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Wittlicher Rundschau
Ausgabe 4/2026
Kindertagesstätten und Schulen
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EU-Planspiel „Fakt oder Fake“ für die 10. Klassen am Cusanus-Gymnasium Wittlich

Schülerinnen und Schüler aus den 10. Klassen vom Cusanus-Gymnasium Wittlich beim Planspiel „Fakt oder Fake“ (Foto: Michaela Schüssler-Schwab).

Eintauchen in die Gesetzgebungsprozesse europäischer Institutionen

Schülerinnen und Schüler aus den 10. Klassen vom Cusanus-Gymnasium Wittlich konnten sich über das Planspiel „Fakt oder Fake“, durchgeführt und konzipiert von Referenten von „planpolitik“ in Zusammenarbeit mit der Vertretung der Europäischen Kommission Deutschland und finanziert von der Europäischen Kommission, freuen.

Im Rahmen eines „Speed Datings“ wurde das Vorwissen der Teilnehmenden über die EU und zur Thematik „Fakt oder Fake“ – beispielhaft dargestellt anhand der Schwerpunkte Deep Fakes und Hate Speech – erfragt. Ein Frage- und Antwortspiel, auch ein Video vermittelte im Anschluss Basiswissen über EU-Institutionen (u.a. über die Arbeit des Europäischen Parlaments) und klärte die Begriffe „Deep Fakes“ und „Hate Speech“.

Nun wurde das Planspiel vorbereitet: Die Schüler*innen erhielten konkrete Rollenprofile von Abgeordneten aus den jeweiligen Fraktionen des Europäischen Parlaments (Name/Herkunftsland/deren beruflicher Hintergrund, politische Grundpositionen der jeweiligen Fraktion) und sollten aus deren Sicht in den Fachausschüssen für Digitales und Verbraucherschutz einen Gesetzesvorschlag der Kommission, der das Löschen von Deep Fakes auf Plattformen von Unternehmen durch dieselben verpflichtend vorsah und die konsequente strafrechtliche Verfolgung von Verursacher*innen von Hate Speech verlangte, diskutieren und sich auf einen Kompromissvorschlag einigen. Die Schüler*innen, die den Vorsitz in den Fachausschüssen übernehmen wollten, wurden von den beiden Referenten zuvor in ihre komplexen Rollen eingeführt, zudem wurden die politischen Grundausrichtungen der EU-Fraktionen und deren Sitzverteilung im Europäischen Parlament gemeinsam erarbeitet und Bezüge zu nationalen Parteien hergestellt.

Nach der Lektüre der Rollenprofile und der auf den ausgeteilten Arbeitsblättern notierten typischen Argumente der jeweiligen EU-Fraktionen für und gegen den Gesetzesvorschlag fanden sich die Fraktionsteilnehmer*innen zu Vorbesprechungen zusammen, um die Positionen der Fraktionen zum Gesetzesvorschlag zu erarbeiten, die dann wiederum in den Ausschusssitzungen vorgestellt und diskutiert wurden. Die Vorsitzenden der Fraktionen erarbeiteten auf der Grundlage der in den Ausschüssen erfolgten Diskussion Beschlussvorlagen, trugen diese im Plenum vor, wo über sie dann gemeinsam abgestimmt wurde.

Nach dem Planspiel konnten sich die Teilnehmenden darüber austauschen, wie sie das Planspiel und dessen Ablauf bewerten würden: In diesem Zusammenhang wurden die angewendeten Strategien zusammengetragen und bewertet, mit denen die Teilnehmenden versucht hatten, für ihrer Position zu werben. Zudem wurde im Gespräch sichtbar, wie schwierig es im Einzelnen fiel, im Planspiel überzeugend Meinungen zu vertreten, die nicht die eigenen waren. Auch wurde differenziert darüber diskutiert, wie realistisch das Planspiel im Vergleich zu tatsächlichen Gesetzgebungsverfahren in der EU gewesen war. Insgesamt bewertete die Schüler*innen das Planspiel sehr positiv und waren dankbar über diese wertvolle Erfahrung.

Dass das Planspiel einen komplexen politischen Diskussionsprozess nachempfindet, der in der EU tatsächlich bereits stattfand und der 2024 zur Verabschiedung des Gesetzes mit Namen „Digital Services Act“ führte, war einigen Teilnehmenden bekannt, wurde von allen auch als sehr notwendig begrüßt, denn „Hate Speech“ und „Fake News“ verstärkten, so die Meinung der Schüler*innen, Diskriminierungs- und Spaltungsprozesse in Gesellschaften und unterminierten insgesamt die Demokratie.

Die Referenten bedankten sich bei der „megacoolen“ Schülergruppe für ihre tollen Ideen, für ihr im Fachunterricht Sozialkunde erworbenes fundiertes Wissen und für ihr engagiertes Diskutieren und Mitmachen.