Ein neuer Ort zum Nachdenken
Der Thalfanger Ortsbürgermeister Burkhard Graul konnte etwa fünfzig Interessierte begrüßen, die am letzten Mittwoch zur Enthüllung der drei Informationstafeln zum Novemberpogrom gekommen waren. Der Standort am alten Marktplatz in Thalfang entspricht in etwa der Stelle, an der die Männer der jüdischen Gemeinde am 10. November 1938 das Inventar ihres Gotteshauses verbrennen mussten.
Burkhard Graul zeigte sich erfreut über die Initiative zu einem weiteren Gedenkort an das ehemals reiche jüdische Leben in Thalfang. Er begrüßte Peter Szemere als Vertreter der Jüdischen Kultusgemeinde Trier und Tamara Müller MdL, die die anschließende Enthüllung vornahm. Außerdem entschuldigte er Staatssekretärin Bettina Brück und Karina Wächter MdL (Wittlich), die beide dienstlich verhindert waren. Graul wies darauf hin, dass Conny Sänger geb. Kranzdorf auch diesmal wieder das Design der Tafeln kostenlos erstellt hatte. Dann sang der Mutterstadter Liedermacher Uli Valnion das bekannte Lied „Die Gedanken sind frei“. Elmar Ittenbach skizzierte den Werdegang des Projekts, das auf erste Anregungen aus dem Jahr 2010 zurückgeht. Die Gesamtkosten von ca. 2300 € würden über die LAG Erbeskopf finanziert, deshalb müsse das Projekt auch bis Ende September abgeschlossen sein. Dieses neue Mahnmal ergänzt nun die Gedenktafel (2009) für die zerstörte Synagoge in der Friedhofstraße. So können die einzigartigen Fotodokumente vom Nachmittag des 10. November 1938 einer breiten Öffentlichkeit sichtbar gemacht werden. Gleichzeitig wird dabei über die Vorgeschichte der sog. „Reichskristallnacht“ und ihre Durchführung informiert.
Die Morbacher Landtagsabgeordnete Tamara Müller, die auch Vorstandsmitglied der „Landesarbeitsgemeinschaft der Gedenkstätten und Erinnerungsinitiativen zur NS-Zeit“ ist, thematisierte den aktuellen Rechtsruck in der Gesellschaft. Dies sei sehr beängstigend und gefährde unsere Demokratie. Die Schandtaten der NS-Zeit dürften nicht bagatellisiert werden. Deshalb lobte sie auch das langjährige Engagement der Erbeskopf-Realschule plus als „Schule ohne Rassismus“. Nach dem „Buchenwaldlied“ kam die Bürgermeisterin der Verbandsgemeinde Thalfang am Erbeskopf, Vera Höfner, zu Wort, die die Bedeutung der Gedenkarbeit hervorhob und ebenfalls dazu aufforderte, eindeutig gegen die Wiederkehr rechten Gedankengutes Stellung zu beziehen.
Mit dem jiddisch gesungenen Lied „Schtil die Nacht“ und dem beeindruckenden Gedicht „Diese Toten“ von Erich Fried, das die Schülerinnen vortrugen, ging der erste Teil der Gedenkstunde zu Ende. Anschließend traf man sich vor der Gedenktafel in der Friedhofstraße, wo Elmar Ittenbach die 22 Menschen vorstellte, die das Novemberpogrom in Thalfang erleiden mussten. Bis auf drei wurden später alle in den verschiedensten Konzentrationslagern ermordet. Ihrer wurde eine Minute des stillen Gedenkens gewidmet.
In der evangelischen Kirche führte Pfarrer Florian Brödner die Zuhörer mit der „Todesfuge“, einem bekannten Gedicht des jüdischen Dichters Paul Celan, in das Konzert von Uli Valnion ein. Es wurde finanziert durch den Arbeitskreis und „Kulturelles rund um Thalfang“. Das Programm „Heimweh, Hoffnung, Todesangst“ umfasste Lieder und Texte, die im Zusammenhang mit der NS-Zeit stehen, darunter auch „Lili Marleen“ und „Die Moorsoldaten“. Bei dem bekannten jiddischen Folksong „Donna, Donna“ unterstützten ihn die Schülerinnen, die auch mit ihrem aktuellen Text „Die Tränen der Friedenstauben“ die Zuhörer sehr beeindruckten. Bei dem doch optimistischen Ausklang mit „We shall overcome“, sang auch das Publikum mit. Die übereinstimmende Meinung war, dass man einen „tief beeindruckenden“ Abend erlebt hatte.