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Remagener Nachrichten
Ausgabe 11/2026
Seite 2
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Friedensmuseum Remagen als Ort deutscher Demokratiegeschichte ausgezeichnet

Auch junge US-Pfadfinder aus Wiesbaden kamen zum Gedenktag.

Flaggenparade am Museum.

Neue Auszeichnung für die Brücke von Remagen.

Auszeichnungen für Friedensmuseum Remagen - Willy Brandt Ausstellung eröffnet

REMAGEN. TW. Feiern und Gedenken: am 7. März tat sich einiges rund um das Friedensmuseum Remagen im Turm der Brücke von Remagen. Traditionell nutzt der Verein Friedensmuseum den Tag der Wiederkehr der Brücke durch amerikanische Soldaten zur jährlichen Eröffnung des Museums nach den Wintermonaten. Zum 81. Mal jährte sich dieses historische Datum, dass eng mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs im Zusammenhang steht, in diesem Jahr. Da wird die Wichtigkeit der Brücke schon dadurch unterstrichen, dass an diesem Tag immer noch Amerikaner und Deutsche an der Brücke zusammenkommen, um auch derer zu gedenken, die in den letzten Kriegstagen hier ihr Leben gelassen haben.

Aber es gab weitere Anlässe für ein Zusammenkommen: die „Stiftung Orte der deutschen Demokratiegeschichte“ hat die Brücke und das Museum zu einem solchen Ort erkoren. Künftig wird ein Schild am Eingang auf diese Ernennung hinweisen, die dem Museum weiteren Zulauf bescheren dürfte. Und es wird ein weiteres Schild am Eingang geben, „Forte Cultura“ ist darauf zu lesen. Denn das Museum gehört nun auch zur Europäischen Kulturroute der Festungsmomente. Der Unterstützung durch die Stiftung Orte der deutschen Demokratiegeschichte kann das Museum im Brückenturm in diesem Jahr zudem noch eine Ausstellung verdanken, die sich mit den ersten Schaffensjahren des späteren Bundeskanzlers und Friedensnobelpreisträgers Willy Brandt beschäftigt, als er einer noch einer journalistischen Tätigkeit nachging.

Aber der Reihe nach: die Vorsitzende des Vereins „Friedensmuseums Brücke von Remagen“, Karin Keelan, erinnerte an die Geschehnisse um den 7. März 1945 und wurde deutlich: „Schaut man sich in der chaotischen Kriegswelt um, so kommen wir uns mit unserem Anliegen vor, wie mit Füßen getreten.“ Remagens Bürgermeister Björn Ingendahl betonte die Wandlung der Brücke als Bauwerk für den Krieg hin zu einem Lernort für den Frieden: „Wenn wir heute über Frieden sprechen, dann ist es wieder eine Frage unseres Alltags geworden“, so Ingendahl, der bedeutende Worte von Willy Brandt und Papst Johannes Paul II. zitierte.

Der Kreisbeigeordnete Horst Gies dankte Verein und Remagen für das schon mehr als vier Jahrzehnte andauernde Erinnern und Ermahnen daran, die Schrecken des 20. Jahrhunderts niemals zu vergessen und daraus Lehren für die Zukunft zu ziehen. Und Helen Patton, Enkelin von General George Smith Patton jr. III., der die US Truppen am Tag der Einnahme der Brücke 1945 befehligte, sprach ihre Vision „Krieg ist nur etwas fürs Museum“ aus, ehe Pfadfinder aus den USA und Deutschland Flaggen ihres Landes an den Brückenpfeilern hissten.

In der nahen Rheinhalle gab es dann wichtige Auszeichnungen für das Friedensmuseum. Kay Sprenger, Direktor der Stiftung „Orte Deutscher Demokratiegeschichte“ überreichte dort offiziell die Plakette „Ort deutscher Demokratiegeschichte“ an den Vorstand des Museumsvereins. Nun reiht sich das Museum ein in Orte wie den Berliner Alexanderplatz, wo 1989 Demokratiegeschichte geschrieben worden war, das Dietrich Bonhoeffer-Haus oder das Hambacher Schloss. Dass Demokratische Wurzeln bereits in der Verfassung der Paulskirche zu finden sind, machte Sprenger klar und beleuchtete das Netzwerk der Stiftung, dass die Plakate an Gebäude vergibt die sich um Demokratiegeschichte verdient gemacht haben oder in denen entsprechendes passiert ist. Dass das Friedensmuseum nun Träger der Plakette ist, liegt laut Sprenger daran, dass dieser Ort sinnbildlich ein Tor öffnete, das das Ende des Zivilisationsbruchs bewirkte und dass man aus den Katastrophen der Geschichte lernte.

Sprenger übergab dem Museumsvorstand die Plakette, wobei Volker Thehos die Chance nutze, eine weitere Plakette vorzustellen, die die Mitgliedschaft bei der Kulturroute Forte Cultura aufzeigt. Das Netzwerk zeigt Festungen, die zu Kulturstätten umgewandelt wurden.

In der Kulturstätte Brücke von Remagen wird in diesem Jahr eine Ausstellung zum Schaffen des Nazi-Gegners Willy Brandt und dessen Zeit in Norwegen und Schweden zu sehen sein, in der er sich als Journalist betätigte und unnachgiebig gegen Hitler-Deutschland veröffentlichte. Im Beisein von Brigitte Seebacher, der Frau von Willy Brandt, stellte Kurator Christoph Charlier, ehemaliger Vorsitzender der Willy-Brandt-Stiftung, die Sonderausstellung „Berufswunsch Journalist – Der Zeitungsschreiber Willy Brandt 1913 bis 1947“, vor.