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Kelsterbach aktuell
Ausgabe 18/2020
Seite 2
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Neu und doch bekannt

Eva Rolle, ehrenamtliche Helferin, lädt Spenden an den Tierschutzverein aus.

Noch so klein und hilfsbedürftig. Ein Eichhornkind in der Pflegestation des Tierschutzvereins

Da quietscht es doppelt: Eine Schar Entenküken in einer pinken Transportbox

Coronavirus ist nicht neu in der Tierwelt – stellt den Tierschutz aber vor neue Herausforderung

„Corona bei Tieren ist nichts Neues“, sagt Judith Wagner vom Tierschutzverein Kelsterbach e.V. Was erst einmal erschreckend klingt hat den Hintergrund, dass das Virus, das zur SARS-Gruppe gehört, in verschiedenen Virusgruppen schon seit längerem existiert.

Der Deutsche Tierschutzbund gibt an, dass Coronaviren seit Jahren bei Hunden und Katzen bekannt sind, aber deshalb kein Grund zur Beunruhigung bestehe. Bei Hunden lösen diese milde Durchfallerkrankungen aus, bei Katzen sind sie möglicher Auslöser der Felinen Infektiösen Peritonitis (FIP). Beides seien Alpha-Coronaviren. Das aktuelle COVID-19 allerdings gehöre zu den Beta-Viren. Dies bestätigt auch das Friedrich-Löffler-Institut auf seiner Website.

Tierschutzverein gut gewappnet

Die große Unsicherheit besteht darin, dass das Virus und seine Inkubationszeiten unbekannt sind. Auch die Übertragungswege, eine Ansteckung über Hautkontakt oder nur über die Schleimhäute, sei unklar, so Wagner. „Das Leben ist ein Risiko, es kann mich jederzeit treffen mit Grippe oder Lungenentzündung – oder eben auch mit Corona.“ Die Risikogruppe müsse auf jeden Fall geschützt werden. Ihre Angst selbst zu erkranken sei daher auch nicht so groß, wie die Angst andere anstecken zu können, da sie nicht wüsste, ob sie schon mit dem Virus in Kontakt gekommen sei, erklärt die Vereinsleiterin weiter.

Aus diesem Grund hat sie die gefährdeten Mitglieder angewiesen nur im Tierschutzverein zu erscheinen, wenn sie nicht anwesend ist. Zusätzliche Hygienemaßnahmen gebe es nicht. Im Tierschutz habe man stets Desinfektionsmittel vorrätig, denn nach jedem Tierkontakt, nach jeder Reinigung von Futternäpfen und Boxen, würden sich die Hände gewaschen und Flächen desinfiziert werden. Also werden standardmäßig alle Maßnahmen umgesetzt, die aktuell bevölkerungsweit empfohlen werden.

Tiervermittlung aus der Ferne

Durch die Corona-Krise finden Beratungen allerdings überwiegend telefonisch statt. Wenn Tiere abgegeben werden müssen, muss das Tier erstmal bleiben wo es ist. Ein neuer Besitzer wird dann aus der Ferne gesucht und vermittelt. Besonders viele Anfragen gebe es aber momentan auch nicht. Die Verunsicherung der Menschen sei groß, so Wagner – gerade in Bezug auf Einkommen und zusätzliche Kosten. „In einer finanziell belasteten Situation wollen viele keine zusätzlichen Risiken eingehen. Die Vermittlung ist gerade ganz deutlich zurück gegangen“, sagt sie. Sie könne das gut verstehen. Auf der anderen Seite bedeutet das momentan fast den Stillstand für die Tiervermittlung. Normalerweise seien die Osterferien ein Zeitpunkt, an dem viele Zeit hätten, ein neues Tier in die Familie aufzunehmen und sich mit ihm vertraut zu machen.

So eine Entscheidung solle man sich übrigens nie zu leicht machen, betont Wagner. Da sei einiges zu bedenken. Zum Beispiel bei der Anschaffung eines Hundes. Selbst wenn man vermeintlich alles durchdacht habe, gebe es den größten Faktor, den die meisten außer Acht lassen würden: Passt dieser Hund zu mir / in unsere Familie? Zu oft ginge es nur nach Aussehen oder Niedlichkeitsfaktor. Doch wer nicht besonders aktiv sei, nicht ständig zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs, der sei mit einem Jagdhund oder Terrier schlecht bedient. „Es gibt Rassen, die müssen gefordert werden. Die sind extra dafür gezüchtet worden und langweilen sich, wenn sie nicht entsprechend geistig oder körperlich ausgepowert werden“, so Wagner. „Die nehmen Ihnen ansonsten die Bude auseinander.“ Dagegen gebe es auch bei Hunden Langschläfer oder Couchpotatos erklärt sie weiter. Da müsse man ehrlich mit sich sein. Wolle man morgens vor der Arbeit mit dem Hund eine Stunde Fahrradfahren oder wären gemütliche Gassirunden besser umsetzbar. Deshalb spricht sie der Beratung das größte Gewicht zu.

Einnahmequellen weggebrochen

Auch die zusätzliche Einnahmequelle durch Veranstaltungen falle derzeit weg. Es gebe keine Möglichkeit, zusätzlich Gelder einzunehmen außerhalb von Spenden. Ebenso können keine neuen Helfer geworben oder Patenschaften aktiv vermittelt werden. Gerade ist der Tierschutzverein dabei, über Facebook einen Spendenaufruf zu starten, der Wildtieren wie Eichhörnchen und Spatzen zu Gute kommen soll. Die Wildtieraufzucht koste den Verein pro Jahr 3.500-5.000 Euro für Futter, Medikamente und Vitamine erklärt Wagner. Eine sehr große Einnahmequelle war bisher der Osterbasar, im Schnitt konnten dort 1.200 Euro eingenommen werden – und diese fehlen jetzt. Patenschaft für Wildtiere und Bienen könne man jedoch jederzeit weiter übernehmen, betont Wagner. Auch der Honigverkauf funktioniert weiterhin. Da sie Mitglied im Imkerverein Mörfelden-Walldorf seien, habe man durch die Prüfstelle des Instituts bestätigt, dass der Honig ohne Bedenken verkauft und verzehrt werden kann. Allerdings seien sie momentan ausverkauft. Erst Mitte Juni gebe es wahrscheinlich wieder neuen Honig. Ihre große Hoffnung läge nun in den Spendeneinnahmen.

Wer den Tierschutzverein Kelsterbach e.V. unterstützen will kann dies durch eine Tierpatenschaft oder mit einer Spende tun. Nähere Informationen hierzu gibt es auf der Website https://www.tierschutz-kelsterbach.de

Quellen:

https://www.tierschutzbund.de/fileadmin/user_upload/Downloads/Hintergrundinformationen/Heimtiere/FAQs_Coronavirus.pdf

https://www.fli.de/en/news/animal-disease-situation/coronavirus/

(Text ana, Bilder Tierschutzverein Kelsterbach e.V.)