(v.l.) Anais, Eva, Jule, Asmin und Aylin (alle 12 Jahre) fertigten zusammen das aus Latten bestehende Hordengatter.
Siegfried Roscher (hinten) zeigte den Mädchen, wie die verschiedenen Werkzeuge für den Landschaftsbau eingesetzt werden, zum Beispiel das Fernglas, das von Autofahrern gerne mit einem Blitzer verwechselt wird.
Sieben Mädchen der sechsten und siebten Klasse der Integrierten Gesamtschule besuchten in der vergangenen Woche die Stadtverwaltung Kelsterbach, um sich beim Girls Day über mädchenuntypische Berufe zu informieren. Die städtische Ausbildungsleiterin Bianca Mantik und Bürgermeister Manfred Ockel begrüßten die Gruppe herzlich bevor es weiter zum ersten Themengebiet, der Abteilung Abwasser, ging.
Maik Schubert erläuterte die Abläufe in der Abteilung und stellte seinen Beruf des Rohrnetzmeisters vor. Im Anschluss konnten die Mädchen sich vor Ort einen Eindruck von diesem Beruf machen. In der Tannenstraße wurden die Abwasserrohre eines Wohnkomplexes begutachtet, ein Hydrant und seine Funktionsweise erklärt und abschließend eine Pumpstation im Wald aufgesucht. Hier konnte anschaulich gezeigt werden, wie das Abwasser von Kelsterbach und dem Mönchhof gefiltert und weitergeleitet wird.
Die zweite Station des Tages war der Kelsterbacher Kommunalbetrieb (KKB). KKB-Leiter Martin Klepper begrüßte die Gruppe zusammen mit Michael Lausmann, als Forstwirt zuständig für den Stadtwald, Siegfried Roscher, zuständig für das Stadtgrün, sowie Stefan Heisack, der sich um die Spielplatzkontrollen sowie Arbeiten im Sägewerk kümmert. Klepper sagte, dies sei nur ein kleiner Ausschnitt dessen, was der KKB jeden Tag im ganzen Stadtgebiet mache, doch es zeige, wie umfangreich und wichtig die Arbeit sei.
Mit Lausmann und Heisack fertigten die Mädchen sogenannte Hordengatter an. Hierfür kam eine Akku-Nagelpistole zum Einsatz, die stolze fünf Kilogramm wiegt. Überwog die Scheu am Anfang, wollten letztlich doch alle Mädchen mindestens einmal die Nagelpistole benutzen und halfen so gemeinsam mit, einen Zaun aus Latten zu bauen. Das Holz stammt aus dem KKB-eigenen Sägewerk und wird aus dem Wald entnommen, „um die jungen Bäume, die im Wald nachwachsen zu schützen“, erklärte Lausmann. Ihm war auch wichtig begreiflich zu machen, dass man mittlerweile auf nachhaltige Materialien in der Waldpflege setze. Kam früher oft der günstigere Plastikschutz zum Einsatz, verwendet man nun die teureren natürlichen Materialien, die im Wald bleiben und mit der Zeit verrotten.
Im Anschluss ging Siegfried Roscher mit der Gruppe die Feinheiten im Landschaftsbau durch. Ein bisschen wie im Mathematikunterricht war es, als die Mädchen überlegten, wie man in der Landschaft eine Gerade in der richtigen Höhe abmessen kann oder wofür die einzelnen Werkzeuge zu gebrauchen sind. Roscher erklärte, worauf man bei der Anpflanzung von Bäumen und Sträuchern achten muss, in welcher Geschwindigkeit Bäume durchschnittlich wachsen und dass man auch beim Straßenbau unter anderem auf ein Gefälle achten muss, damit Wasser ablaufen kann und nicht auf der Straße steht. Die Mädchen bekamen beim KKB einen umfassenden Einblick darin, was die Kelsterbacher Forstwirtschaft und Pflege des Waldes sowie des Stadtgrüns ausmachen, – von der Baumkontrolle, dem Schutz von Zukunftsbäumen und Neuanpflanzung bis hin zur Planung freier Flächen. Die Überraschung wie auch die Neugierde waren groß und es wurden im Nachgang noch zahlreiche Fragen gestellt. Einige Mädchen konnten sich auch durchaus vorstellen, mal ein Praktikum beim KKB zu machen, auch wenn die Berufswünsche teilweise in andere Richtungen gehen. So möchte die zwölfjährige Jule am liebsten Polizistin oder Lehrerin werden.
Die dritte und letzte Station war die Freiwillige Feuerwehr. Nach einem kurzen Imbiss bekamen die Mädchen den Beruf der Feuerwehreinsatzkraft erläutert. Dabei wurde sowohl der Ausbildungsberuf als auch die Einsatzgebiete der Berufsfeuerwehr sowie der Freiwilligen vorgestellt und ein Überblick über die Ausrüstung gegeben. Großes Highlight war wie in den vergangenen Jahren die praktische Übung zum Schluss. Hier durften die Mädchen mit Schutzkleidung und unter Anleitung mit einem Feuerlöscher einen kleinen Brand löschen. Dies ist deshalb besonders anschaulich und wichtig, da vielen nicht klar ist, wie schnell sich so ein Brand entwickeln kann. Der Girls Day endete am frühen Nachmittag und die siebenköpfige Gruppe wurde um viele Eindrücke reicher in die wohlverdiente Freizeit entlassen. (ana)