Die Schweppenburgermühle wird heute nur Mosenmühle genannt - nach ihrem Müller.
Müller Rainer Mosen demonstriert, dass seine Mühle mit uralter und robuster Technik funktioniert
Brohl-Lützing. ing. „Es klappert die Mühle am rauschenden Bach.“ So heißt es in einem Volkslied aus dem 19. Jahrhundert. So heißt es aber auch seit dem späten 14. Jahrhundert im unteren Brohltal. Hier steht seit mindestens 1377 die Schweppenburger Mühle, im Volksmund nach ihrem Besitzer auch „die Mosenmühle“ genannt. Und sie klappert bis heute. Rainer Mosen ist der letzte Müller im Brohltal und hat sich einen treuen Kundenstamm erarbeitet.
Dabei war Getreide nicht immer das Hauptprodukt des kleinen Betriebes am Fuße der Schweppenburg. Rainer Mosen erzählt: „Die Mühle selbst stellte zwar immer Mehl her, aber auch Öl.“
Die Ölmühle wurde schließlich zu Beginn des 19. Jahrhunderts zur Trassmühle umgebaut. Trass, Trachyttuff, habe sich aus dem Laacher-See-Vulkan durch das Gleesbachtal und Tönnissteiner Tal ins Brohltal ergossen, so der Müller. „Von der Trassmühle ist noch der Kollergang, das Mahlwerk, erhalten. Die Getreidemühle besteht noch heute“, so Mosen stolz. Dabei funktioniert bis heute alles mit uralter Technik.
Bis heute erfolgt der Betrieb der Mühle im Kern über ein großes, oberschlächtiges Wasserrad. Mit beachtlichen Abmessungen und zahlreichen Schaufeln liefert es die nötige Kraft, die über ein Zahnrad und eine Transmission im Gebäude verteilt wird. An der historischen Konstruktion wurde nur behutsam eingegriffen: Statt der früheren Lederriemen kommen inzwischen langlebigere Materialien zum Einsatz. Die alten Mühlsteine sind weiterhin funktionsfähig und werden gelegentlich noch zum Schroten von Futtergetreide genutzt.
Die eigentliche Vermahlung übernimmt jedoch eine moderne Anlage mit mehreren Walzenstühlen sowie einer abgestimmten Kombination aus Sicht-, Sieb- und Fördertechnik, die den heutigen technischen Anforderungen entspricht. „Das Zusammenspiel von historischer Antriebstechnik und moderner Mühlentechnik funktioniert erstaunlich zuverlässig“, erklärt Müller Rainer Mosen.
Reicht die Wassermenge nicht aus oder stehen Wartungsarbeiten an, kann alternativ ein Elektromotor zugeschaltet werden. „So bleibt der Betrieb auch dann gesichert, wenn das Wasserrad einmal stillstehen muss“, so Müller Rainer Mosen.
Die Gründe, warum die Mühle bis heute erhalten blieb, sind vielfältig. Der Einsatz von Wasserkraft liefere etwa 60 Prozent der nötigen Energie, rechnet Mosen vor. Dann kaufe er direkt vom Erzeuger, wodurch der Einkauf beim Großhändler wegfalle. Und schließlich ist Mosen auch seiner Familie sehr dankbar. „Wir sind ein Familienbetrieb, hier gibt es keinen Acht-Stunden-Tag. Ohne meinen Vater hätten wir das alles wahrscheinlich nicht geschafft.“
Dieser sei nicht von Haus aus Müller gewesen, sondern kaufmännisch ausgebildet. Nach dem Krieg habe er die Mühle übernommen und gemahlen, auch nachts, und tagsüber die Geschäfte geführt. „Durch sein kaufmännisches Wissen konnte er die Mühle ab den 1950er Jahren erfolgreich weiterführen.“
Heute unterscheidet sich Rainer Mosens Kundschaft grundlegend von der seines Vaters Herbert. „Es gibt zwar noch einige wenige Handwerksbäcker im Brohltal, aber das wird auch immer weniger. Von denen allein könnten wir nicht leben“, so Mosen. In den letzten gut 20 Jahren habe er sich sukzessive auf den Direktverkauf an Endverbraucher umgestellt – also Privatkunden, Hofläden oder kleinere Märkte.
„Zum Beispiel beliefern wir auch Supermärkte in Linz und Bad Breisig. In jüngster Zeit hinzugekommen ist eine weitere Kundengruppe: die sogenannten Backesvereine. Idealisten und Heimatfreunde, die das alte Gemeinschaftsbackhaus in ihren Heimatdörfern wieder aufgebaut haben.“
„Von denen kommen immer noch einige. Neulich war wieder jemand aus Hundsück da, und sogar Leute aus Bad Ems kaufen regelmäßig bei uns. Manche nehmen größere Mengen, andere kleinere. Letzte Woche hatten wir Kunden aus dem Ahrtal – mittlerweile bestimmt über zwanzig“, berichtet der Müller.
Im Brohltal selbst gebe es eine solche Gruppe nicht, aber im nahen Heimersheim im Ahrtal. „Dort war kürzlich ein großes Backesfest. Da gibt es sogar zwei Backhäuser, mit mehreren Backgruppen – also nicht nur einen Verein, sondern verschiedene Gruppen, die sich das teilen.“
Einen besonderen Einfluss auf das Geschäft des Müllers habe die Corona-Pandemie gehabt. „Für uns kam Corona eigentlich fünf Jahre zu spät – das war wirtschaftlich eine gute Zeit. Der Müller hat ja früher nie viel verdient, Mehl ist eine Massenware und kostet fast nichts. Aber während Corona haben plötzlich alle zu Hause gebacken. Da hieß es: kein Klopapier mehr, keine Hefe, kein Mehl – obwohl alles da war. Die Leute haben einfach Panik bekommen, weil sie nicht mehr wussten, wie das Leben eigentlich läuft“, erinnert sich der Müller.
Auch er habe in dieser Zeit seine Preise angehoben, dennoch sei die Mühle leergekauft worden. „Endlich konnten wir mal kostendeckend arbeiten. Mehl und Hefe haben wir zwar immer bekommen, aber zwischendurch wurde Hefe nur noch als großer Block an der Metzgertheke verkauft – da wurde dann einfach ein Stück abgestochen.“
Wie er damals mit der Panik umgegangen ist? „Wir haben versucht, die Kunden zu beruhigen. Teilweise ist es angekommen, teilweise nicht. Meine Frau sagt, manche kamen morgens, kauften Mehl, und am Nachmittag standen sie schon wieder hier. Wahrscheinlich wurde das weiterverkauft. Ich möchte gar nicht wissen, wie viel im Herbst 2020 dann weggeschmissen wurde.“
Der Blick in die Zukunft der Mosenmühle jedoch ist ungewiss, einen direkten Nachfolger hat Mosen derzeit noch nicht. „Die Möglichkeit bestünde, dass jemand das nebenberuflich übernimmt, aber das hängt stark vom Herzblut ab, wie wir es tun – es ist bei mir nicht nur Beruf, sondern auch Berufung.“
„Einer unserer Söhne könnte es theoretisch machen, wenn er wollte. Der älteste ist allerdings Zimmerer, und unsere Tochter ist Steuerfachangestellte – beide gut beschäftigt und gut verdient. Zwei Tage Verkauf in der Woche wäre für sie kaum machbar.“
Doch vielleicht findet sich noch jemand, der das alte Handwerk weiterträgt.