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Kelsterbach aktuell
Ausgabe 13/2026
Seite 3
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Vielfalt in Kelsterbach

Die Co-Vorsitzende der Integrationskommission Irini Kaldi blickt optimistisch in die Zukunft.

Die Arbeit der Integrationskommission und die Herausforderungen innerhalb einer multikulturellen Gesellschaft werden mit diesem Interview beleuchtet. Nach der Kommunalwahl Mitte März wird auch die Integrationskommission fortbestehen, die vor fünf Jahren eingeführt wurde und den früheren Ausländerbeirat ablöste. Wie die bisherige Arbeit verlaufen ist, besprachen wir mit der Co-Vorsitzenden Irini Kaldi. Das Gespräch führte Anika Fabijanic.

 

Frau Kaldi, wieso war es wichtig, eine Integrationskommission zu bilden?

Die Stadt Kelsterbach ist seit vielen Jahren von Vielfalt geprägt. Menschen aus unterschiedlichen Ländern, Kulturen und Lebensrealitäten leben hier zusammen. Eine Integrationskommission ist wichtig, weil sie diesen Menschen eine politische Stimme gibt.

Integration passiert nicht von allein – sie braucht Dialog, Begegnung und Menschen, die Verantwortung übernehmen.

Die Integrationskommission schafft einen Raum, in dem Themen wie Integration, Teilhabe, Bildung und Chancengerechtigkeit sichtbar gemacht werden können. Gleichzeitig dient sie als Brücke zwischen der Stadtpolitik und den Menschen mit internationaler Geschichte. Das Ziel ist, gemeinsam Lösungen zu entwickeln und das Zusammenleben in unserer Stadt aktiv und positiv zu gestalten.

Den Vorsitz der Integrationskommission hat automatisch das Stadtoberhaupt, Bürgermeister Manfred Ockel, inne. Wie wurden Sie zur Co-Vorsitzenden?

Ich engagiere mich schon lange für Familien, Bildung und Integration. Deshalb wurde ich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, mehr Verantwortung zu übernehmen.

Daraufhin habe ich mich beworben. Aufgrund meiner beruflichen Erfahrungen und meiner bisherigen Ehrenamtsarbeit erfüllte meine Vita die Voraussetzungen für die Mitarbeit in der Integrationskommission.

Die Mitglieder der Kommission haben mich anschließend zur Co-Vorsitzenden gewählt. Das ist für mich eine große Ehre und gleichzeitig eine große Verantwortung. Diese Wahl zeigt mir auch, dass Vertrauen in meine Arbeit und mein Engagement gesetzt wird.

Was ist in den vergangenen fünf Jahren umgesetzt worden?

Das Kelsterbacher Integrationskonzept wurde als Grundlage der Kommission genutzt und auf „Herz und Niere" untersucht und neue Ideen sind formuliert worden.

In den vergangenen fünf Jahren konnten wir einige wichtige Projekte und Initiativen umsetzen. Dazu gehören verschiedene Veranstaltungen und Begegnungsformate, die Menschen aus unterschiedlichen Kulturen zusammengebracht haben.

Besonders hervorzuheben ist der Tag der Kulturen, der mittlerweile fest im Veranstaltungskalender der Stadt Kelsterbach verankert ist. Es ist ein sehr gut besuchtes Fest, bei dem viele Nationen und Kulturvereine gemeinsam teilnehmen und das mit Unterstützung des Kulturamtes der Stadt organisiert wird.

Darüber hinaus gab es Beratung und Unterstützung für Familien mit internationaler Geschichte, besonders im Bereich Bildung und Teilhabe. Wir haben die Zusammenarbeit mit Vereinen, Schulen und sozialen Einrichtungen in der Stadt weiter gestärkt und Projekte unterstützt, die Interkulturalität, Dialog und gegenseitiges Verständnis fördern. Auch Deutschkurse wurden erweitert, und der Dolmetscher-Pool wurde an die Bedürfnisse in Kelsterbach angepasst und weiterentwickelt.

Uns war wichtig zu zeigen: Integration bedeutet nicht nur, Probleme zu diskutieren, sondern gemeinsam Lösungen zu gestalten. Auch wenn nicht jede Idee sofort umgesetzt werden konnte, haben wir es geschafft, das Thema Integration stärker in der Stadtgesellschaft zu verankern.

Wie ist Ihr persönliches Fazit?

Mein persönliches Fazit ist sehr positiv. Die Arbeit war manchmal herausfordernd, aber gleichzeitig auch sehr bereichernd.

Ich durfte in verschiedenen Gremien mitarbeiten, zum Beispiel in Ausschüssen – besonders im Ausschuss für Bildung, Soziales, Kultur, Sport und Integration – sowie in verschiedenen Arbeitsgruppen, etwa zur „Mainhöhe" oder zum „Tag der Kulturen". Dabei habe ich viele engagierte und interessante Menschen kennenlernen dürfen.

Mir ist in dieser Zeit noch einmal deutlich geworden, wie wichtig Dialog, Begegnung und gegenseitiges Verständnis sind. Integration ist kein einmaliges Projekt, sondern ein dauerhafter gesellschaftlicher Prozess. Für mich persönlich war diese Zeit sehr wertvoll, weil ich gesehen habe, wie viel Engagement es in unserer Stadt gibt.

Außerdem hatte ich die Möglichkeit, Einblicke in die politische Arbeit in Kelsterbach zu gewinnen und gleichzeitig meine berufliche Expertise als Kita-Leitung und BEP-Fachberaterin (Anmerkung: Bildungs- und Erziehungsplan) einzubringen.

Gibt es eine Fortführung der Integrationskommission? Wie geht es weiter?

Ja, die Integrationskommission wird fortgeführt, was ich für sehr wichtig halte. Gerade in einer vielfältigen Stadt wie Kelsterbach braucht es ein Gremium, das sich kontinuierlich mit den Themen Integration, Teilhabe und gesellschaftlicher Zusammenhalt für jedes Alter beschäftigt. Die Integrationskommission kann weiterhin dazu beitragen, Perspektiven einzubringen, Bedarfe sichtbar zu machen und gemeinsam Lösungen für ein gutes Zusammenleben in unserer Stadt zu entwickeln.

Welche Vorstellungen und Wünsche haben Sie für die Zukunft?

Für die Zukunft wünsche ich mir: noch mehr Beteiligung von Menschen mit internationaler Geschichte, eine stärkere Vernetzung zwischen Politik, Bildungseinrichtungen und Zivilgesellschaft, mehr Projekte und Angebote für Kinder, Jugendliche und Familien aber auch für Senioren, eine noch sichtbarere Wertschätzung von Vielfalt.

Mein Wunsch ist, dass Vielfalt in Kelsterbach weiterhin als Chance und Stärke gesehen wird. Gemeinsam können wir an einer offenen, respektvollen und solidarischen Stadt arbeiten – und ich würde mich sehr freuen, auch weiterhin ein Teil dieses Prozesses zu sein.

Vielen Dank für das Gespräch.