Ute Janik referierte über Frauenbilder in Literatur und Zeitgeschichte.
Nach dem Vortrag und Frühstück ging es für alle die wollten an die Nähmaschine, um selbst etwas Kreatives zu gestalten.
Der Weltfrauentag entstand als eine Initiative sozialistischer Organisationen und fand zum ersten Mal 1911 statt – ein Gedenk- und Aktionstag, der weltweit daran erinnern soll, dass Frauen Gleichberechtigung verdienen. Ob es das Wahlrecht ist, das Recht, ein eigenes Konto zu eröffnen, den Führerschein zu machen, das Sorgerecht für Kinder nach einer Scheidung zu bekommen, zu verhüten, ohne Einwilligung des Ehemannes arbeiten zu gehen oder den gleichen Lohn für gleiche Arbeit zu erhalten – alles mussten und müssen sich Frauen hart erkämpfen. Gleichheit mag in der Theorie existieren, aber ist im gelebten Alltag keine Selbstverständlichkeit.
Bereits zum zweiten Mal haben die städtische Frauenbeauftragte Manuela Draisbach und die Stadt- und Schulbibliothek zusammengearbeitet und ein Programm aus Fachvortrag, gemeinsamem Frühstück, Austausch und Kreativzeit zusammengestellt. Rund 15 Frauen lauschten dem Fachvortrag von Ute Janik mit dem Titel: „Die Heldin in Dir“ und genossen einen Vormittag für sich unter Gleichgesinnten.
Nach einem kurzen Sektempfang hießen Stadträtin Annerose Tanke und Draisbach die Gäste herzlich willkommen. Im Anschluss begann die Journalistin und Coachin Ute Janik ihren Vortrag. Janik schlug gekonnt den Bogen zwischen literarischen Stilelementen, Hollywoodvorbildern und bekannten Frauen der Zeitgeschichte, um zu zeigen, dass Frauen sich ganz anderen Herausforderungen stellen müssen als Männer, aber dennoch zum Ziel kommen können.
Janik sprach von Archetypen in der Literatur, wie dem Wegbegleiter oder dem Mentor und erntete immer wieder viel zustimmendes Nicken. Gesellschaftliche Erwartungen und Einschränkungen prägen dabei bis heute das Selbstbild der Frauen. Oft dienten fragwürdige Traditionen auch einzig dem Machterhalt der Männer. Und gerade Frauen verinnerlichen Glaubenssätze wie: „Das schaffe ich nicht“ oder „Dafür ist es jetzt zu spät“. Das führe dazu, dass Frauen nachweislich häufiger aufgeben, ohne zu prüfen, ob sie es schaffen könnten, so Janik.
Nach dem Vortrag gab es ein reichhaltiges Frühstück, das vom Team der Bibliothek organisiert worden war. Bei Kaffee und Brezeln unterhielten sich die Frauen und resümierten eigene Erfahrungen. Wer wollte, konnte im Anschluss auch selbst kreativ werden. Angelehnt an den Vortrag, in dem es unter anderem um die Unternehmerin Margarete Steiff ging, die trotz Behinderung die bis heute beliebten Kuscheltiere aus Filz herstellte, konnten Schlüsselanhänger und anderes aus Filz an der Nähmaschine gefertigt werden. Am frühen Nachmittag war die Veranstaltung beendet. Im kommenden Jahr wird die Stadt Kelsterbach den Weltfrauentag erneut würdig begehen und ihm eine angemessene Bühne bieten.