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Kelsterbach aktuell
Ausgabe 22/2020
Seite 2
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„Take a walk on the wild side!“ (Lou Reed, 1972) - Der Südpark

Der Süpark 1978.

Schon etwas grüner im Jahr 1981. (Foto: Probst)

Als Postkartenidylle mit Weiher im Jahr 1986.

Der Wasserspielplatz heute.

Die Grillstationen.

Multifunktionspsortfeld.

Weiher mit Kiosk.

Eine kleine Grünoase.

Der Südpark, in Corona-Zeiten nur licht bevölkert.

In den Jahren 1961 bis 1963 wurden in der Helfmannstraße, der Kirschenallee, der Dr.-Hans-Jordan-Straße, in der Heegwaldstraße, Am Hasenpfad, in der Kantstraße und in der Mittelstraße neue Spielplätze geschaffen. Die Stadt wuchs merklich auf 15.000 Einwohner, es gab mehr Kinder, die suchten in ihrer Freizeit nach Plätzen zum ungestörten Toben. Sozusagen die „wilde und ungewöhnliche Seite der Untermainstadt“. Das größte Projekt war folglich der Südpark im – wie er Name es andeutet – südlichen Stadtteil. Er entstand in den Jahren 1977/78.

Wer in den 1960er und 1970er Jahren die Waldstraße entlang ging, am Depot, dem Friseur Klein vorbei und am frühen Lindenhof (Scharfe), der kam alsbald zu einer Kiesgrube, die in den 1970er Jahren mit Bauschutt der Frankfurter Trümmer-Verwertungsgesellschaft (TVG) verfüllt wurde. Hier war noch etwas von der im übertragenen Sinne „wild side“ Kelsterbachs zu spüren. Nach der Renaturierung der Kiesgrube entstand dort der Südpark, der seit 1975 zum angesagten Naherholungsgebiet für die Kelsterbacher mutierte. Den ersten Baum pflanzten Stadtverordnetenvorsteher Karl Hardt und Bürgermeister Friedrich Treutel am 11. September 1976 ein unter damals üblich - starker Anteilnahme der Bevölkerung. Man freute sich eben, wenn sich die Stadt entwickelte. Mit der Zeit erfreute sich der Südpark mehr und mehr einer Beliebtheit, im Winter wurden die modellierten Hügel als Rodelbahn genutzt. Die zahlreichen Gastarbeiter mit ihren Familien entdeckten früh den neuen Südpark als Naherholungsgebiet und als Kommunikationszentrum. Spielgeräte kamen hinzu, eine Minigolfanlage bot Abwechslung. Grillstationen mit sanitären Anlagen erweiterten den Naherholungsort. Schon bald nutzte die Jugendpflege der Stadt den Südpark für die Sommerspiele.

1999 wurden die Grillplätze erneuert, nach 2000 kam ein Wasserspielplatz hinzu, der von der Regionalpark Südwest GmbH mitfinanziert worden war. Ein Multifunktionsspielfeld und eine Anlage für Skater wurden in Zusammenarbeit mit der Jugendpflege geschaffen. In den beiden zurückliegenden Jahren machte der Südpark vor allem deswegen Schlagzeilen, da die Stadt einen Sicherheitsdienst einsetzen musste, um die ausufernden Grillfeten einzudämmen und einen geregelten Betrieb zu erhalten. Zugeparkt waren bei schönem Wetter vor allem die Umgebungsstraßen mit Autokennzeichen der erweiterten Region, immer weniger Kelsterbacher fühlten sich im heimischen Südpark wohl. Verdrängungswettbewerb – sozusagen. Gebüsche und Bäume wurden ab und an verfeuert im Grill, der Unrat blieb für die anderen zurück. Kleinlasterfahrer entdeckten zudem die Parkplätze rund um den Südpark als geeigneten Sprinter-Abstellplatz, bis die Stadt mit einem Höhenbegrenzer hier 2020 einen Riegel vorschob. Nun ja, und noch eine Gruppe liebt(e) ihren Südpark: die Schwarzkittel oder Wildschweine. Die hinterließen manchmal eine Kraterlandschaft bei ihrer Suche nach Leckerbissen auf den Rasenflächen und Wegen. Mit der Wegnahme von Dickicht als Versteckmöglichkeiten konnte das Problem Schwarzkittel gemindert werden.

Bleibt also ein Ausblick für die kommenden Jahre.

Kelsterbach wird „Klimainsel Kelsterbach“. Dazu wird es ein umfassendes Entwicklungskonzept für den südlichen Stadtteil geben. Es umfasst auch das Areal des Südparks mit dem angrenzenden Staudenweiher. Spielen, Grillen, Erholung, Naturbereiche; das Freiraumkonzept des Südparks wird unter die Lupe genommen, auch die Konflikte um die Nutzung. Ein Augenmerk wird auf die Barrierefreiheit der Wege gelegt, die Wegeführung soll stärker mit den umliegenden Wohn- und Stadtgebieten in Einklang gebracht werden. Neue Nutzpflanzen und Trinkwasserspender sind ebenfalls im Gespräch wie auch die Sicherung des Bestands der Bäume und Büsche. Die Planer und die Stadt wollen den Südpark – wie auch den Stadtwald - für die Zukunft fit machen. Oder frei nach Lou Reed: „They take a look at the wild side!“ (hb)