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Kelsterbach aktuell
Ausgabe 20/2018
Seite 2
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Solidarität als Anlass zum feiern

Kundgebung in der Aula.

Siegerehrung der Jugend.

Kai Eicker-Wolf und Georg Germann (am Redner-Pult)

von Thorsten Schreiner

Mitunter der nicht selten ungünstigen Witterung der Vorjahre geschuldet, wartete der Deutsche Gewerkschaftsbund, Ortsverband Kelsterbach mit einem leicht veränderten Programm zum Maifeiertag auf. Kämpferisch aber fair ging es auf dem Sportplatz bei Jugend- und Erwachsenenfußball zu. Dies galt genauso für die traditionelle Kundgebung, bei der sich unter anderem überregionale Politik zu Wort meldete. Die hiesige Gewerkschaft brachte sich mit eigenen Beiträgen und dem obligatorischen Gastvortrag ein.

In der Aula des Sportparks dieses Mal etwas später angesetzt, bot sich die Möglichkeit der traditionellen Kundgebung einen Frühschoppen voranzustellen. In dieser aufgelockerten Atmosphäre freute sich Georg Germann, der Vorsitzende des Kelsterbacher Ortsverbandes, über eine gut besuchte Veranstaltung, zu der er Vertreter der örtlichen und überregionalen Politik sowie der Vereinswelt herzlich begrüßte. Er selbst eröffnete den Redner-Reigen und gab sich wie gewohnt kritisch aber moderat in der Formulierung der gewerkschaftlichen Anliegen. Stärke zeigen durch starke Worte sah German als praktikabelsten Ansatz und erteilte von Neoliberalismus geprägter Politik eine klare pauschale Absage. Wenig hielten die Arbeitnehmer von der „schwarzen Null“ bekräftigte der Gastgeber, da diese zulasten geringerer Einkommen und der Mittelschicht ginge. Oft stünde auch der Vorwand der Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit Arbeitnehmerinteressen entgegen. Dass die Rente reichen müsse, so Der Vorsitzende, sei im Grunde eine Selbstverständlichkeit, die sich jedoch nicht bestätige. Diesen Aufruf zu erneuern, stellte die Bezugnahme zum diesjährigen Motto dar.

Für Solidarität und gegen rechts

Zum Nachdenken an und Handeln auf, regte und rief Kai Eicker-Wolf, seines Zeichens Leiter der Abteilung Wirtschaftspolitik beim DGB Hessen-Thüringen. Der promovierte Ökonom und Politikwissenschaftler war schon einmal in Kelsterbach zu Gast und konnte sich abermals mittels fachlich versiertem Vortrag einbringen. Kritisch beleuchtete er vor dem Hintergrund der bevorstehenden Betriebsratswahlen die Attitüde mancher Arbeitgeber, die Arbeitnehmervertretungen feindselig begegnen. Gegenüber denen, die deswegen sogar offenen Schikanen ausgesetzt sind, rief der Gastredner zu besonderer Solidarität auf. Unverständnis zeigte er für das Lohnniveau in sozialen Berufen wie beispielsweise der Pflege. „Wie kann es sein, dass ein elementar wichtiger Dienst für die Menschheit schlechter bezahlt wird, als eine Tätigkeit In der Industrie „, fragte sich Eicker-Wolf. Zudem käme in diesem Bereich ein stetiger Personalmangel zum Tragen, eine Aufwertung in jeglicher Hinsicht sei überfällig. Der Gast warnte wie zuvor Germann vor rechte Gruppierungen, die vorgenannte Missstände zum Anlass nehmen würden um mobil zu machen. Ängste schüren und auf Kosten der Schwachen die Gesellschaft nach rechts drängen, sei eine Gefahr, der mit Solidarität und Aufklärung zu begegnen sei.

Für den Vorstand der Kelsterbacher DGB’ler äußerte Rudolf Schmiedel einige Gedanken zum Tag der abhängig Beschäftigten. Er berichtete vom seinem gemeinsamen Besuch mit dem langjährigen Vorsitzenden Günter Schneider bei der Kelsterbacher Tafel und würdigte den Einsatz der dort ehrenamtlich Tätigen. Ohne die Tafel gäbe es Hunger, so Schmiedel, der deren leistungsfähigen Einsatz als Notwendigkeit erachtet. Schmiedel setzte sich mit den Verlautbarungen des CDU-Manns Jens Spahn auseinander, dessen Bewertung von Hatz IV als ausreichendes Einkommen für Wirbel sorgte. Der Gewerkschaftler sprach dem inzwischen zum Bundesminister ernannten Politiker jeden Bezug zu Realität ab und stellte die Vermutung in den Raum, dass dies in dem fünfstelligen Gehalt Spahns in dessen Eigenschaft als Jung-Abgeordneter seinen Ursprung nahm.

Stimmen aus der Politik

Kerstin Geis ist gern in Kelsterbach zu Gast und vertritt unter anderem bei diesen Gelegenheiten die Haltung der SPD-Landtagsfraktion. In ihrem Redebeitrag sprach sie sich, adressiert an die amtierende Landesregierung, gegen die Reduzierung bezahlbaren Wohnraums aus. Die Zeichen der Zeit erkennen, wäre, sich für eine gute Wohnraumentwicklung stark zu machen. Handlungsbedarf sieht Geis zudem beim Thema Mobilität, der sich durch rund 26000 Stunden Stau jährlich in Hessen dringlich begründe. Thomas Will brachte seine Freude über die zahlreichen Veranstaltungen anlässlich des Maifeiertags zum Ausdruck und befand, dass es gern noch mehr sein dürften. Der Landrat weckte die Erinnerung an eine dunkle Zeit in Deutschland, als Nazis Gewerkschaften zerschlugen und warnte in diesem Zusammenhang vor einem aktuellen Rechtsruck. Das diesjährige Motto stünde richtigerweise gegen Spaltung und Ausgrenzung und sei daher heute so wichtig wie damals. Den rhetorischen Schlusspunkt setzte Bürgermeister Manfred Ockel, der dem Veranstalter Anerkennung für die alljährliche Ausrichtung der Feierlichkeiten zollte. Ockel sprach in diesem Zusammenhang von einer zuverlässigen Größe, die keine Selbstverständlichkeit sei. Darüber hinaus kam das Stadtoberhaupt auf die finanzielle Ausstattung der Kommunen zu sprechen, die vielfältig belastet seien. Der Bevölkerung müsse mehr geboten werden als die reinen Pflichtleistungen, doch habe dieses Engagement seinen Preis, setzte der Schlussredner ins Verhältnis. In Kelsterbach und vielerorts würden Menschen jeden Tag Wohnungen suchen, informierte der Bürgermeister und schlussfolgerte, dass die Reduzierung bezahlbaren Wohnraums dazu führe, dass sich beispielsweise nur noch Reiche eine Eigentumswohnung leisten könnten. Daher sei es gut, dass die Gewerkschaften auch hier den Finger in die Wunde legen würden.

Familientag im Sportpark

Nach einer von intensiven Ansprachen geprägten Maikundgebung, ging es im musikalisch beschallten Sportpark sehr harmonisch zu. Für das leibliche Wohl sorgte der Fußballverein Viktoria und so konnte bei einer leckeren Bratwurst und einem frisch gezapften Bier das ein oder andere Gespräch zu einem themenintensiven 1. Mai etwas entspannter angegangen werden. Trainer, Ehemalige, Soma-Kicker

Und die Hobbyfußball-Legenden der SG Bahnhof gaben sich noch auf dem zu zwei Kleinfeldern umfunktionierten Fußballplatz ein sportliches Stelldichein. Gemeinsam mit dem vorausgegangen Jugendturnier hielt der Tag auch sportlich was er versprach und definierte mehr als einen guten Grund der Gewerkschaft einen solidarischen Besuch zu machen.