Die Dächer der Schule sind mit Photovoltaikpanels bestückt.
Im Keller des Gebäudes befindet sich die Heizungsanlage.
Die Zuluftgeräte für die Räume der Schule sind in die Fassade integriert und hinter Lamellen verborgen.
Die Balkone rings um das Gebäude dienen im Brandfall als erster Fluchtweg.
Holzwolle-Leichtbauplatten schlucken effizient den Schall.
Die neue Karl-Treutel-Schule (KTS), die Mitte April ihren regulären Schulbetrieb aufgenommen hat, weist nicht nur eine innovative Raumgestaltung und ein fortschrittliches Pädagogikkonzept auf, sie wurde auch in baulicher und energetischer Hinsicht – also beispielsweise die verwendeten Baustoffe, die Belüftung und die Energieversorgung betreffend – nach modernsten Standards konstruiert.
Das Gebäude der neuen KTS weist eine einfache und strukturierte Grundriss- und Fassadengestaltung auf. Das Schulgebäude besteht aus einer Betonkonstruktion in Skelettbauweise mit vorgehängter, stark wärmegedämmter Fassade. Der Umweltbezug der Nutzer zur Umgebung wird durch große Fensterflächen ermöglicht. Der Wärmeschutz wird über die Isolierverglasung nach Anforderungen des Passivhausstandards hergestellt. Der Sonnenschutz an den Fenstern wird mittels Aluminiumraffstores ermöglicht. Der um das gesamte Gebäude herumlaufende, vorgestellte Balkon ist gleichzeitig gestalterisches Element und dient als erster Rettungsweg aus dem Obergeschoss.
An Baustoffen sind ausschließlich Materialien zum Einsatz gekommen, die eine hohe Gesundheits- und Umweltverträglichkeit aufweisen. Gleiches gilt auch für die Möblierung. Am Haupteingang und in der Aula im Erdgeschoss wurde Natursteinboden verlegt. Die Böden in den Gruppenräumen, Garderoben, Büros und Fachräumen haben robustes und zugleich wohnliches Industrieparkett erhalten. Im Mehrzweckraum wurde Linoleum mit Korkeinlage verlegt, die Sanitärbereiche sind gefliest.
Die Flächen der Betonwände wurden je nach Anforderung gespachtelt und weiß gestrichen beziehungsweise gefliest. Jedes Haus hat eine eigene Farbe erhalten. Die Trennwände zwischen den Gruppenräumen wurden wegen der Akustik und des Brandschutzes in Trockenbauweise erstellt. Zur Verbesserung der Akustik hat die gestrichene Betondecke in den relevanten Bereichen ein akustisch wirksames Deckenfries aus Holzwolle-Leichtbauplatten, sogenannten „Sauerkrautplatten“, erhalten.
Der Neubau der Karl-Treutel-Schule ist ein sogenanntes „Plusenergiegebäude“, das heißt, die durch den Betrieb verursachten Kohlendioxid-Emissionen fallen in der Jahresbilanz geringer aus als die durch Eigenerzeugung auf dem Schulgelände vermiedenen Kohlendioxid-Emissionen. Dies wird durch den Einsatz einer großen Photovoltaikanlage erreicht. Alle verfügbaren Dachflächen sind mit Photovoltaikmodulen, insgesamt 588 Stück, die zusammen eine Fläche von 1.164 Quadratmetern bilden, belegt. Gemeinsam erzeugen sie eine Leistung von 264,60 Kilowattpeak und liefern einen Jahresertrag von mindestens 277.000 Kilowattstunden. Um die erzeugte Energie bestmöglich nutzen zu können, ist die Photovoltaikanlage mit einem Batteriespeichersystem mit 164 Kilowattstunden Speicherkapazität kombiniert, das die nötige Energie insbesondere dann bereitstellt, wenn es draußen dunkel ist. Aus Gründen des Brandschutzes und der Sicherheit wurden die Batteriespeicher nicht im Schulgebäude, sondern außerhalb platziert.
Das Projekt Karl-Treutel-Schule wurde von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt als innovatives Modellprojekt gefördert. Ein wesentlicher Bestandteil dieser Förderung ist die Wärme- und Frischluftversorgung der Klassen- und Gruppenräume sowie Marktplätze mit hierfür speziell entwickelten beziehungsweise weiterentwickelten Zuluftgeräten, die sich in der Fassade befinden. Sensoren messen ständig spezielle Parameter der Raumluft, etwa den Kohlendioxidgehalt, und aktivieren die Frischluftzufuhr, sobald es nötig ist. Durch spezielle Öffnungen strömt die Luft aus den Klassenräumen in die Nebenräume und Flure, wo je Lernhaus und zentral an der Aula die Ablufterfassung vorgesehen ist. Es wurden zwei Modelle an Zuluftgeräten verbaut, die hundert beziehungsweise 600 Kubikmeter Luft in der Stunde bewegen können. In den Fluren sind die spezifischen Heizlasten aufgrund der großen Fensterflächen verhältnismäßig hoch. Da diese Räume nicht mit Zuluftgeräten ausgestattet sind, wird eine Raumheizung mit ein bis zwei Umluftdeckenheizgeräten pro Flur benötigt. Die innenliegenden WC-Bereiche werden durch die aus den wärmeren Klassenzimmern überströmende Luft beheizt.
Die Zuluftgeräte liefern nicht nur frische, gefilterte Luft, sondern auch Wärme, die sie wiederum aus einem Kreislaufverbundsystem erhalten, das vier große Wärmepumpen beinhaltet. Bei der Wärmeerzeugung wird mit Systemtemperaturen von 35 Grad Celsius Vorlauf im Heizbetrieb und 18 Grad Celsius Vorlauf im Kühlbetrieb gearbeitet. Die Wärmepumpen befinden sich auf dem Dach der Schule, sie sind aus Schallschutzgründen eingehaust, stehen aber nach oben hin mit der Umgebungsluft in direktem Kontakt, so dass die Umgebungswärme aufgenommen und genutzt werden kann.
Die verbrauchte Luft wird in die Technikzentrale im Keller geleitet, wo ihre Restwärme sehr effektiv abgezogen und sie dann zu dem auf dem Dach gelegenen Auslass geleitet wird. Die rückgewonnene Energie wird an eine Glykol-haltige Heizflüssigkeit übergeben, die dann von den Wärmepumpen auf die benötigte Temperatur gebracht und zu den Zuluftgeräten geleitet wird. In den Sommermonaten funktioniert das System reversibel und ermöglicht eine energieeffiziente Kühlung der Zuluft.
Die Grundlage des Beleuchtungskonzeptes ist eine DIN-Norm, die feste Mindestbeleuchtungsstärken für innenliegende Räume vorgibt. Alle Leuchten wurden in LED-Technik ausgeführt. Die Farbtemperatur beträgt grundsätzlich 4.000 Kelvin, ausgewählte Räume, zum Beispiel der „Raum der Stille“, hat eine in Farbtemperatur und Helligkeit änderbare Beleuchtung erhalten. Die Beleuchtung der Klassen- und Unterrichtsräume ist dimmbar, die Schaltung der Beleuchtung erfolgt hauptsächlich über Präsenz- beziehungsweise Bewegungsmelder. Die Leuchten in einem Klassenraum passen ihre Leistung zudem den vorhandenen Lichtverhältnissen an. Bei der Auswahl der Leuchten wurde darauf geachtet, dass diese die Anforderungen an eine arbeitsplatzgerechte Beleuchtung erfüllen und flimmerfrei sind. (wö)