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Kelsterbach aktuell
Ausgabe 17/2022
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Städtebauförderprogramme schreiten voran

Der Bürgerftreff Mainhöhe am neuen Standort.

Der neue Spielplatz im Quartier Mainhöhe.

Der neu gestaltete Kreisel in der Südlichen Ringstraße.

Der Staudenweiher gehört zum Fördergebiet Klimainsel.

In der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Bauen, Planung, Umweltschutz und Mobilität der Kelsterbacher Stadtverordnetenversammlung gab Nicolas Traut, Projektleiter Integrierte Stadtentwicklung beim mit der Umsetzung der Städtebauförderprogramme Sozialer Zusammenhalt „Auf der Mainhöhe“ sowie Wachstum und nachhaltige Erneuerung „Klimainsel Kelsterbach“ betrauten Unternehmens NH-Projektstadt, einen Sachstandsbericht.

Das Programm „Auf der Mainhöhe“ läuft bereits seit 2014 und wird bis mindestens 2023 weitergeführt. An die Laufzeit gliedert sich noch eine Verstetigungsphase von weiteren drei bis vier Jahren, um die letzten Projekte umzusetzen und abzuwickeln. Während der etwa 10-jährigen Förderperiode sollen zirka zehn Millionen Euro - sechs Millionen davon stammen aus Fördermitteln - für verschiedene Maßnahmen aufgewendet werden, hinzu kommen noch die Investitionen privater Eigentümer.

Im Herzen des Quartiers Mainhöhe stellt der Bürgertreff als Gemeindebedarfseinrichtung eine der im Integrierten Handlungskonzept festgeschriebenen und vom Wirtschaftsministerium bewilligten Maßnahmen des Förderprogramms dar. Nach der Verlegung des Bürgertreffs im Sommer 2021 wurde er im vergangenen Herbst wiedereröffnet. Der Bürgertreff dient dazu, Angebote für Anwohnerinnen und Anwohner, insbesondere für Familien mit Kindern, zu schaffen. So wird er beispielsweise genutzt für niedrigschwellige, praxisorientierte Sprachkurse in Türkisch, Griechisch und eventuell künftig auch in Ukrainisch, für Kinder- und Teenie-Treffs, für gemeinsame Frühstücke oder zur Feier von Kindergeburtstagen.

Das Unternehmen Nassauische Heimstätte/Wohnstadtbaut baut an dem ursprünglichen Standort des Bürgertreffs jetzt rund 240 Mietwohnungen - 80 davon sind öffentlich gefördert - mit Tiefgarage und eine Kindertagesstätte inklusive U3-Betreuung. Baubeginn war vergangenes Jahr, die Fertigstellung ist für 2023/24 vorgesehen.

In der räumlichen Mitte des Quartiers, anschließend an den Bürgertreff, haben die Stadt Kelsterbach und die Nassauische Heimstätte gemeinsam einen Kleinkinderspielplatz neu angelegt, der zu Jahresbeginn fertiggestellt worden ist.

Ein weiterer Spielplatz soll auf der Kelsterbacher Terrasse als geschützter und attraktiver Ort zum Spielen und für Treffen geschaffen werden. Die Entwurfsplanungen stützen sich auf Anregungen von Kindern, die in einem Workshop ihre Wünsche und Ideen für den zukünftigen Spielplatz geäußert hatten. Der Bau der Anlage ist für das laufende Jahr vorgesehen.

Die Umgestaltung des Mainvorlands und der Kelsterbacher Terrasse in drei Bauabschnitten ist eine weitere bauliche Maßnahme zur Aufwertung des Fördergebietes. Bereits vor zwei Jahren wurde im ersten Bauabschnitt entlang des Kerosinhafens am Main das gesamte Mainvorland mit Fuß- und Radwegen sowie Beleuchtung komplett erneuert. Zusätzlich wurde die Erreichbarkeit zum Main in Form eines Steges im Hang geschaffen, der es ermöglicht, sicher und ohne Umwege in die Natur zu gelangen. Im laufenden Jahr 2022 sollen nun die Vorentwurfsplanungen für die Bauabschnitte zwei und drei erfolgen, deren Umsetzung dann in den Jahren 2023 bis 2025.

Rüsselsheimer Straße wird Fahrradstraße

Eine weitere große Maßnahme betrifft die Umgestaltung der Rüsselsheimer Straße zu einer Fahrradstraße. Bereits jetzt herrscht dort ein Tempolimit von 30 Stundenkilometern. Ziel ist es, die Straße noch stärker verkehrlich zu beruhigen, um die Aufenthaltsqualität im Quartier zu stärken. Geplant ist die zusätzliche Begrünung des Straßenraums sowie die bauliche Anpassung der Straße durch Verkehrsinseln oder Grünstreifen. Zukünftig sollen Fahrradfahrerinnen und Fahrradfahrer den Straßenraum bevorrechtigt nutzen. Die Umsetzung erfolgt in den kommenden Jahren in zwei Bauabschnitten.

An das Städtebauförderprogramm Sozialer Zusammenhalt knüpft darüber hinaus das Bundesforschungsprojekt „SuPraStadt“ an, in dem analysiert wird, wie sich Bedürfnisse von Bewohnerinnen und Bewohnern in den Handlungsfeldern Wohnen, Freiraum und Mobilität mit den ökologischen Anforderungen einer nachhaltigen Entwicklung in Einklang bringen lassen. Gemeinsam mit allen Akteuren aus der Stadt und dem Quartier wird nach Lösungen gesucht, die zu einer Verbesserung der Lebensqualität und der sozialen Teilhabe sowie zur Verminderung des Ressourcenverbrauchs und der Umweltwirkungen führen. So wurde im Quartier Mainhöhe etwa ein Fahrradkurs speziell für Frauen und Mädchen, die noch nie Rad gefahren sind, angeboten – mit hundertprozentiger Erfolgsquote. Auch ein Fahrradwerkstattbus und Fahrradausflüge förderten die umweltverträgliche Nahmobilität. Auf der Webseite der Mainhöhe kann im Bereich SuPraStadt darüber hinaus ein digitales Kochbuch und eine Rezepte-Sammlung der Bewohnerinnen und Bewohnern aus dem Quartier eingesehen werden. Kleine Quizze testen das Wissen zu nachhaltigem und ressourcenschonendem Konsum.

Programm „Klimainsel Kelsterbach“

Auch bei der Klimainsel Kelsterbach im Städtebauförderprogramm „Wachstum und nachhaltige Entwicklung“ gehen die Dinge voran. Das Programm läuft seit 2018 und wird bis mindestens 2027 fortgeführt. Voraussichtlich werden dabei Mittel in Höhe von rund 14 Millionen Euro aufgewendet, Bund und Land übernehmen zwei Drittel davon als Förderung, ein Drittel hat die Stadt Kelsterbach zu tragen. Das Fördergebiet umfasst beinahe die gesamten Wohngebiete des zwischen Mörfelder Straße, Südlicher Ringstraße und Bahnlinie gelegenen Oberdorfs, außerdem den Südpark und den Staudenweiher.

Im vergangenen Jahr 2021 wurde im Zuge des Programms Klimainsel der Kreisverkehrsplatz in der Südlichen Ringstraße / Mörfelder Straße großflächig entsiegelt und mit heimischen Apfelbäumen begrünt. Neben den ökologisch wertvollen Wirkungen, die erzielt wurden, wurde gleichzeitig auch die Ortseinfahrt attraktiver gestaltet.

Die Umgestaltung des Südparks und des Staudenweihers hat mit der Durchführung eines freiraumplanerischen Realisierungswettbewerbs und der Bestimmung eines Siegers – des Büros „bbzl“ aus Berlin – einen bedeutenden Meilenstein gesetzt. Aktuell werden die weiterführenden Planungsgrundlagen, zum Beispiel Bodengutachten, erstellt. Im kommenden Sommer sollen Pop-up-Spiel- und -Sportbereiche im Südpark angeboten werden und die Planungs- und Bauzeit überbrücken.

Das Anreizprogramm „Kelsterbach fördert Grün“, das seit Mitte 2021 läuft, bezuschusst private Investitionen im Gebiet der Klimainsel. Gefördert werden etwa Maßnahmen zur Dach-, Fassaden- und Flächenbegrünung, Entsiegelungsmaßnahmen und das Pflanzen von Bäumen. Bislang wurden 8.000 Euro als Zuschüsse bewilligt. Weitere Mittel stehen Interessierten zur Verfügung.

Eine stadtklimatische Untersuchung, die jetzt im März abgeschlossen wurde, ist Teil des Projekts Klimainsel. Eingehend betrachtet wurde die mikroklimatische Situation unter Berücksichtigung der Vegetation, versiegelter Flächen, der Sonneneinstrahlung und der Windverhältnisse. Aus den Ergebnissen sollen Handlungsempfehlungen für Maßnahmen im Bereich der Klimaanpassung abgeleitet werden.

Ende vergangenen Jahres wurde die Erstellung eines digitalen Leitungsübersichtsplanes begonnen. Dieser soll die im Stadtgebiet verlegten Ver- und Entsorgungsleitungen erfassen und es ermöglichen, Bäume zielgenau an geeigneten Stellen zu pflanzen, so dass ihre Wurzeln keine Schäden an Leitungen verursachen. Wenn der Leitungsübersichtsplan einmal fertiggestellt ist und Flächen für Baumpflanzungen bestimmt sind, sollen bis zum Jahr 2030 insgesamt tausend klimatolerante Bäume im Fördergebiet gesetzt werden.

Im Zuge des Programms Klimainsel sollen vier in der Rudolf-Breitscheid-Straße, in der Hans-Jordan-Straße, in der Lindenallee und in der Heegwaldstraße gelegene Spielplätze neugestaltet werden. Dabei gilt es, ein optisches und spielerisches Gesamtkonzept unter Beteiligung der Kinder zu entwickeln. Klimaresistente Vegetation soll erhalten beziehungsweise neu angepflanzt und es soll für ausreichend Schattenflächen gesorgt werden.

Teilbereiche der Freiflächen an der Integrierten Ganztagsschule sollen dieses und nächstes Jahr neugestaltet werden und den Schülerinnen und Schülern neue Aufenthaltsqualitäten bieten. Ziel ist zudem eine Aufwertung unter den Gesichtspunkten der Klimaanpassung.

Schließlich soll das Integrierte Stadtentwicklungskonzept (ISEK) fortgeschrieben und neue Handlungsbedarfe aufgenommen werden, so etwa die Schaffung eines Klimaanpassungszentrums und einer Lernküche im Rahmen einer geplanten Neukonzeption der Kita St. Markus und des Kinderhauses Don Bosco.

3D-Stadtmodell „YourVoice“

Jüngst wurde für das Fördergebiet der Mainhöhe durch die ProjektStadt/Integrierte Stadtentwicklung ein digitales 3D-Stadtmodell erstellt, in dem das komplette Gebiet erkundet werden kann. Das Produkt YourVoice ermöglicht es Nutzerinnen und Nutzern, bereits umgesetzte Maßnahmen und Angebote, wie zum Beispiel den Bürgertreff oder die SuPraStadt, nachzuverfolgen. Darüber hinaus können auch zukünftig geplante Maßnahmen, wie die Gestaltung des Mainvorlandes oder der Neubau der Nassauischen Heimstätte/Wohnstadt, als Planung und 3D-Modell in Echtzeit angesehen werden. Geplant ist, mit dem Modell Informationen über den Sachstand der Stadtentwicklung sowie digitale Bürgerbeteiligungen zu ermöglichen, um den Stadtentwicklungsprozess noch partizipativer zu gestalten. Auch das Fördergebiet der Klimainsel soll in Zukunft als digitales 3D-Stadtmodell entworfen werden. Auf der Webseite www.mainhoehe.yourvoice-projektstadt.de kann das digitale Modell der Mainhöhe besucht und ausprobiert werden. (wö)