Schulleiterin Christiane Giese vor dem Lehrerstützpunkt in einer der Lernlandschaften.
Blick in eines der Klassenzimmer.
Gemeinsames Lernen und individuelle Förderung werden in der neuen KTS vereint.
Wurde in den vergangenen Jahren über den Neubau der Karl-Treutel-Schule (KTS) berichtet, fielen immer wieder die Worte „neues pädagogisches Konzept“. Wie Schulleiterin Christiane Giese erklärt, ist diese Formulierung nicht ganz richtig: „Eigentlich verfeinern wir nur die Arbeit, die wir am alten Standort schon vor einiger Zeit begonnen haben. Allerdings können wir das mit dem neuen Gebäude viel besser leisten, als das in der alten Schule möglich war.“ Mittels einer erweiterten Unterstützung durch die Schulkindbetreuung in den sogenannten Lernlandschaften – bestehend aus Klassen- und Förderräumen, dem zentralen Marktplatz als Aufenthaltsbereich sowie einem Lehrerstützpunkt – ist es möglich, neben dem klassischen Frontalunterricht verstärkt auch offenes, auf individuelle Bedürfnisse der Kinder ausgerichtetes Lernen anzubieten.
„Es wird immer wichtig bleiben, den Kindern Lesen, Schreiben und Rechnen beizubringen, damit sie ein gewisses Maß an Fähigkeiten mitnehmen, wenn sie unsere Schule verlassen. Aber es bietet sich beim Unterricht an, eine Mischung zu haben zwischen angeleiteten Situationen und selbstständigem Arbeiten, zwischen Entscheidungsfreiheit und gebundenen Vorgaben“, so die Schulleiterin. Hier verfüge die neue Schule über einen großen Vorteil, da die große Einheit KTS auf kleinere Einheiten runtergebrochen werden könne. Da immer nur drei oder vier Klassen in einer Lernlandschaft sind, werde eine persönlichere Atmosphäre geschaffen, in der sich Kinder leichter wohlfühlen und Lehrkräfte gezielter auf deren Bedürfnisse eingehen können.
Durch die Lernlandschaften und die dortige Unterstützung durch die Schulkindbetreuung könnten Lerngruppen entzerrt werden. Das bedeutet, dass Kinder nicht nur im Klassenzimmer, sondern auch auf dem Marktplatz im Zentrum der Lernlandschaft arbeiten können. „Wann immer man die Möglichkeit hat, eine größere Gruppe zu entzerren, profitieren davon nicht nur die schwächeren oder stärkeren Kinder, die man herauszieht, sondern auch der Rest der Gruppe“, konstatiert Giese. Man müsse aber auch realistisch bleiben und verstehen, dass die Schule es nicht schaffen könne, alle Kinder so zu fördern, dass niemand mehr eine Klasse wiederholen muss. „In solchen Fällen müssen wir dann mit den Eltern gemeinsam überlegen, welche Möglichkeiten wir neben den Räumlichkeiten und der Unterstützung durch die Schulkindbetreuung noch ausschöpfen können.“
Neben der Möglichkeit zur individuellen Förderung von Schülern bekommen die Kinder in den neuen Lernlandschaften aber auch neue Verantwortungen. Das betreffe beispielsweise die Nutzung der Toiletten. „Je mehr Menschen eine Toilette nutzen, desto anonymer fühlt sich das an, und die Einzelnen fühlen sich weniger verantwortlich. Jetzt, wo jede Lernlandschaft eine eigene Sanitäranlage hat, hoffe ich, dass wir hier eine ganz andere Verantwortlichkeit für die Räume von Seiten der Kinder erleben werden.“ Das beginne bereits beim Betreten der sehr hell und offen anmutenden Trakte, wo in einem Garderobenbereich zunächst die Jacken aufgehängt und die Straßen- gegen Hausschuhe getauscht werden.
Insgesamt sei sie sehr dankbar, dass die Stadt die Schule, anfangs noch unter Leitung von Isabella Brauns und ihrer Stellvertreterin Sybille Schlemmer, von Beginn an eng in die Planung mit einbezogen hat. Eine Gruppe von Lehrkräften hatte sich gemeinsam mit Verantwortlichen aus der Stadtverwaltung bereits in den 2010er Jahren verschiedene Schulen in ganz Deutschland angeschaut. Aus den Anregungen, die man sich dort geholt hatte, wurden dann die Bedarfe für die Umsetzung eines verändertes Lernkonzepts entwickelt, die dann in die Planungen von Aufbau und Ausstattung des aus drei Häusern bestehenden Schulgebäudes eingeflossen sind. Das, so Giese, sei ein sehr langer Prozess gewesen, bei dem immer wieder neue Kolleginnen und Kollegen mit ins Boot geholt werden mussten, während andere, die von Anfang an mit Feuereifer dabei waren, die Schule verlassen haben.
Bei den Kindern komme die neue Schule und die veränderten Möglichkeiten, um lernen und sich kreativ betätigen zu können, gut an. „Überall, wo ich mit Kindern gesprochen habe, bekomme ich das Feedback, dass sie die Schule sehr schön finden“, berichtet Giese. Sie selbst werte das neue Gebäude und die damit verbundenen Möglichkeiten für die Arbeit der Lehrkräfte sehr positiv: „Alleine schon dadurch, dass wir nicht nur den Marktplatz an sich haben, sondern dass dort auch immer ein Förderraum mit einbezogen ist, können wir sehr flexibel selbst auf besondere Herausforderungen reagieren.“
Von der ausgeweiteten Kooperation mit der Schulkindbetreuung profitierten nicht nur die Kinder. Für die Schulkindbetreuung seien attraktive Arbeitsplätze geschaffen worden, die dringend benötigtes Fachpersonal ansprächen. „Auch für die Schule hoffe ich, dass die neue KTS mit ihren Möglichkeiten junge Lehrkräfte anlockt, so dass wir aus dem Mangel, den wir in diesem Bereich haben, herauskommen“, resümiert die Schulleiterin.
Wer mehr über die neue KTS erfahren und sich selbst ein Bild von der Schule möchte, der hat dazu beim „Tag der offenen Tür“ am Samstag, 30. Mai, ab 10 Uhr die Gelegenheit. Weitere Informationen dazu folgen in Kürze.