Stephan Pauly nahm stellvertretend für alle Aktiven der Brohltalbahn eine Auszeichnung für das herausragende ehrenamtliche Engagement des Kreises Ahrweiler entgegen.
Festlich Geschmückt fur die Dampflok 11 sm durch das abendliche Brohltal - auf den Tag genau 125 Jahre nach dem ersten offiziellen Zug.
BROHL-LÜTZING / BURGBROHL. ing. Die Brohltalbahn – heute beliebtes Ausflugsziel für Familien und Eisenbahnfreunde der Region – blickt auf eine 125-jährige, äußerst bewegte Geschichte zurück. Erbaut, um den Abbau von Trass und anderen Gesteinsprodukten aus dem engen Tal zu erleichtern, trug die Bahn viel zur wirtschaftlichen Entwicklung der Region bei. Im Laufe der 80er-Jahre wurde sie wie viele andere Klein- und Nebenbahnen zum Sorgenkind und konnte nur durch das tatkräftige Engagement lokaler Eisenbahnfreunde gerettet werden. Diese begingen nun den 14. Januar, also den Tag, an dem im Jahr 1901 der erste Zug durch das Brohltal zuckelte, mit einer hochkarätigen Sonderfahrt.
Festlich geschmückt steht sie da, die Dampflokomotive 11 sm. Girlanden aus Tannengrün zieren die Wasserkästen an den Seiten der 120 Jahre alten Dampfschönheit. Vorne an der Rauchkammertür haben die Brohltaler Eisenbahnfreunde ein Schild angebracht, das auf den feierlichen Anlass hinweist: Auf den Tag genau vor 125 Jahren, am 14. Januar 1901, ist der erste reguläre Zug über die Gleise der schmalspurigen Brohltalbahn gefahren. Am Bahnsteig zahlreiche Gäste, fachsimpelnd ins Gespräch vertieft, Sektgläser in den Händen – auch hier ist die Stimmung feierlich und voller Freude. Der Nachmittag geht in den Abend über, die drei Frontlaternen der alten Dampflok hüllen die Szene in ein romantisches Licht.
Damals vornehmlich für den Gütertransport konzipiert, ist die Bahn heute ein beliebtes Touristenziel – der Güterverkehr spielt nur noch eine untergeordnete Rolle. „Und dass es die Bahn heute noch gibt, ist alles andere als selbstverständlich“, erinnert Stephan Pauly, 1. Vorsitzender der Interessengemeinschaft Brohltal-Schmalspureisenbahn e. V. – des Vereins also, der sich für den Erhalt der traditionsreichen Bahn einsetzt. Er wird an diesem Tag noch ausführlich von den Mühen berichten, mit denen die Bahn über die Zeit gerettet wurde. Denn ein und ein Viertel Jahrhundert später haben sich die Brohltaler Eisenbahnfreunde etwas Besonderes ausgedacht: Mit dem dampfbespannten Sonderzug geht es für die Vereinsmitglieder vom Endbahnhof in Brohl-Lützing hinauf zur Kaiserhalle, der guten Stube von Burgbrohl. Mit dabei sind zahlreiche Vertreter aus Politik und Gesellschaft, unter ihnen Katrin Eder, Ministerin für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität des Landes Rheinland-Pfalz. „Ich bin selbst eine große Eisenbahnnärrin“, wird sie später im Gespräch mit den ehrenamtlichen Eisenbahnern zugeben. Doch zuerst setzt sich die festlich geschmückte Lokomotive mit ihren Waggons in Bewegung. Zur feierlichen Abfahrt gibt es eine Reihe von Salutschüssen der Brohler Böllerbuben, und Dampflokführer Frank Mut lässt seine 11 sm mit einer Reihe lauter Pfiffe antworten. Und vielleicht lässt er sein Dampfross auch ein bisschen mehr Dampf speien als sonst, um noch ein bisschen mehr festliche Eisenbahnromantik zu erzeugen. Der Bahnsteig ist zur Abfahrt jedenfalls in dichten Dampfnebel getaucht.
Nach kurzer Fahrt durch das abendliche Brohltal erreicht der Zug den Bahnhof Burgbrohl, ein paar wenige Schritte führen die Eisenbahnfreunde zur Kaiserhalle. Zu Ehren der Brohltalbahn, deren Farben grün und gelb sind, erstrahlt die Halle an diesem Abend ebenfalls in grünem Licht. Ministerin Eder ist voll des Lobes für die Brohltaler Eisenbahnfreunde. „Die Eisenbahn verbindet Menschen und Regionen. Und die Brohltalbahn ist aus dem Netz der touristischen Strecken im Land nicht mehr wegzudenken.“ Auch Christina Steinhausen, Beigeordnete des Kreises Ahrweiler, unterstrich die besondere Bedeutung der kleinen Eisenbahn für die Region: „Kleine Dinge haben manchmal eine große Wirkung. Mag die Brohltalbahn in Rheinland-Pfalz vielleicht nur etwas Kleines sein, für die Menschen hier vor Ort ist sie etwas ganz Großes.“ Auch Johannes Bell, Verbandsbürgermeister im Brohltal, und Bürgermeister Marcel Caspers sprachen den zahlreichen ehrenamtlichen Eisenbahnern zum Jubiläum Lob und Dank aus. Simone Schneider, Ortsbürgermeisterin von Burgbrohl, brachte es auf den Punkt: „Was unsere Bahn wirklich außergewöhnlich macht, sind nicht Gleise, Lokomotiven und Waggons, sondern die Menschen dahinter.“
Den Höhepunkt des Abends bildete ein Festvortrag von Stephan Pauly. Der Vorsitzende der Bahnfreunde fasste die bewegte Geschichte der Brohltalbahn gewohnt detailreich, aber stets unterhaltsam und mit viel Witz zusammen. Anhand zahlreicher historischer Fotos und Aufzeichnungen unterhielt der Referent alle Anwesenden. „So beliebt die Bahn heute auch ist – die Bauern waren vor 125 Jahren wenig begeistert. Konnte man beim Bahnbau doch deutlich mehr verdienen als auf ihren Feldern.“
Die Sonderfahrt am 14. Januar 2026 markierte den Auftakt zu einer ganzen Reihe von Jubiläumsveranstaltungen. So laden die Brohltaler Eisenbahner am Fronleichnamswochenende und rund um den Tag der Deutschen Einheit zu zwei großen Eisenbahnfesten ein. Umfangreiche Informationen hierzu finden sich unter: https://www.vulkan-express.de
Die Dampflok im Brohltal
Das Projekt 11 sm der Interessengemeinschaft Brohltal-Schmalspureisenbahn e. V. dient der Erhaltung der historischen Dampflokomotive 11 sm, einer 1906 bei Humboldt in Köln-Kalk gebauten Mallet-Lok des Typs M.105. Die Maschine prägte jahrzehntelang den Verkehr auf der meterspurigen Brohltalbahn. Mit ihr endete am 29. Januar 1966 die Dampflokzeit, als sie den letzten Sonderzug für Eisenbahnfreunde zog. Anschließend wurde sie vor der Verschrottung bewahrt und gelangte zunächst in ein Museum nach Viernheim, ehe sie ins Brohltal zurückkehrte. 1998 kaufte der Verein die Lok zurück und begann eine aufwendige Aufarbeitung, die durch Spenden getragen wurde. Nach jahrelanger Arbeit und Investitionen von rund 750.000 Euro konnte die 11 sm am 25. April 2015 wieder in Betrieb genommen werden. Die Lokomotive gilt als einzige erhaltene, original für die Brohltalbahn gebaute Maschine dieser Bauart. Die Lok genießt mittlerweile besonderen Schutz als bewegliches technisches Kulturdenkmal und ist nach Angaben von Stephan Pauly eine der ältesten fahrbereiten Dampflokomotiven in Deutschland. Der Humboldt-Typ M.105 war speziell für kurvenreiche Schmalspurstrecken konstruiert, erreichte 30 km/h und besaß ein leistungsfähiges Verbundtriebwerk. Heute ist die 11 sm zentrale Attraktion des Vulkan-Express.