(vl.) Thomas und Kerstin Laux zogen nach knapp anderthalb Jahren gemeinsam mit KKB-Mitarbeiter Sebastian Music ein erstes Fazit über ihre Arbeit auf der Streuobstwiese.
Im Herbst 2024 haben Thomas und Kerstin Laux die Pflege und die daraus resultierende Ernte der zwischen Mörfelder Straße und Länger Weg gelegenen städtischen Streuobstwiese übernommen. Nach knapp anderthalb Jahren ist jetzt Zeit für ein erstes Fazit – und das fällt erfreulich positiv aus. „Man sieht mittlerweile, wo die Reise hingeht“, so Thomas Laux. Die Wiese werde inzwischen von vielen als Streuobstwiese und nicht mehr als wilde Plantage wahrgenommen, ergänzt Kerstin Laux. Zwar könne etwas, was jahrelang nicht gepflegt worden sei, in so kurzer Zeit nicht einfach durch Wegschneiden in Ordnung gebracht werden. „Bis wir am Ziel sind, wird es noch ein paar Jahre dauern“, so die Einschätzung der beiden zertifizierten Landschaftsobstbauern. Dennoch verbessere sich das Aussehen der Wiese und die Kraft der Bäume durch die fachgerechte Pflege immer mehr.
Dies bemerken auch die vielen Menschen, die hier tagtäglich bei Spaziergängen vorbeikommen. Die Resonanz aus der Bevölkerung sei durchweg positiv, berichtet Kerstin Laux: „Die Menschen freuen sich, dass sich hier etwas tut.“ Bestätigt wird diese Aussage beim Ortstermin auf der Streuobstwiese dann auch gleich von einer vorbeikommenden Passantin, die dem Ehepaar Laux zuruft: „Danke für Eure Arbeit und immer schön weiter so.“
Unterstützung erfährt das Ehepaar auch von der Stadt und dem Kelsterbacher Kommunalbetrieb (KKB). Hilfe komme immer schnell und unkompliziert, freuen sich Kerstin und Thomas Laux. „Wir mähen die Fläche maximal drei Mal im Jahr“, erklärt KKB-Mitarbeiter Sebastian Music. So könnten hier die für Insekten so wichtigen Blühwiesen entstehen. Bei der Bewässerung besonders während Phasen extremer Trockenheit könne der KKB ebenfalls helfen, wie auch beim Entfernen von anfallendem Totholz, was wichtig sei, um die Ausbreitung von Krankheiten und Schädlingen zu verhindern.
Einige Bäume hätten einfach aus dem Boden gezogen werden können, da sie in dem sandigen Boden keine Wurzeln ausgebildet hätten. Bei anderen Bäumen werde erst bei der Blüte ersichtlich, ob sie wirklich tot sind. „Die meisten Bäume hier sind krank, aus denen machen wir auch keine gesunden mehr“, so Thomas Laux. Doch alles, was nicht komplett tot sei, bleibe stehen, denn: „Auch aus dem Toten kommt oft immer noch Leben raus, man muss sich nur drum kümmern.“ Nicht entfernt würden auch stark vergreiste Bäume, solange sie noch austreiben. Diese dienten dann als Sonnenschutz für andere Bäume.
Für die fachgerechte Baumpflege hat Kerstin Laux im vergangenen Jahr einen Pflanzenschutzmittel-Sachkundenachweis gemacht. Dieser wird benötigt, um mit bestimmten Desinfektionsmitteln arbeiten zu dürfen, die etwa dann zum Einsatz kommen, wenn Bäume auf verschiedenen Wiesen beschnitten werden. So sollen Ansteckungen mit Pilzen oder anderen für die Bäume schädlichen Krankheiten verhindert werden. Wichtig neben solchen fachlichen Fortbildungen sei auch eine gute persönliche Vernetzung, erläutern die Landschaftsobstbauern. Ein regelmäßiger Austausch mit „Streuobst-Kollegen“ sei dabei unerlässlich.
Neben Trockenheit, Krankheiten wie dem Obstbaumkrebs oder Schädlingen wie dem Apfelspinner stelle das Verhalten einiger Menschen, insbesondere das Abernten in zum Teil großen Stil, ein großes Problem dar: „Da hegst und pflegst Du das ganze Jahr und dann wird der Ertrag einfach gestohlen“, konstatiert Kerstin Laux. „Es muss noch ins Bewusstsein der Leute, dass hier jemand viel Zeit und Mühe investiert, sich fachmännisch um die Wiese kümmert und dass die Stadt das auch unterstützt“, ergänzt Thomas Laux. Der Ertrag auf der Wiese, auf der neben Äpfeln und Speierling auch Quitten, Kirschen, Birnen, Esskastanien und Elsbeeren wachsen, sei im vergangenen Jahr ohnehin eher gering gewesen, da sei das Abernten durch fremde Personen umso ärgerlicher.
Trotz großer Herausforderungen mache die Arbeit aber sehr viel Spaß. „Es ist schon ein schönes Fleckchen“, schwärmt Thomas Laux. Pläne für die Zukunft gebe es viele. So könne auf einer leeren Fläche der Wiese eine gemütliche „Baumelbank“ – eine erhöhte Sitzbank, die das entspannte Baumeln der Beine ermöglicht – für Spaziergänger zum Verweilen aufgestellt werden. Auch zusätzliche Nistkästen für Vögel und Insektenhotels seien auf der Wiese geplant. Pläne gibt es auch für den Ertrag, der auf der Streuobstwiese geerntet werden kann. Im ehemaligen Lehrgarten des inzwischen aufgelösten Obst- und Gartenbauvereins an der Schwanheimer Straße, wo im vergangenen Jahr ein erstes Kelterfest stattfand, soll im Sommer an mehreren Wochenenden der selbst gekelterte Apfelwein und -saft ausgeschenkt werden. Zudem ist der Kelsterbacher Apfelwein in diesem Jahr für die Hessische Apfelweinmeisterschaft angemeldet. „Mal sehen, was wir dort erreichen können“, so Thomas Laux. (sb)