Der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) und die Deutsche Bahn (DB) haben in Absprache und Zusammenarbeit einige Neuerungen in ihrem Angebot des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) eingeführt, die seit Mittwoch, 1. April, wirksam sind.
So wurden zum einen die festen Abfahrtszeiten in den Fahrplänen von Bussen und Bahnen abgeschafft. „Die in den Linienplänen angegebenen Zeiten waren sowieso nie einzuhalten, wir fahren jetzt geradeso, wie es sich ergibt – ohne etwas zu versprechen!", begründet RMV-Sprecher Donatus Desade die neue Realismus-Offensive des Verkehrsverbunds. Lediglich Beginn und Ende der Betriebszeiten würden für die einzelnen Wochentage noch bekanntgegeben, wobei auch hier die Zeitangaben eher als Richtwerte zu verstehen seien, von denen geringfügig – bis zu 30 Minuten – abgewichen werden könne, so der Sprecher.
Auf den Überraschungseffekt setzen RMV und DB auch bei ihren neuen Schienenersatzverkehrswochen (SEV), die künftig spontan und unangekündigt veranstaltet werden. „Bisher brauchten wir einen vorgeschobenen Grund, etwa sogenannte ‚Bauarbeiten an den Gleisen oder Stellwerken‘, um den S-Bahn-Verkehr auf Busse zu verlagern. Jetzt machen wir das einfach so, nur zum Spaß und ohne Vorwarnung!", sagt Desade. Damit der Erlebnishunger und die Lust am Nervenkitzel der Fahrgäste vollauf befriedigt werden, setzen RMV und DB grundsätzlich nur komplett ortsfremde Busfahrer im SEV ein und stellen diesen ausschließlich Navigationsgeräte zur Verfügung, auf denen die Kartografie Deutschlands gesperrt ist. „So weiß man als Fahrgast nie, wo man hingefahren wird, wann die Fahrt endet und wie es dann weitergeht – Abenteuer pur!", freut sich der Sprecher.
Die ÖPNV-Betriebe stellen sich darüber hinaus ihrer sozialpolitischen Verantwortung: Um das Zusammenrücken der polarisierten Gesellschaft zu fördern und Spaltung überwinden zu helfen, werden die S-Bahn-Züge künftig deutlich verkürzt. „So kommt man miteinander in Kontakt und genießt menschliche Nähe, anstatt zu vereinzeln", begründet Desade die Maßnahme.
Schließlich führen RMV und DB noch ein Unterhaltungsprogramm in ihren Bussen und Bahnen ein: Bei einem Ratespiel müssen die Fahrgäste die tagesaktuelle Anzahl der Baustellen und der streikenden Lokführer sowie den Krankenstand des Personals in den Stellwerken schätzen. Der Sieger gewinnt eine Begehung einer der rund 1.500 defekten Rolltreppen im Rhein-Main-Gebiet. (wö)