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Amtsblatt VG Trier-Land
Ausgabe 11/2026
Verbandsgemeinde Trier-Land
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Haushaltsrede Bürgermeister Michael Holstein

Liebe Ratsmitglieder und Zuschauer,

liebe Bürgerinnen und Bürger,

ein ereignisreiches Jahr neigt sich dem Ende zu und wir beraten heute den Doppelhaushalt für die Jahre 2026 und 2027 für unsere Verbandsgemeinde Trier-Land.

Allgemeine Finanzlage der Kommunen:

Wir alle, die wir in den kommunalen Gremien in den Ortsgemeinden, der Verbandsgemeinde und in den Kreistagen tätig sind, wissen, wie sich die Finanzlage der Kommunen in den letzten Jahren zugespitzt hat.

Die Haushalte für die Jahre 2025 und 2026 haben nun eine neue, dramatische Dimension erreicht. Kaum noch ein Landkreis oder Verbandsgemeinde oder Ortsgemeinden können ausgeglichene Haushalte vorlegen. Die Ausgaben wachsen aufgrund der Inflation rasant, die Einnahmesituation verschlechtert sich deutlich. Land und Bund beschließen kontinuierlich neue Gesetze und Verordnungen, die wir als Kommunen umzusetzen und zu erfüllen haben. Im besten Falle bekommen wir Zuschüsse für die Umsetzung der Aufgaben, aber der Löwenanteil der Kosten und die dauerhaften Unterhaltungskosten bleiben bei uns hängen. Die Kommunen sind deutschlandweit am Ende ihrer Leistungsfähigkeit. Dies betreffen die Finanzen sowie die Personalausstattung.

Ich möchte ihnen hierzu ein Zitat des Deutschen Gemeinde- und Städtebundes mitteilen: „In den letzten 20 Jahren haben sich die Ausgaben für soziale Leistungen mehr als verdoppelt, auf zuletzt rund 80 Milliarden Euro pro Jahr. Zugleich sind die Kommunen in Deutschland mit rund 70% der Aufgaben betraut, erhalten aber nur knapp 15 Prozent der Einnahmen. Diese Rahmenbedingungen stehen in einem eklatanten Missverhältnis zu einer grundlegenden verbrieften auskömmlichen Finanzausstattung.“ (https://www.dstgb.de/publikationen/pressemitteilungen/kommunen-brauchen-verlaesslichen-ueberforderungsschutz/) Stand 14.12.2025, 18:00 Uhr.

Hieran, meine sehr verehrten Damen und Herren, erkennen wir das strukturelle Problem, was wir in Deutschland mittlerweile haben. Die Folge sind unausgeglichene Haushalte (mehr Ausgaben als Einnahmen), einen Verfall der Infrastruktur, weil nur noch vom Bestand gelebt wird und ein kontinuierlicher Anstieg der öffentlichen Verschuldung.

Rückblick VG Trier-Land:

In den letzten Jahren haben wir für unsere VG Trier-Land viel erreicht!

Wir haben für unsere Bürgerinnen und Bürger eine stabile, zukunftsweisende Wasserversorgung im Verbund mit den Kommunen der Eifel über die Landwerke Eifel (LWE), an denen die VG Trier-Land mit rund 24 % beteiligt ist, sichergestellt.

Wir transferieren unseren Eigenbetrieb Abwasserwerk ebenfalls in die Zukunft. Aus dem klassischen Eigenbetrieb der VG wird eine Anstalt des öffentlichen Rechts (AöR) die zusätzlich die Betriebszweige Kylltalbad und Energieversorgung bekommt. Somit können wir über den Verbund der Verbandsgemeinden mit unserem Landkreis und der städtischen SWT schrittweise alle öffentlichen Energiegewinnungen (PV, Windkraft usw.) bündeln, Bilanzstromkreise bilden und uns selbst mit Strom und Energie versorgen.

Wir stärken unsere Grundschulen für die Zukunft. Es gibt erstmalig eine Schulentwicklungsplanung für unsere Grundschulen. Wir investieren kontinuierlich in unsere Schulgebäude und Turnhallen. Aber auch in die Gebäudeausstattung in ergonomische Stühle und Tische sowie in die Technik mit Multiboards und Ipads für eine moderne, zukunftsfähige Schulbildung unserer Kinder.

In den letzten 2 Jahren haben wir richtungsweisende Entscheidungen getroffen, für unsere Feuerwehren um diese für die zukünftigen Herausforderungen fit zu machen. Eine professionelle Feuerwehrbedarfsplanung wird kontinuierlich umgesetzt. Unsere Feuerwehren erhalten neue, geländefähige Fahrzeuge und ein Brandschutz- und Ausbildungszentrum für eine moderne, zielgerichtete Aus- und Fortbildung für unsere 660 Feuerwehrmänner und Frauen ist gerade am entstehen. Erstmalig in der Geschichte unserer VG wurden 2 hauptamtliche Feuerwehrgerätewarte und ein Alarm- und Einsatzplaner eingestellt, um unsere ehrenamtlichen Kräfte zu entlasten und zu unterstützen.

Ehrenamt wird in der VG Trier-Land großgeschrieben! Ehrenamt ist die Lebensader unserer Dörfer und Gemeinden. Um unser Ehrenamt in Trier-Land mehr zu unterstützen, zu fördern und zu entlasten, um Ehrenamt insgesamt in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken und Neubürgern in unseren Dörfern eine Möglichkeit der Integration zu bieten, haben wir unser Ehrenamtsbüro Trier-Land mit einer hauptamtlichen Kraft besetzen können. Über Leader (LAG-Moselfranken) bekommen wir für die nächsten 3 Jahre 70% Zuschuss für diese Personalstelle.

Hand in Hand arbeiten hier unsere Senioren- und der Behindertenbeauftragte mit unseren beiden Jugendpflegern und dem Ehrenamtsbeauftragten im Interesse unserer Bürger eng zusammen.

Die Resilienz, die Widerstandsfähigkeit und die klimatischen Veränderungen haben uns in allen Bereichen in der VG Trier-Land in den letzten Jahren intensiv beschäftigt.

Heute Abend haben wir die Endfassung unseres Klimaschutzkonzeptes Trier-Land beschlossen. Wir konnten einen Energiemanager (3 Jahre) mit einer hohen Förderung und einen Klimaschutzmanager (2 Jahre) einstellen um Konzepte zu erstellen, nach Synergien und Einsparpotential zu schauen und praktische Umsetzungsmaßnahmen zu begleiten. Wir haben in enger Absprache mit unseren Ortsgemeinden die Straßenbeleuchtung auf LED umstellen können. Die Kipki Förderung des Landes hat den Großteil hierüber finanziert. Dadurch sparen unsere Gemeinden nicht nur CO2, sondern auch kontinuierlich Geld in der Zukunft.

In diesem Zusammenhang haben wir ein professionelles Hochwasservorsorge- und Starkregenkonzept erstellen lassen. Erste Maßnahmen daraus sind bereits in der Umsetzung bzw. Planung, damit die Lebensqualität in unseren Dörfern und Gemeinden auch in Zukunft erhalten bleibt.

Ich könnte noch viele Beispiele nennen, meine sehr verehrten Damen und Herren, was wir zusammen in den letzten Jahren hier geleistet haben. Eine solche Erfolgsbilanz kann aber nur entstehen, wenn wir mutige, politische Entscheidungsträger haben aber auch hochqualifiziertes, engagiertes und motiviertes Personal in der Verwaltung vorfinden, die alle Entscheidungen von den politischen Gremien schrittweise umsetzen!

Wir haben fast alle Maßnahmen und Entscheidungen die ich eben aufgezählt habe, einstimmig im Rat und in den Ausschüssen beschlossen. Wir alle wissen, dass es gewaltige Investitionen sind, die wir tätigen für unsere Lebensbedingungen in der VG Trier-Land zu verbessern.

Es ist klar, dass diese Investitionen über Schulden und Zuschüssen finanziert werden müssen. Es ist uns allen klar, dass die Zins- und Tilgungsleistungen aufgrund der hohen Investitionen steigen werden und über eine steigende VG-Umlage zu finanzieren sind. Umso mehr, möchte ich ihnen als Bürgermeister der VG Trier-Land danken, dass wir diese Investitionen mit ihren Auswirkungen mit überwiegend einstimmigen Beschlüssen gemeinsam schultern und gemeinsam Verantwortung dafür tragen.

Ich möchte aber auch unseren Mitarbeitenden im gesamten Haus und in allen Bereichen ganz herzlich für ihr außerordentliches Engagement danken. Ja, wir haben in den letzten Jahren eine hohe Personalfluktuation gehabt. Dies hatte unterschiedliche, in der Regel individuelle Gründe. Neue, motivierte Mitarbeitende konnten gefunden, eingearbeitet und teilweise noch qualifiziert werden. Das braucht Zeit, die wir oft wegen dem ständig steigenden Tagesgeschäft gar nicht haben. Einige haben uns aufgrund der starken Belastung relativ schnell wieder verlassen, und andere wiederum wachsen jeden Tag über sich hinaus um alle Aufgaben bestmöglich zu erledigen und nach Zuschüssen jeder Art zu schauen, um die finanzielle Belastung für die VG und die Ortsgemeinden so gering wie möglich zu halten.

Diese Entwicklung, die ich eben beschrieben habe, trifft mittlerweile nicht nur jeden öffentlichen Arbeitgeber, sondern auch die private Wirtschaft. Ein ständiges „kommen und gehen“ des Personals wird auch uns, als relativ kleine öffentliche Behörde in Zukunft eng begleiten.

Was andere öffentliche Behörden allerdings nicht erreichen, was uns in Trier-Land aber gelingt, ist, dass wir quasi personalisiert sind. Sehr wenige offene Stellen werden sehr zeitnah besetzt. Wir haben einen großen Pool an Initiativbewerbungen von Menschen, die unabhängig einer offenen Stelle bei uns, eine Bewerbung abgeben, weil sie gerne bei uns arbeiten möchten! Das ist ein Alleinstellungsmerkmal in unserer Großregion!

Ich bin verdammt stolz auf unser Team, auf unsere Mitarbeitende, weil ich jeden Tag sehe, was sie leisten und wie sie sich für unsere VG, für unsere Dörfer und Gemeinden in der VG Trier-Land einsetzen. Umso befremdlicher finde ich es, dass einzelne politische Vertreter es immer wieder versuchen, auf dem Rücken unserer Mitarbeitenden Politik zu machen, die Mitarbeitenden oft unnötig kritisieren und unsere wertvolle Arbeit schlecht zu reden. Wir haben eine tolle Mannschaft, auf die wir alle stolz sein können!!

Haushalt 2026 / 2027:

Unser Haushaltsentwurf ist ein Sinnbild für die eben beschriebenen Entwicklungen und Eckpunkte. Nachdem wir in den letzten Jahren stets einen Haushaltsausgleich hinbekommen haben, gelingt uns dies für die Jahre 2026 und 2027 leider nicht.

Wir haben mit rund 1,2 Millionen Euro Mehrausgaben aufgrund von Tarifsteigerungen für unser Personal zu rechnen. 5,8% im Jahr 2026 und fiktiv angenommen 3% für das Jahr 2027.

Wir haben mit Mehrausgaben aufgrund von Zins- und Tilgungsbelastungen für die Umsetzung unserer großen Vorhaben zu kämpfen. Wir investieren vermehrt in die Umsetzung der Maßnahmen und Machbarkeitsstudien zur Zuschussgewinnung für Hochwasservorsorge- und Starkregenprojekte.

Wir haben über 2 Millionen Euro Ausfälle in der Gewerbesteuer. Zur Deckung von zusätzlichen Ausgaben und zur Kompensation von zurückgehenden Einnahmen sollen wir, nach Gemeindehaushaltsordnung, unsere Einnahmen erhöhen. Wir schlagen ihnen deswegen eine Umlagenerhöhung von 1% Punkt vor. Aber auch mit dieser Umlagenerhöhung, die unsere Ortsgemeinden aufbringen müssen, haben wir weniger Geld zur Verfügung, als noch im Jahr 2025. Trotzdem erreichen wir den Haushaltsausgleich weder im Ergebnis- noch im Finanzhaushalt.

Da wir aber in den letzten Jahren gut gewirtschaftet haben, gehen wir davon aus, dass unsere Kommunalaufsicht auf der Kreisverwaltung den Haushaltsplanentwurf genehmigen wird. Was bedeutet, „gut gewirtschaftet“?

Wir konnten in den letzten 8 Jahren kontinuierlich unsere Verschuldung als VG zurückfahren. Durch die Vielzahl der großen Investitionen, wird diese jedoch erneut deutlich steigen in den nächsten Jahren.

Wir konnten durchweg in den letzten Jahren Überschüsse in den Jahres- bzw. Rechnungsergebnissen erzielen. Das heißt, dass wir in den letzten 5 Jahren deutlich mehr Überschüsse erzielt haben, die nun mit Defiziten ausgeglichen werden können.

Und wir konnten als Verwaltung viele Förderungen und Zuschüsse erzielen, die unsere finanzielle Belastung abmilderten.

In den Unterhaltungsmaßnahmen werden wir wieder kräftig in unsere Grundschulen und Feuerwehren investieren. Aber auch in die Unterhaltung unserer Gewässer III. Ordnung sowie in die Bauleitplanung zu Fortschreibungen von Flächennutzungsplänen wird viel Geld investiert werden.

Die Investitionsmaßnahmen sind der eher spannende Teil. Wir haben Ausgaben von rund 600.000 Euro für den Austausch von Hard- und Software sowie neu den Einsatz einer künstlichen Intelligenz (KI) eingeplant. Leider sind auch wir von Cyberangriffen nicht verschont und müssen Angriffe von außen kontinuierlich abwehren.

Wir sind im Bau des BAZ (Brandschutz und Ausbildungszentrums) für unsere Feuerwehren. Wir bauen die Gerätehäuser in Edingen-Godendorf, in Beßlich und in Möhn neu. Die Feuerwehren Schleidweiler und Rodt erhalten Materialkostenzuschüsse, da sie die An- und Umbauten in ihren Feuerwehrhäusern ehrenamtlich selbst schultern.

Die Großbestellung von einigen Feuerwehrfahrzeugen kann in den Jahren 2026 und 2027 abgeschlossen werden. Im Sommer 2026 werden die ersten Fahrzeuge kommen.

Die Grundschule Kordel befindet sich in der Generalsanierungsphase. Diese soll Ende 2027 fertig gestellt sein. An den Standorten Trierweiler und Ralingen bauen wir gemeinsam mit den Ortsgemeinden eine gemeinsame Infrastruktur zwischen kommunaler Kita und Grundschule. Hier werden gemeinsame Küchen, Mensen und Nebenräume geschaffen um wirtschaftlicher in der Zukunft zu sein.

Die Planungen für die Erweiterung der Grundschule Rodt nehmen 2026 richtig Fahrt auf, so dass wir hier in 2027 / 2028 in die Umsetzung gehen können.

Die Turnhalle Welschbillig wird in 2026 und 2027 generalsaniert und Maßnahmen und Planungen von Umsetzungen des Hochwasservorsorge- und Starkregenkonzeptes prägen in erster Linie das Investitionsvolumen in Höhe von rund 23,5 Millionen in 2026 und rund 18,3 Millionen in 2027.

Wir stehen auch vor der Herausforderung, wie unsere Verwaltung der Zukunft aussehen wird. Wir haben heute Abend die Entscheidung getroffen, dass wir in Trier in der Gartenfeldstraße am jetzigen Standort bleiben werden. Das heißt, wir müssen uns nun im ersten Halbjahr 2026 damit auseinandersetzen, wie und in welchem Umfang unsere Verwaltung saniert werden soll. Dafür haben wir Planungskosten eingesetzt.

Schlusswort:

Meine sehr verehrten Damen und Herren, wir haben heute einen sehr ambitionierten, aber auch sehr zukunftsweisenden Haushaltsplanentwurf für die kommenden 2 Jahre zu beraten und darüber abzustimmen. Ein kommunaler Haushalt ist immer eine „grobe Handlungsrichtlinie“. Viele positive wie negative Effekte werden das Zahlenwerk beeinflussen. Wir haben während der Haushaltsphase die Möglichkeit, über Nachtragshaushalte die finanzielle Entwicklung nachzuschärfen.

Ich gehe mit diesem Haushaltsplanentwurf sehr zuversichtlich in unsere zukünftige Entwicklung der Verbandsgemeinde. Er bietet eine umfassende Transparenz des „gewollten und notwendigen“ sowie zahlreiche Chancen und Möglichkeiten unsere Kommune weiter zu entwickeln. Leider können wir dies nur über eine zunehmende Verschuldung finanzieren. Es heißt immer, mit den Verschuldungen heute, belastet man die Generationen von morgen. Das stimmt. Es stimmt aber auch, dass die Generationen von morgen, genau diese Infrastruktur die wir heute schaffen, in der Zukunft aktiv nutzen und auch brauchen werden. Dann sollte es kein Problem sein, diese in der Zukunft auch mit zu finanzieren.

Ich darf mich zum Schluss bei Frau Berens herzlich bedanken. Sie ist unsere Haushälterin und hat hiermit ihren ersten Haushaltsplan für unsere VG vorgelegt. Eine echte Kraftanstrengung die über Monate hinweg reicht.

Ich darf mich bei unseren Mitarbeitenden für ihre tolle Arbeit das ganze Jahr über bedanken. Und ich möchte mich bei ihnen, den politischen Vertretern im Rat und in den Ausschüssen, aber auch bei unseren Ortsbürgermeistern für die gute Zusammenarbeit und die oftmals einstimmigen Beschlüsse bedanken. Wir machen Politik für die Dörfer und Gemeinden, in denen wir selber leben. Ein gutes Gefühl, aktiv etwas tun zu können!

Zu guter Letzt möchte ich allen Menschen in der VG Trier-Land die ehrenamtlich tätig sind und sich für andere einsetzen herzlich „Dankeschön“ sagen. Ohne Sie wäre unsere VG nur halb so schön und lebenswert!

Ich wünsche uns allen ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest und einen guten Start in ein gesundes, glückliches, neues Jahr 2026!

Dankeschön.

Michael Holstein
Bürgermeister