Stehend; von links: Ioannis Bogdis; Evanthia Valasidou; Charalampos Pantelidis; Aristides Chrisopoulos; Irini Kaldi (stellvertretende Vorsitzende Integrationskommission Kelsterbach, sie dolmetschte für die griechischen Gäste); Veysel Pountso (Stadtverordneter Kelsterbach). Sitzend; von links: Patrick Burghardt; David Rendel; Ioannis Zampoukis; Manfred Ockel.
Vergangenen Samstag haben die Städte Kelsterbach, Raunheim und Rüsselsheim am Main gemeinsam mit der im griechischen Westthrakien gelegenen Stadt Alexandroupolis förmlich erklärt, künftig zusammenarbeiten zu wollen. Rüsselsheims Oberbürgermeister Patrick Burghardt, Raunheims Bürgermeister David Rendel, Kelsterbachs Bürgermeister Manfred Ockel und Alexandroupolis‘ Bürgermeister Ioannis Zampoukis unterzeichneten in Kelsterbach eine entsprechende schriftliche Absichtsbekundung.
Diese beinhaltet den Wunsch, die europäische Einigung durch direkte Begegnungen zwischen den Kommunen und ihrer Bevölkerung zu fördern, weshalb eine Städtekooperation begründet werde. Ziele sind der Austausch auf den Gebieten der Kultur und des Sports, die Unterstützung von Schul- und Jugendaustauschprogrammen, der Wissensaustausch in den Bereichen Logistik, Energie und nachhaltige Stadtentwicklung, der Dialog der Stadtverwaltungen über Klimaschutz, Digitalisierung, Integration und nachhaltige Abfall- und Wertstoffkonzepte. Mit Unterzeichnung der Erklärung beginnt eine zwei Jahre währende Testphase der Zusammenarbeit, während derer gemeinsame Projekte initiiert werden sollen, um die Tragfähigkeit der Beziehung zu prüfen. Ist dies erfolgreich, soll ein formeller Freundschaftsvertrag unterzeichnet werden. Alexandroupolis‘ Bürgermeister kündigte an, seine Stadt wolle sich umgehend um europäische Fördermittel bemühen, mit denen zum Beispiel der Jugendaustausch gefördert werden könnte.
Die feierliche Unterzeichnung war eingebettet in den Besuch der fünfköpfigen griechischen Delegation im Rhein-Main-Gebiet, die hier am Donnerstagabend vergangener Woche angekommen war. Zur Delegation der Stadt Alexandroupolis gehörten Bürgermeister Ioannis Zampoukis, Ioannis Bogdis, Generalsekretär der Stadtverwaltung, Evanthia Valasidou, stellvertretende Bürgermeisterin für Kultur, Ehrenamt, Jugend und lebenslanges Lernen, Charalampos Pantelidis, stellvertretender Bürgermeister für Stadtreinigung, Recycling und Umwelt, Aristides Chrisopoulos, ehrenamtlicher Mitarbeiter des Bürgermeisters für Tourismus und Kultur sowie Vorsitzender des griechischen Verbands der thrakischen Vereine.
Das offizielle Besuchsprogramm startete am Freitag vergangener Woche mit einem Empfang der Griechen im Rüsselsheimer Rathaus, bei dem Vertreterinnen und Vertreter der drei Städte Rüsselsheim, Raunheim und Kelsterbach zugegen waren.
Anschließend stand ein Besuch des Vernaparks sowie des Stadt- und Industriemuseums auf dem Programm. Am Nachmittag ging es weiter nach Raunheim, wo auf dem Rathausplatz ein sehr gut besuchtes Fest zum 1. Mai gefeiert wurde. Einige Besucher, die ursprünglich aus Westthrakien stammen, waren sogar von weither gekommen, um Alexandroupolis‘ Bürgermeister und seine Delegation zu treffen. Zu Gast auf dem Fest war auch die griechische Generalkonsulin Sofia Choli.
Samstagmorgen wurden in drei Arbeitsgruppen die Themen Digitalisierung, Stadtentwicklung, Sport und Kultur erörtert. Das Thema Digitalisierung wurde in den Räumen des digitalen Stadtlabors KelsterLab besprochen. Danach besichtigte man die Domizile von Feuerwehr und Deutschem Roten Kreuz in Raunheim, die neue Karl-Treutel-Schule und die Stadt- und Schulbibliothek in Kelsterbach. Ein politischer Abend in Rüsselsheim-Königstädten mit Kommunalpolitikern der drei Städte beschloss den Tag.
Am Sonntag besuchten die Gäste einen griechisch-orthodoxen Gottesdienst in Rüsselsheim, am Abend wurde der Abschluss der Delegationsreise mit den griechischen Vereinen der drei Städte gefeiert.
Alexandroupolis‘ Bürgermeister Zampoukis stellte einige Gemeinsamkeiten der vier Städte fest, aber auch manche Unterschiede. So hätten die Menschen sowohl hier als auch in Griechenland Wasser vor der Tür und Flugzeuge über den Köpfen. Fürs Fahrradfahren herrschten gute Voraussetzungen. Im Stadtbild gebe es hierzulande keine freilaufenden, herrenlosen Hunde, in Alexandroupolis keine Verkehrskreisel. Die Abfallbeseitigung mit Mülltrennung sei in Deutschland vorbildlich, in Griechenland gehe man diesbezüglich aktuell die ersten Schritte, meinte Zampoukis. Den Umgang mit der Umwelt in Deutschland findet er bewundernswert. Zum Beispiel wirkten ungemähte Wiesen mit scheinbarem Wildwuchs auf den ersten Blick ungepflegt, dienten aber der biologischen Vielfalt. Er zeigte sich auch beeindruckt vom Stellenwert des Ehrenamts in Deutschland, bereits Kinder im Alter von sechs Jahren würden ans Ehrenamt herangeführt, beispielsweise in der Kinderfeuerwehr. Griechenland, berichtete der Verwaltungs-Chef der 110.000 Einwohner zählenden Stadt Alexandroupolis, sei bei der Digitalisierung weiter als Deutschland. Dort stünden den Bürgerinnen und Bürgern mehr Apps zur Verfügung, die damit einen Großteil ihrer Angelegenheiten mit der Stadtverwaltung erledigten.
Zampoukis bedankte sich für den herzlichen Empfang und die Gastfreundschaft, zudem lud er zu einem baldigen Gegenbesuch in Alexandroupolis ein.(wö)