Das neue Schulgebäude mit dem weitläufigen Außenbereich.
Einer der Aufenthaltsbereiche, den sogenannten "Marktplätzen".
Seit knapp zwei Wochen herrscht in dem hier noch menschenleeren Foyer reges Treiben.
Eines der Highlights des Neubaus ist die Lehrküche, die Celine Hohenadel (links) und Mila Markovic von der Schulkindbetreuung schon in den Osterferien mit einigen begeisterten Kindern ausprobiert haben.
Seit knapp zwei Wochen läuft der Unterricht an der neuen Karl-Treutel-Schule (KTS). In einer Reihe von Artikeln werden in den kommenden Wochen der Neubau, die darin verbaute Technik, das neue pädagogische Konzept und weitere Aspekte der neuen Schule genauer vorgestellt. Zu Beginn geht es aber erst einmal zurück an den Anfang – zur Entscheidung, die Schule nicht am Standort in der Friedensstraße zu erweitern, sondern in direkter Nachbarschaft zur Integrierten Gesamtschule (IGS) neu zu bauen.
Ein wesentlicher Grund dafür, dass bereits vor über einem Jahrzehnt über einen Neubau diskutiert wurde, ist im deutlichen Zuwachs bei den Schülerzahlen in den vergangenen Jahren zu finden. Aus der Steigerung der Geburtenrate, dem Zuzug vieler junger Familien in die Untermainstadt sowie der Flüchtlingskrise von 2015 und später auch dem Ukraine-Krieg resultierte in Kelsterbach unter anderem ein gestiegener Bedarf an Kita- und Grundschulplätzen. Für die KTS bedeutete dies, dass eine Ausweitung auf fünf Klassen je Jahrgang notwendig wurde, was zunächst noch durch Container provisorisch aufgefangen werden konnte.
Doch es war absehbar, dass die Kapazitätsgrenze trotz des zusätzlichen Platzes bald erreicht worden wäre und dass es am bisherigen Standort keine weiteren Erweiterungsmöglichkeiten des alten Schulgebäudes, das ab 1954 zunächst als Volksschule, ab 1978 dann als reine Grundschule genutzt wurde, gab. Die begrenzte Größe des Grundstücks und die Lage inmitten eines Wohngebiets waren hier ausschlaggebende Gründe, die gegen die Erweiterung des Bestandgebäudes sprachen. Ein Standortwechsel bot sich unter anderem deshalb an, da mit der direkten Nähe zur IGS und zur Stadt- und Schulbibliothek ein neuer Bildungsstandort geschaffen werden kann, bei dem bereits vorhandene Synergien genutzt oder neue geschaffen werden können.
Bürgermeister Manfred Ockel plädierte klar für einen Neubau: „Zeitgemäße Bildung benötigt zeitgemäße Räumlichkeiten – bei diesen so wichtigen Investitionen in unsere Kelsterbacher Schulinfrastruktur handelt es sich im wahrsten Sinne des Wortes um Investitionen in die Zukunft der Kinder unserer Stadt.“
Ein weiterer Grund, der bei der Entscheidung für einen Neubau eine Rolle gespielt hat, war das neue pädagogische Konzept, das in einem der nächsten Teile dieser Reihe noch einmal ausführlicher vorgestellt wird. Hierzu erklärt Ockel: „Was die Kinder heute für ihre Entwicklung benötigen, kann mit den Unterrichtsmethoden und den zur Verfügung stehenden Unterrichtsräumen früherer Zeiten nicht verglichen werden.“ Einer der elementarsten Aspekte neben der dringend notwendigen Digitalisierung sei, dass jedes Kind die Möglichkeit zur individuellen Förderung erhalten soll. „Gerade für unsere Bevölkerungsstruktur ist es wichtig, dass alle Schüler nach ihrem jeweiligen Bildungsstand mitgenommen und optimal gefördert werden“, erklärt der Bürgermeister. Dafür müsse man sich vom Konzept des Frontalunterrichts lösen und zu einem gruppendynamischen Unterricht in offenen Lernlandschaften übergehen. Dann könne allen Kindern das bestmögliche Rüstzeug für ihre Zukunft mitgegeben werden. „Schule muss sich verändern, damit Bildung für die berufliche Qualifizierung und Chancengleichheit funktionieren kann“, so Ockel. Dem sei mit dem Neubau der KTS Rechnung getragen worden.
Ebenfalls in die Planung des Neubaus eingeflossen war der Wunsch, dass die neue KTS für Kinder, die viel Zeit in der Schule verbringen, nicht nur ein Ort des Lernens sein solle. Die Schüler sollen sich hier auch zu Hause fühlen. Dazu tragen der Aufbau und die Ausstattung des aus drei Häusern bestehenden Schulgebäudes erheblich bei. Diese gehen vom großzügigen Foyer ab, wobei Haus 1 die Verwaltung, Schulkindbetreuung und die Lehrküche, Haus 2 den Förder- und Kreativbereich und Haus 3 die Lernlandschaften mit Klassenräumen beheimaten. Die einzelnen, lichtdurchfluteten Trakte betreten die Kinder durch einen Garderobenbereich, in dem Jacken aufgehängt und die Straßen- durch Hausschuhe getauscht werden. Zudem hat jeder Abschnitt seinen eigenen Sanitärbereich. Schulleiterin Christiane Giese sieht darin einen klaren Vorteil zur alten Schule. Dort hätten die Toilettenanlagen von allen Schülern gemeinsam genutzt werden müssen, was immer wieder zu Stresssituationen geführt habe. Dass es in der neuen Schule nun in jedem Bereich Toiletten gibt, die nur noch von wenigen Klassen genutzt werden, erwarte sie sich davon einen pfleglicheren Umgang mit den sanitären Anlagen und insgesamt eine deutliche Entspannung.
Neben zahlreichen Spiel- und Kreativräumen im Schulgebäude haben die Kinder auch auf dem Außengelände deutlich mehr Platz zum Spielen, Toben und Klettern, als das am alten Standort der Fall war. Von einem Kletterspielplatz über Tischtennisplatten, einem kleinen Trampolin bis hin zu einer großen Rutsche und einer „Matschküche“ wurde auf rund 6.000 Quadratmetern intensiv auf die Bedürfnisse der Grundschüler eingegangen.
Bürgermeister Ockel zieht nach Abschluss der Arbeiten insgesamt ein positives Fazit: „Mit dem Neubau der KTS wurde eine Schule für die Zukunft gebaut, die den pädagogischen, ökologischen und klimatischen Anforderungen der nächsten Jahrzehnte entspricht.“ Er sei sich bewusst, dass das Projekt mit etwa 52 Millionen Euro Kosten finanziell eine enorme Herausforderung für den städtischen Haushalt darstelle. Dennoch sei die Entscheidung für den Neubau richtig und wichtig gewesen: „Dies war eine elementare Zukunftsentscheidung für unsere Kinder und Familien in Kelsterbach sowie für unsere Schulträgerschaft“, so der Bürgermeister.
Wer sich den Neubau einmal selbst anschauen und sich über die neue KTS informieren möchte, hat dazu beim Tag der offenen Tür am Samstag, 30. Mai, von 10 Uhr bis 14 Uhr die Gelegenheit. (sb)