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Kelsterbach aktuell
Ausgabe 11/2026
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Polizei informierte über Trickbetrug

Die erste Präventionsveranstaltung für Senioren im KelsterLab stieß auf großes Interesse.

Am vergangenen Freitag fand im digitalen Stadtlabor KelsterLab die erste von insgesamt vier Präventionsveranstaltungen des Polizeipräsidiums Südhessen für Senioren statt. Gleich die Premiere stieß auf reges Interesse: Marc Heinrich, Schutzmann vor Ort in Kelsterbach, informierte rund 30 Anwesende bei Kaffee und Kuchen über verschiedene Formen des Trickbetrugs, die gerade auf ältere Menschen abzielen. Unterstützt wurde er dabei von Ralf Blättner, dem ehrenamtlichen Sicherheitsberater für Seniorinnen und Senioren in Kelsterbach.

Trickbetrug sei ein allgegenwärtiges Thema, mit dem zahlreiche Anwesende schon konfrontiert worden seien, wie er in Vorgesprächen erfahren habe, so Heinrich. Er machte deutlich: „Viele denken jetzt, dass ihnen so etwas nie passieren könne. Doch die Täter sind geschult, wissen genau, wie sie beim Opfer Druck und Angst erzeugen können, so dass man es irgendwann für eine gute Idee hält, Wertgegenstände oder Geld an fremde Personen zu übergeben. Statistisch gesehen wird jeder von Ihnen einmal betroffen sein, ob per Mail, SMS, am Telefon oder an der Haustür.“

In Kelsterbach sei zu beobachten, dass hier die Masche des „falschen Polizeibeamten“ besonders häufig angewendet werde. Meist beginnt diese mit dem Anruf eines vermeintlichen Polizisten, der zum Beispiel vor einer Diebesbande warnt, die es auf die Wohnung der angerufenen Person abgesehen habe. Da Geld und Schmuck zu Hause nicht mehr sicher seien, würde die Polizei einen Boten schicken, der alles Wertvolle abholt und in Sicherheit bringt. Es könne zwar durchaus vorkommen, dass die Polizei anruft, so Heinrich. Doch niemals wird sie die Herausgabe von Geld oder Schmuck verlangen. Zudem gilt besondere Vorsicht, wenn auf dem Telefondisplay die 110 erscheint. „Die Polizei ruft niemals von der Notrufnummer aus an“, stellt der Polizeibeamte klar.

„Polizei fordert keine Kaution“

Andere Betrugsmaschen, die häufig zum Einsatz kommen, sind der sogenannte „Enkel-Trick“, bei dem ein angebliches Familienmitglied um Geld bittet, sowie der Schockanruf, bei dem beispielsweise durch die vermeintliche Verhaftung des eigenen Kindes nach einem Unfall mit Todesfolge ein derartiger Schock beim Angerufenen erzeugt wird, dass man oft nicht hinterfragt, warum Geld in bar oder per Überweisung gezahlt werden soll. „So etwas wie eine Kaution gibt es nicht, das wird die echte Polizei niemals von ihnen verlangen“, so Heinrich. Dass angebliche Mitarbeiter von Microsoft, der Hausbank oder Dienstleistern wie PayPal versuchen, durch betrügerische Anrufe an sensible Daten zu kommen, sei ebenfalls keine Seltenheit. Passwörter und andere Daten sollten daher niemals am Telefon preisgegeben werden, auch wenn die Anrufer vorgeben, dass eine enorme Dringlichkeit bestehe.

Auch Beispiele für Trickbetrug an der Haustür bekamen die Anwesenden vermittelt. So verschaffen sich Kriminelle etwa unter dem Vorwand, die Rauchmelder in der Wohnung kontrollieren oder die Warmwasserzähler ablesen zu müssen, Zugang zu den Räumen und sorgen für Ablenkung, die einer der Täter nutzt, um nach Geld oder Schmuck zu suchen. Ob am Telefon, im Internet, per WhatsApp oder an der Haustür, dem Einfallsreichtum der Trickbetrüger sei keine Grenzen gesetzt, so Heinrich. Natürlich sei nicht jeder Anrufer oder jeder Fremde, der an der Tür klingelt, ein Betrüger. Doch sobald es um Geld oder Vertragsunterzeichnungen geht, sollte man besonders aufmerksam und vorsichtig sein.

Trickbetrug zielt auf ältere Menschen ab

Heinrich erklärte, Trickbetrüger hätten besonders ältere Menschen aufgrund derer Lebensumstände im Visier. Viele von ihnen leben allein und könnten so von den Betrügern leichter isoliert und unter Druck gesetzt werden. Zudem gebe es bei vielen Seniorinnen und Senioren noch eine gewisse Autoritätsgläubigkeit, so dass Anweisungen von vermeintlichen Polizisten, Staatsanwälten oder anderen Autoritätspersonen seltener hinterfragt werden.

Wichtig sei zu wissen, dass man den Betrügern nicht hilflos ausgeliefert ist. Es gilt, Ruhe zu bewahren und seinem Buchgefühl zu vertrauen, da die Täter sehr gut wissen, wie sie ihre Opfer im Kopf verrückt machen können. Wenn ein Anruf ein ungutes Gefühl erweckt, einfach auflegen. Und wenn jemand ohne vorherige Terminvereinbarung in die Wohnung möchte, denjenigen nicht hineinlassen, selbst wenn er einen Ausweis vorzeigt. Wer dann aber trotzdem Opfer eines Trickbetrugs geworden ist, sollte sich nicht schämen und den Betrug unbedingt anzeigen.

Blättner riet, das Mobiltelefon so einzustellen, dass Anrufe, die von nicht als Kontakt abgespeicherten Nummern kommen, direkt zur Mailbox geleitet werden. Zudem mahnte er, man sollte im Internet sehr achtsam mit der Herausgabe seiner Daten umgehen, zum Beispiel bei Gewinnspielteilnahmen.

Neben den Hinweisen der beiden Referenten teilten auch einige der anwesenden Senioren ihre Erfahrungen mit den anderen Besuchern und hatten dabei den einen oder anderen Tipp in petto. So gab ein Besucher an, er habe mit seiner Tochter für Anrufe im Notfall ein Codewort ausgemacht, das nur sie beide kennen – eine Maßnahme, die Heinrich begrüßte. „Eine Verifikation durch ein Codewort oder durch Fragen, die nur ein Angehöriger beantworten kann, ist gerade bei Schock-Anrufen oder beim Enkel-Trick sehr zu empfehlen“, so der Polizeibeamte.

Kommende Termine

Heinrich und Blättner zeigten sich sehr zufrieden mit der Resonanz auf diesen ersten Präventionstag. Es sei wichtig, die Menschen über die Methoden der Betrüger aufzuklären und ihnen ein paar einfache, aber hilfreiche Tipps an die Hand zu geben, mit denen es Kriminellen schwerer gemacht wird, mit ihren Betrugsmaschen erfolgreich zu sein. Am Ende luden die beiden die anwesenden Seniorinnen und Senioren noch zum zweiten Seniorentag am Samstag, 18. April, ins Fritz-Treutel-Haus ein. Hier wird Heinrich von 14 Uhr bis 18 Uhr Fahrräder codieren und Blättner mit hilfreichen Tipps zum Thema Sicherheit im Alter vor Ort sein. Zudem sind im KelsterLab in diesem Jahr noch drei weitere Präventionsveranstaltungen geplant: Am Montag, 11. Mai, geht es um Sicherheit im Straßenverkehr, während am Montag, 13. Juli der Schwerpunkt auf dem immer wichtiger werdenden Thema der Cyber-Kriminalität liegt. Am Montag, 12. Oktober schließlich wird über die Gefahren durch Künstliche Intelligenz referiert. (sb)