Gegend kamen, unerlaubt fischten oder für einen Blutegel 4 Kreuzer zahlten.
In Schnaitsee ist erstmals im Jahre 1532 ein Baderbetrieb urkundlich erwähnt: „Andre Pader, Inmann des Mittermaiers“. Sein Haus stand am heutigen Baderweg Nr. 4, exakt an der Stelle, wo seit 2005 Edmund Ernst mit seinen Gehilfen eine Brauerei betreibt. Nachdem der Bierbrauer erfuhr, in welchem historischen Gemäuer er lebt und arbeitet, nannte er seinen Betrieb kurzerhand den Baderbräu. Und als er im Keller des Hauses einen Raum für den Gärbottich grub, stieß er auf die Fundamente eines tiefen Brunnens.
Jetzt konnte auch die Frage beantwortet werden, woher damals der Bader genügend sauberes Wasser für seine Badeherrlichkeit hatte. Als diese 1799 endete und ein Schneider Köppl einzog, hat dieser den Brunnen irgendwann zugeschüttet.
Trotzdem hatte Schnaitsee weiterhin einen Bader, nämlich den „Pachbader“ unten am Krummbach (heute Cunostraße 7), als zweiter Bader urkundlich 1612 erstmals erwähnt. Das Wasser wurde vermutlich aus dem vorbeifließenden Bach entnommen. Von diesem Betrieb sind besonders während des Dreißigjährigen Krieges viele wechselnde Inhaber beurkundet. Als der Bader Anton Finkenzellner 1848 starb und seine Witwe einen Gürtler heiratete, war auch beim Bachbader Schluss. Erst 1893 bekam Schnaitsee (bis 1942) wieder am Baderweg 8 einen „Bader“ namens Johann Babtist Koch, der jedoch keine Badstube mehr hatte, sondern lediglich ein „Baderwaschl“, d.h. Friseur war, der zusätzlich noch mit Kochherden bzw. Uhren handeln musste, um sein Einkommen aufzubessern.
Der Grund: Bereits 1848 hatte der studierte Landarzt und Chirurg Gottfried Herrle weiter oben an der Wasserburger Straße 9 das „Doktorhaus“ erbaut, in welchem er und seine Nachfolger Dr. Karl Stöger, Dr. Eugen Lutz, Rudolf Burger und zuletzt bis 1964 Dr. Josef Paessler praktizierten. Die gute alte „Badergerechtigkeit“ hatte sich zu dem heute üblichen spezialisierten Gesundheitswesen entwickelt.