Die Freude über die neuen iPads war bei den Fünftklässlern groß.
Schüler helfen Schülern: Ältere "Buddys" unterstützen die Fünftklässler nicht nur bei der ersten Einrichtung der Geräte.
Auch zukünftig stehen die älteren Schüler den jüngeren beim Umgang mit den iPads helfend zur Seite.
Nach langen Beratungen und einer mehrjährigen Testphase war es am vergangenen Freitag soweit: Die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 5 an der Integrierten Gesamtschule (IGS) wurden mit iPads ausgestattet, die von der Stadt Kelsterbach als Schulträger finanziert wurden. Zukünftig soll allen Kindern der Klassen 5 und 6 von der Schule ein Gerät zur Verfügung gestellt werden, ab Klasse 7 bis zum Ende der Schulzeit soll dann ein von den Eltern angeschafftes iPad genutzt werden. Ziel ist es, die digitale Kompetenz der Schülerinnen und Schüler zu fördern.
Zur Vorbereitung auf diese neuen Herausforderungen, die Digitalisierung und auch Künstliche Intelligenz mit sich bringen, wurde ein Konzept zur Förderung des Umgangs mit digitalen Medien in Form von hybridem Unterricht entwickelt. Dabei werden klassische Arbeitsmethoden zum Erwerb von Grundkompetenzen beibehalten und in sogenannten iPad-Phasen ergänzt. Diese sollen die Kinder beim Lernen unterstützen, wobei auch eine Nutzung der Geräte für individuelle Übungs- und Fördermaßnahmen möglich ist.
Insgesamt 150 iPads mit Zubehör wurden über die Firma ACS Group angeschafft. Die Geräte durchlaufen je zwei Zyklen (zwei Mal fünfte und sechste Klasse), bevor sie bei der Anschaffung neuer Geräte gegengerechnet werden. Der Austausch nach zwei Zyklen ist notwendig, um das Aufspielen von sicherheitsrelevanten Updates weiter zu gewährleisten. Die Kosten für den Schulträger belaufen sich für die ersten beiden Zyklen auf rund 80.000 Euro. Schulleiterin Barbara Jühe sieht darin ein starkes Zeichen. Gerade in Zeiten, in denen das Kultusministerium die Mittel für Integrierte Gesamtschulen kürze, sei die Schule für diese Unterstützung durch die Kommune sehr dankbar. Bürgermeister Manfred Ockel sagte im Rahmen der iPad-Übergabe an die Fünftklässler: „Dies ist ein wichtiger Schritt in Richtung digitale Bildung und wir freuen uns, dass wir als Schulträger die Kinder auf diesem Weg unterstützen können.“ Henning Kauler, Beauftragter für Medienbildung und den Digital Pakt beim Staatlichen Schulamt, fügte hinzu: „Die IGS Kelsterbach ist hier Vorreiter. Von dem, was Ihr hier macht, werden perspektivisch auch viele andere der 136 Schulen in unserem Schulbezirk profitieren können.“
Als Klassenlehrerin begleitete Meliha Chahade zwei Jahre die Kinder, die das Konzept des hybriden Unterrichts getestet haben. Diese Pilotphase wurde ermöglicht durch den gemeinnützigen Verein „CodeDoor“, der nicht nur eng mit einer Arbeitsgruppe von Lehrkräften zusammengearbeitet, sondern auch die Geräte bereitgestellt hat. Für Chahade ist klar: „So ein Projekt funktioniert nicht als Einzelinitiative, sondern nur durch gute Zusammenarbeit.“ Dem stimmte auch Jühe zu. Daher gelte ihr Dank neben dem Bürgermeister als Vertreter des Schulträgers auch der städtischen Schulverwaltung sowie allen Akteuren, die an der Realisierung des Projekts beteiligt waren. Dazu gehörten neben dem engagierten Kollegium auch Eyk Franz und Sylke Pundt von den „Schulstrategen“, die seit 2023 die Schule beratend unterstützen. Eine große Hilfe seien auch die IT-Profis Thomas Schönling und Armin Michalski von der Firma Sidis, die für den technischen Support zuständig sind. Die größte Herausforderung am Tag der Ausgabe der iPads sei für sie gewesen, dass plötzlich zahlreiche Geräte auf einmal auf das Netzwerk zugreifen, um Apps und Updates zu laden, erklärt Schönling. Doch es habe alles gut funktioniert, so dass die Kinder ohne Verzögerungen in die Arbeit mit den iPads eingeführt werden konnten.
Helfend zur Seite standen dabei Schülerinnen und Schüler der neunten Klassen, von denen die Fünftklässler auch zukünftig beim Umgang mit den Geräten unterstützt werden. Grundlage dafür ist eine Fortführung des ursprünglich für die Hausaufgabenhilfe entwickelten „Schüler-helfen-Schülern“-Systems, für das die IGS Kelsterbach vor einigen Jahren ausgezeichnet worden ist. „Es ist wichtig, dass die älteren Schüler den jüngeren helfen. Durch dieses Buddy-System wird maximale Effektivität erreicht“, so Chahade. Sie sei überzeugt, dass diese Form der jahrgangsübergreifenden Zusammenarbeit besser funktioniere, als wenn die Lehrkraft allein die Vermittlung übernehme.
Zudem müssten sich auch viele der Lehrkräfte erst einmal in die Materie einarbeiten. Das sei auch einer der Gründe, warum das mit den Schulstrategen erarbeitete Konzept schon in der fünften Klasse ansetzt: „In dem Alter kann man den Kindern noch ganz offen sagen, dass man auch als Lehrer noch nicht alles im Umgang mit digitalen Medien weiß“, erklärt Chahade. „Man kann sagen: Wir lernen das zusammen, ich lerne von Euch und Ihr lernt von mir.“ Kauler fügte hinzu, es sei ein enorm wichtiges Prinzip, dass auch Lehrer von Schülern noch etwas lernen können.
Neben der Vermittlung digitaler Kompetenzen sei es für Eyk Franz eine wesentliche Aufgabe, die Eltern von den Vorteilen des mit dem iPad unterstützten Lernens zu überzeugen. Es müsse in den ersten beiden Jahren, in denen die Kinder mit den vom Schulträger bereitgestellten Geräten arbeiten, deutlich werden, wie sehr die Schüler davon profitierten und dass die mit dem Eintritt in die siebte Klasse dann notwendige Anschaffung eines eigenen iPads eine sinnvolle Investition darstellt, wobei für einkommensschwache Familien soziale Maßnahmen für die Finanzierung möglich sind.
Es müsse auch hervorgehoben werden, dass die iPads Hilfsmittel und keine Spielmaschinen seien, so Franz weiter. Um das zu gewährleisten, seien alle Geräte über den School Manager registriert, wodurch festgelegt werden kann, welche Rechte das Gerät hat und welche Apps installiert werden dürfen. Bei Prüfungen könne zudem sichergestellt werden, dass etwa bei einer Mathearbeit nur der Taschenrechner oder bei einer Deutschprüfung nur der Duden freigeschaltet sind.
Schon wenige Minuten nach dem Einschalten der neuen iPads wurde von den Fünftklässlern mit großem Interesse die Benutzeroberfläche erforscht, erste Apps ausprobiert und Ordner für die einzelnen Schulfächer angelegt. Dieser Tag war aber nicht nur für die Schüler ein besonderer Moment, sondern auch für Schulleitung und Kollegium. Die Ausgabe der iPads sei ein wichtiger Schritt, um die Möglichkeiten für die Schüler zu erweitern, so Jühe. Und Chahade sagte in Richtung der Kinder: „Wir haben lange darauf gewartet, aber jetzt seid Ihr eine iPad-Klasse.“