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Kelsterbach aktuell
Ausgabe 26/2026
Seite 2
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Ideen und Perspektiven zur Nachnutzung der Herz-Jesu-Kirche

„Raum für neue Wege – Kirche weiterdenken“ war das Motto am vergangenen Wochenende in der Herz-Jesu-Kirche.

In der Herz-Jesu-Kirche sprachen (vl.) Pfarrer Stefan Barton, Alexa von Wedel (NH ProjektStadt), Dr. Verena Jakobi (Landesamt für Denkmalpflege) und Bürgermeister Manfred Ockel über die zukünftige Nutzung von Kirchenräumen.

„Die Herz-Jesu-Kirche ist ein Mittelpunkt unserer Stadt, ein Erkennungssymbol und ein Wahrzeichen.“ Daher sei es wichtig, sich Gedanken über die Nachnutzung des Gebäudes, in dem schon seit längerer Zeit keine Gottesdienste abgehalten werden und das nach der Fusion der Kelsterbacher Pfarrei Herz Jesu mit den katholischen Gemeinden aus Raunheim und Rüsselsheim verkauft werden soll, zu machen.

 

 

Mit diesen Worten begrüßte Bürgermeister Manfred Ockel die Gäste, die am vergangenen Wochenende in das Kirchengebäude gekommen waren. Unter dem Motto „Raum für neue Wege - Kirche weiterdenken“ wurden hier an zwei Tagen Vorträge, Diskussionen und Workshops rund um das Thema der Nachnutzung von Gebäuden, die von Kirchengemeinden aufgegeben werden, angeboten. Geladen hatte die NH-ProjektStadt, die diese Veranstaltung federführend organisiert und mit Partnern wie der Stadt Kelsterbach, dem Hessischen Ministerium für Wirtschaft, der Landesinitiative Baukultur in Hessen und der Pfarrgemeinde Herz Jesu ungesetzt hat.

Am Freitag, der im Rahmen des World Design Capital 2026 stattfand, standen Vorträge im Mittelpunkt des Programms. Dabei wurden vor rund 35 interessierten Besuchern unter anderem Beispiele aus Nordrhein-Westfalen präsentiert oder über Kirchen im Transformationsprozess referiert und diskutiert. „Das waren interessante Vorträge, die verdeutlicht haben, wie dramatisch die Situation ist“, resümierte der Bürgermeister den ersten Veranstaltungstag. „Man ist erschrocken, mit welcher Dynamik Kirchenräume aufgegeben werden.“ Betroffen seien da auch die sozialen Dienste, was in Kelsterbach das Beispiel der Frauenhilfe, die 2023 nach 111 Jahren aufgelöst wurde, zeige.

Der Samstag begann entspannt mit Kaffee und Kuchen im schattigen Hof der Herz-Jesu-Kirche, bevor im angenehm kühlen Innenraum das Tagesprogramm mit einer Podiumsdiskussion gestartet wurde. Alexa von Wedel, Projektleiterin der ProjektStadt, hob hervor, wie wichtig es sei, die Bürgerinnen und Bürger in den Dialog über Nachnutzungsmöglichkeiten einzubeziehen. Dem stimmte Dr. Verena Jakobi vom Landesamt für Denkmalpflege zu: „Wir schaffen mit Veranstaltungen wie dieser einen Gesprächsraum. Es ist wichtig, miteinander zu kommunizieren, voneinander zu lernen und verschiedene Perspektiven kennen zu lernen.“ Denn mit Kirchenräumen gingen auch Räume der Begegnung und des demokratischen Austauschs verloren. Um neue Räume des sozialen Miteinanders zu schaffen, sei es unerlässlich, im Austausch zu bleiben.

Bürgermeister Ockel fügte hinzu: „Dass wichtige Gemeinschaftsräume verloren gehen, ist ein Thema, mit dem wir uns als Kommune auseinandersetzen müssen. Allerdings spielt dabei auch der finanzielle Aspekt eine Rolle. Kaum eine Stadt ist finanziell in der Lage, Kirchenräume zu übernehmen.“ Pfarrer Stefan Barton, Leiter des Pastoralraums MainWeg, sagte dazu, es sei wichtig, sich Zeit zu nehmen. Es solle nicht darum gehen, Gebäude schnellstmöglich zu veräußern. Man müsse sorgfältig prüfen, welche Möglichkeiten es zur Um- oder Weiternutzung gebe, welche Möglichkeiten bestünden, mit anderen Trägern zusammenzuarbeiten und welche Förderungen und andere Unterstützungsmöglichkeiten in Anspruch genommen werden könnten.

Ein Raum der Gemeinschaft

Kirche sei für ihn ein Raum der Stille, des Reflektierens und des Nachdenkens, so der Bürgermeister. Er stelle aber fest, dass es in Kirchen immer mehr Veranstaltungen gebe, die vor einigen Jahren dort noch nicht hätten durchgeführt werden können. „Das ist ein Trend zur Offenheit: Die Kirche als Raum der Gemeinschaft, der für alle da ist, unabhängig von ihrem Glauben.“ Daher sei es ihm besonders wichtig, dass dies auch bei einer Nachnutzung erhalten bleibe: „Die Hauptsache ist, die Kirche bleibt ein Raum für alle Bürgerinnen und Bürger.“ Pfarrer Barton ergänzte: „Kirche ist nicht nur ein Gebäude, es zählt die Gemeinschaft.“

Barton betonte noch einmal, wie wichtig es sei, die Menschen in die Diskussion um die Nachnutzung einzubeziehen, da die Loslösung von einer Kirche ein schwieriger Prozess für die Gemeinde. Man müsse auch bedenken, dass nach der Entweihung einer Kirche diese zwar anderweitig genutzt werden könne. Allerdings muss dafür auch die Ausstattung wie verschiedene Reliquien oder das Taufbecken entfernt werden. Dies alles sei ein umfangreicher innerkirchlicher Prozess, der auch in die Überlegungen einer Nachnutzung einfließen solle. Gerade die Herz-Jesu-Kirche lebe von der besonderen Ausstattung, fügte Jakobi an. Es täte weh, wenn das alles rausgenommen oder übermalt würde. Andererseits müssen auch Kompromisse zugelassen werden. Sie stimmte Pfarrer Barton zu, dass es wichtig sei, sich Zeit zu nehmen und keine überhasteten Entscheidungen zu treffen.

Die Vorträge und Diskussionen an beiden Tagen hätten gezeigt, dass jede Kirche anders ist und jede Kirche ein anderes Konzept benötige, so von Wedel. Die Veranstaltung „Raum für neue Wege - Kirche weiterdenken“ diene dazu, Gedanken anzustoßen und auszutauschen. Ockel fügte hinzu, er wünsche sich, dass auch weiter eine offene Diskussion über die Zukunft der Herz-Jesu-Kirche mit Kirche, Bevölkerung und anderen Beteiligten geführt werde.

 

 

Auf die angeregte Diskussion folgte am Samstagmittag noch ein zweiteiliger Workshop, in dem Eindrücke, Wünsche und Ideen ausgetauscht werden konnten. Zudem durften Papierkraniche als Symbol für Frieden, Freiheit und Demokratie, gebastelt werden, was den Startschuss für eine Kunstinstallation darstellte, die im September zum Altstadtfest in Anwesenheit von Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori eröffnet wird. (sb)