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Amtsblättje - Rund um den Hochkelberg
Ausgabe 18/2019
Seite 2
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Bürgerversammlung zum Hochwasserschutzkonzept für Nette und Nitzbach am 17.04.2019 in Kirsbach

Die Hochwasser- als auch Starkregenereignisse der letzten Jahre im Bereich von Nette und Nitzbach haben die Verbandsgemeinde Kelberg zusammen mit den Verbandsgemeinden Adenau, Brohltal, Mendig, Vordereifel, der Stadt Mayen und dem Landkreis Mayen-Koblenz, dazu veranlasst, ein gemeinsames Hochwasserschutzkonzept für die Nette und den Nitzbach mit Nebengewässern zu erstellen.

Durch dieses Konzept sollen Lösungen gesucht werden, um Schadensfälle künftig zu vermeiden oder zumindest in ihren Auswirkungen abzumildern. Darüberhinaus dient das Konzept der Feststellung von Defiziten, die eben bei Starkregen oder Hochwasserereignissen zu Schäden an Grundstücken, öffentlichen Einrichtungen usw. führen können. Weiterhin sollen durch das Konzept geeignete Standorte an den Bachläufen für die Umsetzung von Renaturierungsmaßnahmen zur Rückhaltung der Wassermengen in der Fläche ausfindig gemacht werden.

Dafür erfolgten Begehungen der insgesamt 70 km langen betroffenen Gewässer durch das beauftragte Ingenieurbüro IBS aus Mayen. Parallel hierzu wurde den Bürgerinnen und Bürgern in den Ortsgemeinden die Gelegenheit gegeben, auf einem Fragebogen ihre Feststellungen aus den letzten Schadensereignissen zu Papier zu bringen und mögliche Schadensursachen aufzuzeigen, aber auch Verbesserungsvorschläge einzureichen. Über das Ergebnis der örtlichen Begehungen und der Auswertung der Fragebögen fand am 17. April 2019 im Gemeindehaus in Kirsbach eine Bürgerinformationsveranstaltung statt.

Im Bereich der gesamten VG und nicht nur im Untersuchungsraum besteht jedoch ein öffentliches Interesse, dass die Verbandsgemeinde auch als Gewässerunterhaltungspflichtiger durch geeignete Maßnahmen im Außenbereich mit dazu beiträgt, dass die Hochwasserspitzen gekappt werden und durch eine Verdrängung der Wassermengen in die Breite die Hochwasserwellen abgemildert werden, ehe sie auf Ortslagen zutreffen.

Die Herren Michael Brück und Martin Hertel vom Ingenieurbüro IBS Mayen informierten sehr ausführlich über die festgestellten Problemzonen aus der örtlichen Begehung, sowohl im Außenbereich als auch im Bereich der Ortslagen.

Sie gingen insbesondere auch auf die Notwendigkeit zur Erstellung von Hochwasserschutzkonzepten ein, damit auch die Kommune später auf der Grundlage eines solchen Konzeptes Maßnahmen entwickeln kann um Fördermittel vom Land zu erhalten. Diese belaufen sich bei Hochwassereinrichtungen auf bis zu 60 % und bei Gewässerrenaturierungsmaßnahmen bis zu 90 %. Auch das Hochwasserschutzkonzept selbst wurde mit 90 % gefördert.

Eingegangen wurde auch auf die Vorschriften des Wasserhaushaltsgesetzes. Danach ist Hochwasserschutz in erster Linie Eigenschutz. Jeder Grundstückseigentümer, sei es als Privater, Firma oder Kommune, der von Hochwasser betroffen sein könnte, hat sich im Rahmen des Machbaren und Zumutbaren selbst vor solchen Schäden zu schützen, d.h., dass die öffentlichen Maßnahmen zuerst einmal nachrangig sind.

Weiterhin stellten die Herren Brück und Hertel die notwendige Zusammenarbeit der Akteure - betroffene Bürger, Kommunen, Feuerwehren, Katastrophenschutz und viele mehr - dar und gingen auch auf mögliche einfache und kostengünstige Schutzmaßnahmen für einzelne Haushalte ein.

Oft schon lässt sich mit einer Abdichtung von Kellerfenstern, Treppeneingängen usw. vieles vermeiden. Sandsäcke sollten zur Ausstattung eines Haushaltes gehören.

Als interessant empfunden wurde von den anwesenden Bürgern auch die Ausführungen zum Abschluss einer Elementarschadenversicherung. Dabei wurde auf die Beschaffung von Informationsmöglichkeiten bei der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz hingewiesen.

Wichtig ist dabei zu wissen, dass im Falle, dass eine Elementarschadenversicherung möglich gewesen wäre, bei späteren Schäden durch das Land Rheinland-Pfalz keine staatlichen Zuschüsse zur Schadenbeseitigung gewährt werden, denn auch hier steht der Eigenschutz wieder im Vordergrund.

An verschiedenen Beispielen wurden Missstände aufgezeigt, die nach allgemeinem Verständnis der Wasserwirtschaftsverwaltung und nach den Vorgaben von Wasserhaushalts- und Landeswassergesetz nicht erlaubt sind. Dazu gehören Ablagerungen von Müll am Gewässerrand, Einbringung von Grünschnitt, Holzpolder, Hütten und Schuppen/Gebäuden im unmittelbaren Randbereich sowie die Errichtung von Mauern oder sonstige einschnürenden Bauwerke. Diese Beispiele sollten darstellen, dass viele Hochwasserprobleme vom Grundstückseigentümer selbst und hausgemacht sind und dies auch unterlassen werden sollte.

Weiterhin wurden Lösungsvorschläge für die Rückhaltung von Wassermengen im Außenbereich durch Aufstau und Überflutung von geeigneten und oft nicht mehr bewirtschafteten Wiesenflächen dargestellt.

Ebenso die Möglichkeit vor vorhandenen Wegedurchlässen das Wasser aufzustauen, um eben die Hochwasserwelle zu stoppen und zu verlangsamen.

An verschiedenen Beispielen wurde dargestellt, wie sich bereits Grundstückseigentümer durch Abmauerung von Kellerschächten, Kellerzugängen oder Installation eines Schotts, das mit einer Holzbohle dann die Wassermengen abhalten kann, schützen können.

In der anschließenden Diskussion wurden viele Fragen und Anregungen der anwesenden Bürger nochmals eingehend beleuchtet und auch aufgenommen, um dann in das endgültige Konzept eingearbeitet zu werden.

Mit ersten öffentlich geförderten Maßnahmen kann erst ab dem Jahre 2020 ff. gerechnet werden.

Private Maßnahmen der Betroffenen werden in der Regel nicht gefördert, sollten aber schnellstens in Angriff genommen werden, denn eines ist sicher, das nächste Hochwasser kommt bestimmt, sei es durch Starkregen oder auch durch Schneeschmelze nach den Wintermonaten.

Kelberg, den 24.04.2019
Ordnungs-, Schul- und Sozialabteilung