Titel Logo
Konzer Rundschau
Ausgabe 40/2020
Neues aus der Verbandsgemeinde Konz
Zurück zur vorigeren Seite
Zurück zur ersten Seite der aktuellen Ausgabe

Einladung des Forstamtes Saarburg zum Waldspaziergang von vielen interessierten Bürgern angenommen.

Förster Martin Bee mit interessierten Zuhörern auf einer Borkenkäferkahlfläche im Stadtwald Konz

Am vergangenen Sonntag, 20.09.2020, informierten die Förster des Forstamtes Saarburg im Rahmen der Deutschen Waldtage über 200 interessierte Bürger*innen zur Situation in den Wäldern der Umgebung. In den Forstrevieren Kell-Waldweiler und Freudenburg-Trassem finden die Waldspaziergänge mit den Förstern Axel Weber und Georg Haupert erst am 27.09.2020 statt. Für diesen Termin sind Corona-bedingt nur noch wenige Teilnahmeplätze frei.

Der Anblick der Wälder hat sich angesichts des dritten Dürresommers in Folge stellenweise deutlich verändert. Vielerorts fallen die durch Borkenkäfer befallenen Fichtenbestände auf, die das Landschaftsbild durch Ihre braune Farbe bestimmen.

Gerade die Fichte ist wegen ihres Flachwurzelsystem bei längerer Trockenheit besonders empfindlich und gerät schnell in Trockenstress.

Dies nutzen Borkenkäfer, vor allem „Buchdrucker“, die in großen Massen die so geschwächten Fichten befallen.

Massenvermehrung von Borkenkäfern auf großen Flächen durch anhaltende Dürre

Um die weitere Verbreitung der Borkenkäfer und seine Vermehrung zu verhindern, waren leider auch umfangreiche Hiebsmaßnahmen notwendig, die zu ungewohnten Freiflächen geführt haben. Das geerntete Fichtenholz ist wegen Borkenkäferbefalls nach wie vor für benachbarte Fichtenbestände gefährlich, weil die Entwicklung der Larven bis zum fertigen Käfer auch in gefälltem Holz weitergehen kann. Deshalb werden die geernteten Stämme z.B. auf sogenannte Trockenlager transportiert, die mindestens 500 m vom nächsten gefährdeten Fichtenbestand entfernt sind.

Oder, wie im Forstrevier Zerf-Greimerath, zeitlich eng befristet auf ein Nasslager. Dort erläuterte der zuständige Förster Helmut Gödert seinen Zuhörern, wie ohne Einsatz von chemischen Schädlingsbekämpfungsmitteln die weitere Vermehrung der Borkenkäfer verhindert wird und gleichzeitig das Holz für einen späteren Verkauf werterhaltend durch Berieselung mit Wasser konserviert werden kann.

Nutzung der natürlich aufkommenden Mischbaumarten in Kombination mit Pflanzung

Förster Martin Bee vom Forstrevier Konz-Wiltingen erläuterte den Teilnehmern des Waldspaziergangs auf einer größeren, von Fichten geräumten Freifläche des Stadtwaldes Konz in der Nähe von Steinbachweier die nachfolgende Wiederaufforstung mit Eichen, Buchen, Bergahorn und Weißtannen. Man konnte an diesem heißen Sonntag deutlich die klimatischen Unterschiede zwischen der durch Borkenkäferbefall entstandenen Freifläche und den schattigen, geschlossenen Wäldern spüren. Während es im Wald schön kühl war, gerieten die Zuhörer auf der Freifläche schon ins Schwitzen. Neben der Hitze durch direkte Sonneneinstrahlung auf solchen Freiflächen ist die Neuanpflanzung auch durch Reh- und Rotwild gefährdet, weshalb die jungen Pflanzen entweder durch Zaun oder durch Einzelschutz vor Wildschäden geschützt werden müssen.

Bisher setzten die Förster vorwiegend auf Naturverjüngung unter dem Schirm der Altbestände. Gepflanzt wurde dort, wo ein Baumartenwechsel zum Beispiel hin zu mehr Laubbaumarten ansonsten viele Jahrzehnte benötigen würde.

In den Revieren des Forstamtes Saarburg wurde übrigens bereits in den1980iger Jahren damit begonnen, die vorhandenen Nadelholzreinbestände in Mischbestände zu überführen. Heute gibt es im Forstamt Saarburg 60 % Laubholz und 40 % Nadelholz und beachtliche 85 % Mischwald. So werden in Nadelholzreinbeständen nach Auflockerung des Kronendaches an hellen Stellen Buchengruppen gepflanzt oder Weißtannen in reine Buchenwälder.

Beispiele dafür zeigten auch die Förster Joachim Haupert vom Forstrevier Klink sowie Benedikt Gödert im Forstrevier Saarburg-Tobiashaus.

Im Forstrevier Palzem machte Förster Peter Strupp seine Zuhörer auf die bereits in den Wäldern vorhandenen Potenziale an natürlich aufkommenden Mischbaumarten aufmerksam, die er gezielt fördern kann und so auf vielen Standorten auch ohne künstliche Pflanzung auf dem Weg zum klimastabilen und artenreichen Mischwald ist. Auch der Privatwaldbetreuer des Forstamtes Saarburg, Dietrich Harder, stellte seinen Zuhörern im Bereich Kell am See einige Flächen vor, auf denen reichlich Naturverjüngung auf einstigen Nadelholzflächen eine zukunftsfähige Wiederbewaldung einleitet.

Fichte auf dem Rückzug, beschleunigter Klimawandel betrifft alle Baumarten

Stefan Riss vom Forstrevier Serrig und Johannes Gödert von Forstrevier Schillingen sind sich mit Ihren Kollegen darin einig, dass die Fichte mittelfristig in den Revieren des Forstamtes Saarburg nicht mehr die Rolle spielen wird wie bisher.

Sie konnten einige gelungene Beispiele zeigen, die das vorhandene Potenzial von der Birke über die Vogelbeere auf den verlichteten Flächen nutzen, um dort künftig eine Bewaldung aufrecht zu erhalten, auch wenn die klimatische Entwicklung mit weiter anhaltender oder sogar noch zunehmender Dürre sich so fortsetzt.

Unsere gesamte heutige Waldgesellschaft ist durch die sich verschärfende Klimakrise betroffen. Die Fichte ist allerdings die Baumart, die dem Wassermangel am wenigsten entgegensetzen kann.

Auch die meisten anderen einheimischen Baumarten sind dem Dürrestress der letzten 3 Jahre auf Dauer nicht gewachsen und es wird künftig wichtig sein, Wälder und Ihre vielen Funktionen für die Menschen zu bewahren. Dies wird dazu führen, dass sich die Baumartenzusammensetzung gegenüber heute stark verändert.

Um dem Klimawandel entscheidend entgegen zu wirken, sind die politischen Rahmenbedingungen zu ändern. Aber auch jeder Einzelne ist dazu aufgerufen, seinen Lebensstil zu überdenken. Denn die dramatischen Klimaänderungen und deren Tempo sind menschengemacht.