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Kelsterbach aktuell
Ausgabe 18/2022
Seite 1
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Solidarität und soziale Gerechtigkeit standen im Mittelpunkt der Maikundgebung

von links: Dr. Kai Eicker-Wolf, Heike Weber, Erster Stadtrat Kurt Linnert, Günter Schneider, MdL Kerstin Geis, Stadtverordnetenvorsteher Frank Wiegand, Bürgermeister Manfred Ockel.

Zur Maikundgebung hatte der Kelsterbacher Ortsverband des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) ins Fritz-Treutel-Haus eingeladen. Inhaltlich richtete sich die Veranstaltung in weiten Teilen auf das Motto „Gemeinsam Zukunft gestalten“ aus und setzte Akzente bei den Themen Solidarität und soziale Gerechtigkeit.

Die Kernaussagen der Gewerkschaftsverbände sind größtenteils nicht neu, dennoch gelang es dem Kelsterbacher Gewerkschafter Günter Schneider in seiner Begrüßungsansprache, den Bogen von aktuellen Geschehnissen zu aus Sicht des DGB dauerhaft zu beklagenden Missständen zu spannen. Der Ukraine-Krieg, die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Gesellschaft und der Dauerbrenner faire Entlohnung fanden in Schneiders Ausführungen besondere Beachtung. Der langjährige Vorsitzende des Kelsterbacher Verbandes war kurzfristig für seinen erkrankten Nachfolger Georg Germann eingesprungen.

Hauptredner war Dr. Kai Eicker-Wolf vom DGB Bezirk Hessen-Thüringen, Abteilung Wirtschaftspolitik. Er wandte sich in seiner Ansprache gegen den Krieg in der Ukraine, den der russische Präsident Putin sofort beenden solle. Die Verantwortlichen für den Krieg müssten vor den internationalen Strafgerichtshof gestellt werden, forderte Eicker-Wolf. Genauso entschieden wie den Krieg gegen die Ukraine lehnte er allerdings auch eine forcierte Aufrüstung ab. Drohende soziale Verwerfungen als Folge von stark steigenden Energiepreisen und Lebenshaltungskosten sollten nicht nur durch Entlastungsmaßnahmen der Bundesregierung, sondern auch durch deutliche Lohnerhöhungen verhindert werden.

Die Landtagsabgeordnete Kerstin Geis (SPD) stellte ihren Betrachtungen den Hinweis voran, dass sie immer wieder gern in Kelsterbach das Gespräch suche, denn Solidarität brauche Nähe. In Bezug auf Lohngerechtigkeit stellte Geis in den Raum, dass dies auch eine Frage des Respekts sei. Zwar freue sie sich über die Erhöhung des Mindestlohnes auf zwölf Euro, dies sei aber nur eine Etappe. Deshalb brauche es ein hohes Maß an Mitbestimmung und eine starke Tarifbindung, um dauerhaft mehr zu erreichen. Ein Anliegen war es der Rednerin, sich am Maifeiertag auch gegen die Feinde der Demokratie zu stellen, zum Beispiel gegen eine bestimmte Partei, die im Landtag Themen rassistisch besetze.

Grüße kamen auch aus dem Bundestag, und zwar direkt aus Berlin via Video-Botschaft. Melanie Wegling (SPD), seit der Bundestagswahl Abgeordnete für den Wahlkreis Groß-Gerau, richtete persönliche Grüße in Richtung Kelsterbach, wo sie während des Wahlkampfs oft zu Gast war. Sie lenkte die Aufmerksamkeit auf notwendigen Wandel, die Unterstützung von Betriebsräten und die Stärkung der Tarifverträge. Weiterhin vertrat sie die Auffassung, dass es sich lohne, für eine friedliche Zukunft auf die Straße zu gehen.

Bürgermeister Manfred Ockel stellte seiner Ansprache den Dank an den DGB und den Fußballverein BSC Kelsterbach für das Ausrichten der Präsenzveranstaltung voran. Er ging auf die Lage vor allem der hessischen Kommunen ein, die Corona geschwächt und wo das soziale Gefüge in Ermangelung der üblichen Veranstaltungen sehr gelitten habe. Dennoch hätten gerade die Bestrebungen zur Digitalisierung im Zuge der Pandemie an Auftrieb gewonnen – ein Schwung, der es wert sei, in die Zukunft getragen zu werden. Jedoch sei zu beachten, dass dies weitere Investitionen für Kommunen bedeute, die deswegen auch an der einen oder anderen Stelle entlastet werden müssten. Vor diesem Hintergrund verwies Ockel darauf, dass pandemiebedingte Ausfälle bei der Gewerbesteuer Kommunen wie Kelsterbach finanziell hart getroffen hätten und sich dadurch weniger umsetzen lasse. In Bezug auf das Motto der Maikundgebung sagte der Bürgermeister: „Wir brauchen Antworten, die sich hinter der gemeinsamen Solidarität, die wir täglich leben müssen, finden lassen.“ Eine wehrhafte Demokratie, die ihre Werte verteidige, gehöre dazu. Heute sei ein guter Tag, darauf zu verweisen, daran festzuhalten, so Ockel. (ts)