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Kelsterbach aktuell
Ausgabe 10/2021
Seite 2
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Die Feuerreiter von Kelsterbach

Friedrich Stoltze

Die Feuerreiter von Kelsterbach

15. Oktober 1881

(Rechtschreibung und Interpunktion belassen)

Der Bürgermeister von Kelsterbach,

Versteht seine Sach, versteht seine Sach,

Versteht sie wie kein Zweiter.

Drum schrieb er aus vor Monden schon,

Auf Submission, auf Submission,

Drei richt’ge Feuer=Reiter.

Dem Bürgermeister von Kelsterbach,

Dem war der Gaul ganz Nebensach,

Er sah nur auf den Reiter.

Im schlimmsten Fall, der kommen kann,

Lauft auch zu Fuß ein Reitersmann,

Denn so auch kommt man weiter.

In Kelsterbach bei dem letzten Brand

Ein Feuer=Reiter ward abgesandt

Schwanheim zu alarmieren.

Doch war er Kelsterbach kaum draus,

Ging schon dem Gaul der Athem aus,

Was Gäulen kann passiren.

Es half da weder Sporn noch Hieb,

Er hatte Kelsterbach zu lieb,

Er konnte sich nicht trennen.

Gar edle Thiere sind die Gäul,

Besonders bei der Lungenfäul

Will so ein Gaul nicht rennen.

Der Feuer=Reiter war nicht dumm,

Drum stieg er ab, er wußt warum,

Weshalb er sich nicht zierte.

Dann zog er mit verhängtem Zaum,

Sein schnelles Roß an einem Baum;

Er wußte, es pressierte.

Ganz nah bei einem Amselnest

Da band er seinen Renner fest

Und ließ ihn da verschnaufen.

Dann schrie er „Feuer mordio!

Ganz Kelsterbach brennt lichterloh!“

Und thät nach Schwanheim laufen.

Und als er so nach Schwanheim „ritt“,

Da nahm er einen Strohwisch mit

Am Sporn beim schnellen Reuten.

Der Strohwisch rauschte in der Nacht,

Ganz Schwanheim ist da aufgewacht

Und fing an Sturm zu läuten.

Nach Kelsterbach ließ im Galopp

Zurück der Feuer=Reiter – Ob

Er heut schon angekommen,

Und ob der Baum, denn er war faul,

Nicht durchgegangen mit dem Gaul,

Hat Niemand noch vernommen. ***

PS: Sozusagen als Replik auf die Beschlüsse der Stadtverordnetenversammlung vom Februar, die Feuerwehr im Langen Kornweg 2021 neu zu bauen, ein kleiner Rückblick mit den Worten des bekannten Frankfurter Dichters Friedrich Stoltze. Die Feuerwehr wurde damals, im 19. Jahrhundert, von den Gemeinden an Bürger verpachtet. Die hatten für Leitern, Feuerpatschen und Wassereimer zu sorgen und - im Falle eines Brandes - in Schwanheim und Niederrad Hilfe zu holen, mit dem Pferd, dem "Gaul" aus dem Gedicht. Daher der "Feuer-Reiter", der in Kelsterbach als Mosaik von der Kelsterbacher Künstlerin Marianne Scherer-Neufahrt im Rathaus-Foyer prangt und auch dem Karnevalverein "Die Feuerreiter" den Namen gab. (hb)