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Büttelborner Nachrichten
Ausgabe 15/2019
Notizen aus dem Rathaus
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Stolpersteine

Steine gegen das Vergessen - Konfirmanden erinnern an verschwundene Nachbarn

Büttelborner Konfirmanden und Konfirmandinnen werden am 9. April um 16 Uhr in der Weiterstädter Straße vor dem Haus mit der Nummer 12 den früheren jüdischen Bewohnern Leopold und Johanna Hirsch und ihren Kindern Ferdinand, Ludwig und Elsie gedenken. Vor diesem Haus hat der Künstler Gunter Demnig Stolpersteine verlegt, kleine quadratische Steine, versehen mit Messingplättchen, eingelassen in den Bürgersteig und beschriftet mit den Namen und Lebensdaten der früheren Bewohner. Diese Steine sind Teil eines europaweiten Kunstwerks, an dem Gunter Demnig seit 1996 arbeitet: Stolpersteine gegen das Vergessen.

Im Rahmen ihres Konfirmandenunterrichts haben die Jungen und Mädchen sich mit der Vertreibung und Ermordung Büttelborner jüdischer Bürger beschäftigt. Sie erfuhren, dass bis zu Beginn der Nazizeit in den Häusern, vor denen Stolpersteine liegen, jüdische Männer, Frauen und Kinder gelebt, gewohnt und gearbeitet haben. Sie waren Nachbarn, Schulkameraden, Freunde und Freundinnen, in Vereinen aktiv, kurz: sie waren Teil der dörflichen Gemeinschaft. Diesen Nachbarn wurden mit Beginn der Nazidiktatur systematisch die Lebensgrundlagen entzogen. Sie durften nicht mehr arbeiten, ihre Läden mussten sie schließen, ihre Geschäfte aufgeben, ihre Häuser verlassen und verkaufen und schließlich wurden sie verjagt.

Wer konnte, flüchtete ins Ausland. Viele von ihnen wurden ermordet. 1933, als die Naziherrschaft begann, lebten in Büttelborn 33 Jüdinnen und Juden, davon wurden acht Menschen ermordet oder sind im Osten nach Deportationen verschollen. Andere flohen in die USA, nach Palästina oder Südamerika, eine Büttelbornerin überlebte in Verstecken.

In Büttelborn wurden seit 2009 für 29 ehemalige jüdische Bürger und Bürgerinnen Stolpersteine verlegt. Paten und Patinnen haben die Steine finanziert und damit das Ziel des Künstlers unterstützt, jedem Opfer der Nazibarbarei mit seinem Stolperstein den Namen zurückzugeben und „die Erinnerung an diesen Menschen in unseren Alltag“ zurückzuholen - wie Gunter Demnig es formuliert.

Zehn Jahre sind seit der ersten Stolpersteinverlegung in Büttelborn vergangen, aber vergessen werden sollen die jüdischen Nachbarn und ihr Schicksal nicht mehr. Um zu erinnern und zu gedenken, laden die Gemeinde Büttelborn und der Förderverein Jüdische Geschichte und Kultur im Kreis Groß-Gerau mit der Stolpersteingruppe recht herzlich ein. Konfirmandinnen und Konfirmanden werden über Leben und Schicksal der Familie Hirsch berichten, Bürgermeister Rotzinger Grußworte sprechen. Willkommen sind alle, die gedenken und sich erinnern wollen, v.a. auch diejenigen, die mit ihrer Patenschaft für die Stolpersteine den immer gegenwärtigen Anstoß zum Erinnern geschaffen haben.