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Zeller Land Nachrichten
Ausgabe 49/2020
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Wort zur Corona-Zeit

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

in diesen Tagen geht es Ihnen sicherlich wie mir: Corona hält uns weiterhin fest in seinem Bann. Täglich bestimmt ein Virus das normale Leben. Kann man es überhaupt noch als „normales Leben“ bezeichnen? Die Fragen stellen wir uns sicherlich alle in diesen Tagen und Wochen.

Die derzeitige Lage ist in jeglicher Hinsicht außergewöhnlich: Zur Bekämpfung der Corona-Pandemie ist nach einem vergleichsweise entspannten Sommer wieder eine deutliche Reduzierung von Kontakten erforderlich, da sich das Virus oftmals ohne erkennbare Symptome und daher zunächst unerkannt weiterverbreitet. Bei wem sich ein schwerer Verlauf entwickelt, lässt sich im Vorhinein nicht sagen.

Insbesondere ältere Menschen und Menschen mit chronischen Erkrankungen (nach Schätzungen rund 40 Prozent unserer Gesellschaft) sind darum auf ein solidarisches Handeln der gesamten Gesellschaft angewiesen. Aber auch jüngere Menschen haben teilweise mit massiven Spätfolgen einer COVID-19-Erkrankung zu kämpfen, die es zu verhindern gilt.

Ich gehöre glücklicherweise zu den Menschen, die in ihrem engsten familiären und beruflichen Umfeld keine an dem Covid-19-Virus Schwererkrankten haben. Darüber bin ich froh und dankbar.

Die auch weiterhin hohen Zahlen der Krankheitsfälle, fast flächendeckend, auch in unserer Verbandsgemeinde, bestätigen neben dem Blick in unsere Nachbarländer die von Bund und Land eingeleiteten Maßnahmen und machen auch mich disziplinierter, diese umzusetzen. Beim Schreiben dieser Zeilen (Montag) liegt die Zahl der bislang insgesamt infizierten Menschen in unserer Verbandsgemeinde bei 166, davon 36 aktuell infiziert. Bei Erscheinen des Mitteilungsblattes wird die Zahl sicherlich weiter angewachsen sein. Der Anstieg hat sich aber etwas verlangsamt.

Daneben sind jedoch in den letzten Tagen sechs Mitbürgerinnen und Mitbürger aus unserer Verbandsgemeinde, die mit dem Coronavirus infiziert waren, verstorben. Ihren Angehörigen gilt in diesen schweren Tagen mein tiefstes Mitgefühl.

Diese Entwicklung führt uns vor Augen, dass die Lage weiterhin ernst ist und wir vernünftig damit umgehen müssen.

Der Landkreis bereitet derzeit die Einrichtung einer Impfstation in der Sporthalle in Landkern vor. Gerne unterstützen wir diese gesamtstaatliche Aufgabe indem wir auch Verwaltungspersonal unseres Hauses hierfür nach Landkern abstellen. Sobald der Impfstoff vorliegt, wird es losgehen. Ein Zeichen der Hoffnung!

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

die Gespräche in meinem Umfeld bestätigen mir fast täglich, dass wir noch immer Glück haben. Wir sind noch nicht in unsere Wohnungen eingesperrt. Wir können uns mit etwas Abstand frei bewegen und haben keine Engpässe in der Versorgung. Dieses Glück sollten wir nicht leichtfertig aufs Spiel setzen, nur weil wir uns auch weiterhin etwas einschränken müssen.

Die Einschränkungen werden sich nach den jüngsten Beschlüssen von Bund und Ländern in den kommenden Wochen fortsetzen. In den Tagen um Weihnachten herum werden diese Einschränkungen zwar etwas gelockert, doch bitte ich Sie herzlich, auch dann große Vorsicht walten zu lassen.

Natürlich sehe auch ich, dass viele Wirtschaftszweige besonders davon betroffen sind. Hierzu zähle ich insbesondere unsere Gastronomie, die Beherbergungsbetriebe, die gesamte Veranstaltungsbranche sowie das gesamte Umfeld im touristischen Sektor. Diese Betriebe haben große Probleme.

Schwierig sind die Auswirkungen auch auf unsere Vereine und Kulturtreibende. Diese möchte ich auf das vom Kreistag beschlossene Hilfsprogramm hinweisen, welches von den Verbandsgemeinden umgesetzt wird.

Helfen können wir alle z.B. unserer Gastronomie: Nutzen wir die von den Gastronomen eingerichteten Abhol- oder Lieferdienste. Diese sind auf unserer Internetseite www.zell-mosel.de mit der jeweiligen Speisekarte veröffentlicht. Auf Wunsch ergänzen wir diese Auflistung gerne. Nehmen Sie dazu bitte unter der email-Adresse vgzell@vg-zell.de Kontakt mit uns auf.

Ich möchte Sie heute erneut dazu aufrufen, sich nach den Appellen unserer Bundeskanzlerin und unserer Ministerpräsidentin zu richten und Sie bitten, Kontakte zu reduzieren, Abstände einzuhalten, dort wo geboten, Masken zu tragen, Hygienebestimmungen zu beachten und hierdurch uns selbst und auch andere zu schützen.

Ich weiß, dies nervt! Wie Ihnen fehlen auch mir die privaten persönlichen Kontakte zu Familienangehörigen, zu Freunden oder Nachbarn, auch im Berufsleben fehlt mir der intensive persönliche Kontakt, das direkte Gespräch. Vieles kann man sicherlich durch Telefon- oder Videokonferenzen besprechen, aber im persönlichen Gespräch kann man Projekte leichter voranbringen oder Probleme lösen.

Wenn wir Menschen jedoch alle Warnungen in den Wind schreiben, erzwingen wir folgerichtig selbst härtere Vorschriften und Sicherheitsmaßnahmen. Also mein Appell an alle: Seien Sie diszipliniert und solidarisch. Helfen wir uns gegenseitig durch etwas Abstand und gefährden uns nicht durch übertriebene Proteste. Für das, was ich manchmal im Fernsehen mitbekomme, fehlt mir das Verständnis!

Die Pandemie und deren Auswirkungen werden uns noch eine lange Zeit beschäftigen, da bin ich mir sicher, aber unseren Zusammenhalt und das Zusammenleben wird sie uns nicht zerstören können.

Leider mussten auch wir als Verbandsgemeinde den gegenwärtigen Stand akzeptieren und konnten in diesem Jahr keine Veranstaltungen durchführen. Selbst kulturelle Bräuche wie St. Martin sind dem Virus zum Opfer gefallen. Umso schöner der Einfallsreichtum in unseren Gemeinden mit tollen Ideen anstelle des althergebrachten Martinsumzuges. Klasse!

Im November wollten wir auch 50 Jahre Verbandsgemeinde Zell feiern. Am 07. November 1970 ist im Zuge der damaligen Gebietsreform die Verbandsgemeinde Zell in ihrer heutigen Form entstanden. Sie setzt sich aus der Stadt Zell unter Eingemeindung der vormals selbständigen Gemeinde Merl, den Gemeinden des Amtes Blankenrath, des Amtes Zell-Land sowie Teilen der Ämter Senheim und Büchenbeuren zusammen. Gemeinsam entwickeln wir seitdem unsere 24 Gemeinden weiter und ich denke, dass wir einen guten Weg gemeinsam gegangen sind und auf das in dieser Zeit durch das Engagement Vieler erreichte auch stolz sein können.

Vieles befindet sich auch derzeit in der Entwicklung. Weitere Wohngebiete, Gewerbeflächen, Breitbandversorgung, Kita-Plätze, Digitale Ausstattung der Schulen, Betreuungsangebote, Wanderwege, Radwege, Schaffung von Hotelkapazitäten, die Ergänzung unserer Feuerwehr-Ausstattung, große Photovoltaik-Freiflächenanlagen; dies ist nur ein kleiner Auszug aus den Projekten, an denen unsere Verwaltung gemeinsam mit den ehrenamtlichen Ratsmitgliedern derzeit arbeitet. Hinzu kommen viele Entwicklungen in den Gemeinden.

Zusammen sind wir als Verbandsgemeinde mit allen 24 Gemeinden eine starke Gemeinschaft geworden, das Zeller Land. Ich bin stolz darauf, seit 1974 für diese Gemeinschaft arbeiten zu dürfen.

Und zum Schluss erreicht mich noch die schreckliche Nachricht aus Trier. Unfassbar, was dort geschehen ist. Schockiert verfolgen wir alle die Nachrichten aus der Stadt, die für viele von uns neben Koblenz aus unterschiedlichen Gründen eine wichtige Bedeutung hat. Mein und ich denke unser aller Mitgefühl gilt heute den Angehörigen der Opfer. Den Verletzten wünschen wir, dass sie alle wieder vollständig gesund werden.

Wir trauern mit der Stadt Trier und allen Betroffenen und wir sind in Gedanken bei ihnen.

Ich wünsche Ihnen Allen, trotz Corona und diesem schlimmen Anschlag in Trier, eine schöne Adventszeit. Halten Sie bitte Alle Abstand, ohne zu vergessen, dass gerade jetzt Gemeinschaft und Solidarität gefragt sind. Solidarität zum Schutze unserer Familien, unserer Freunde, unserer Nachbarn.

"Es sind die Begegnungen mit Menschen, die das Leben lebenswert machen," sagte einst der französische Schriftsteller Guy de Maupassant.

Auf diese künftigen Begegnungen mit Ihnen freue ich mich.

Bitte bleiben oder werden Sie gesund!

Ihr Bürgermeister
Karl Heinz Simon