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Kelsterbach aktuell
Ausgabe 24/2020
Seite 1
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Kelsterbacher Kerb trotzt Corona

Ja zur Kerb daheim sagen Robin Schmalz, Sven Wellinger, Daniel Iriti, Anna-Lena Hofmann, Michael Erler und Thorsten Schreiner.

So geht Kerb! Baumstellen 2019.

Finale dahoam. Einige erinnern sich. Das ging im Jahr 2012 böse aus, zumindest für den FC Bayern. Kerb und Altstadtfest daheim, das ist für Kelsterbach etwas Neues. Die Kerweborsch und die Stadt gehen 2020 bewusst neue Wege, um die Tradition der beiden Volksfeste zu wahren.

„Wir haben uns im Rahmen des Kreises Groß-Gerau zwischen Landrat Thomas Will und den Bürgermeistern geeinigt, dass es in diesem Jahr 2020 keine größeren Volksfeste geben kann, dazu gehören auch die Kelsterbacher Kerb und das Altstadtfest Anfang September“. Bürgermeister Manfred Ockel machte klar, was angesichts der Corona-Pandemie nicht möglich sein wird, da es sich um offene Großveranstaltungen handele, die mehrere Tausend Menschen anzögen. Doch die Kelsterbacher Kerb wäre nicht die Kelsterbacher Kerb, hätten nicht alle daran Beteiligten fieberhaft nach einem Ausweg gesucht. Stadt und Kulturamt, aktive Kerweborsch und Altkerweborsch präsentierten jetzt im Fritz-Treutel-Haus ihre positiv gemeint revolutionären Pläne: „Kerb und Altstadtfest daheim“.

Kerb mit Fassbieranstich

Robin Schmalz erläuterte das Konzept, auf das sich Magistrat, Kulturamt und Kerwefamilie geeinigt haben. Die Kerb werde in diesem Jahr zu einem Social-Media-Event. „Wir wollen die Höhepunkte der Kerb neu interpretieren und mit den Sozialen Medien, der städtischen Homepage und mit der Zeitung Kelsterbach Aktuell den Menschen in Kelsterbach nach Hause liefern“, so Schmalz. Den Fassbieranstich, den Bürgermeister Ockel und Festwirt Distelkamp ausführen, werde man filmen, und dann könne daheim zünftig mitgefeiert werden, soweit, wie es die noch weiter geltenden Corona-Regeln zulassen. Der Schlossplatz, althergebrachter Feierort der Kerb, bleibt heuer leer. Der Kerwebaum aber werde gestellt, um etwas Kerweflair zu schaffen. Versteigert wird er über die Social-Media-Kanäle. Live-Musik werde man aufnehmen und dann in die Wohnzimmer der Kelsterbacher schicken. Ein kleiner Umzug auf dem Schlossplatz, ausschließlich mit den Kerweborsch und dem Bembelwagen, wird diese Corona-Kerb 2020 bereichern. „Auch der Giggelschlag wird ausgeführt,“ sagt Kerwepräsident Sven Wellinger. Giggelsmädchen Anna-Lena Hofmann bleibt ein Jahr länger im Amt, um dann 2021 reales Kerwefeeling zurückzubekommen. Ein Einmarsch in ein gut gefülltes Festzelt sollte ihr nicht verwehrt bleiben.

Auch kein „HFE“

Kein HFE, das tut weh. Das Hackfleischessen (HFE), traditionell der Einstieg in die Kerb am letzten Augustwochenende, fällt ebenfalls aus. Daniel Iriti und Michael Erler vom Verein der Altkerweborsch wollen einen kleinen Beitrag zum crossmedialen Kerweprogramm leisten. Auch eine Vorkerweparty werden die feierwilligen Kelsterbacher heuer missen müssen. „Unser Vereinsleben in Kelsterbach ist schon eine kleine Schatzkiste, wir haben ein gutes Fundament, auf dem sich aufbauen lässt für die Zukunft. Und dass wir Ideen haben in Kelsterbach, na das zeigt die Kerb daheim“, lobte der Vereinsringsvorsitzende Thorsten Schreiner. Zu einer solchen Idee gehört sicherlich auch das Kerwe-Care-Paket. Das kommt voraussichtlich per Post und wird nicht vom Rosinenbomber abgeworfen. Es soll laut Robin Schmalz überlebensnötige Dinge enthalten: Zeitschrift Bembelbote, eine CD mit dem Kerwelied und mehr, zudem rührige Grußworte. Ob ein Instant-Äppler bis Ende August entwickelt werden kann, der als Pulver ins Gerippte eingerührt wird, bleibt reine Spekulation.

Was wird aus dem Altstadtfest?

Auch das Altstadtfest findet nicht statt. Markplatz und die Gassen des Unterdorfs bleiben verwaist, die Sankt-Martinskirche wird nicht im Glanz einer Lasershow erblühen, das Museum bleibt geschlossen, am Main gibt es kein Feuerwerk zum Abschluss. Man werde Höhepunkte des Altstadtfests aufzeichnen, es kann Live-Musik gestreamt werden. Die Abschlussshow wird animiert. Klar sind sich die Organisatoren, dass alle diese Kunstgriffe kein wirklicher Ersatz für zwei lebendige Traditionsveranstaltungen sein können. Aber Kelsterbach vergesse seine beiden Jahreshöhepunkte eben nicht ganz, sondern mache das im Rahmen Mögliche. Wie Bürgermeister Manfred Ockel anfügte, werde es 2020 keinen Ehrenabend der Stadt geben können und keine Jugendsportlerehrung. Beide würden 2021 nachgeholt. (hb)