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Kelsterbach aktuell
Ausgabe 28/2020
Seite 2
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Main/Rhein sind keine Badegewässer

Landrat Thomas Will brachte Flyer an die Martin-Buber-Schule in Groß-Gerau, die wegen der damit verbundenen Gefahren eindringlich vor dem Baden in Flüssen warnen.

Friedrich Schmidt, Leiter des Fachbereichs Gefahrenabwehr, macht auf die Hinweistafel für den Notfall aufmerksam. Fotos: Kreisverwaltung

Der Main um 1950, schon damals Bundeswasserstraße. Wo die Fähre anlegte, badeten die Kinder. (Foto: Stadtarchiv)

Immer wieder geraten Menschen in Gefahr, wenn sie in Flüssen und unbewachten stehenden Gewässern baden. Aktuell sind im Kreis Groß-Gerau leider auch Tote zu betrauern. Eine junge Mutter und ihr Kind sind vor wenigen Tagen im Rhein ertrunken. Die Gefahrenabwehr des Kreises Groß-Gerau und viele andere, wie die Deutsche Lebensrettungs-Gesellschaft, warnen daher verstärkt vor der Abkühlung und dem Schwimmen in Flüssen.

Früher war alles anders

Kelsterbach und der Main, das war in früheren Zeiten eine innige und lebendige Freundschaft. Das änderte sich erst im Jahr 1951, als nämlich die Glanzstoff/Enka ihr Freischwimmbad in der Rüsselsheimer Straße baute, das dann auch der Kelsterbacher Bevölkerung zur Verfügung stand. In den Jahrhunderten zuvor lebten die Kelsterbach am Main und mit dem Main. Geschwommen und gebadet wurde im Fluss. Er diente als Transportweg, Platz zum Pferdewaschen, die Gänse marschierten auf den Mainwiesen. Die Kinder lernten schwimmen im Main, am liebsten neben der Fähranlagestelle vom Bastian. Da gab es durchaus Konflikte. Denn die Kinder nutzen die Fähre als Sprungbrett in den Fluss. Gefährlich war die Mutprobe, auf die ankommenden Mainschiffe zuzuschwimmen und sich mit den Frachtschiffen ein Stück ziehen zu lassen. Fuhr die Fähre mal nicht nach Sindlingen, dann schwamm man eben durch den Fluss auf die nordmainische Seite. Die Eltern aber konnten erkennen, ob die Kinder die Schwimmverbote im Main einhielten oder nicht. Denn der Farbrand am Hals war verräterisches Beweismittel: Höchst und Farbwerke sei dank.

Corona und Badeverbote: Verlockung der mitunter tödlichen Art

Weil es wegen der Corona-Pandemie in diesem Sommer - gerade beginnen die großen Ferien und vermutlich die heißesten Tage des Jahres – in den Freibädern keinen Badebetrieb wie gewohnt geben kann, könnte der Drang an die beiden Flüsse noch stärker werden, die den Landkreis im Westen und Norden begrenzen: Rhein und Main sind beliebte Ausflugsziele. Es gibt am Ufer Buchten und Strände. Im Sommer lässt es sich dort gut sitzen und liegen, picknicken und spielen, so zum Beispiel in Ginsheim-Gustavsburg.

Der Kreis Groß-Gerau startet darum mehrere Aufklärungs- und Warn-Aktionen. Noch rechtzeitig vor Ferienbeginn wurden Flyer an alle Schulen im Kreis verteilt, die an die Schüler mit den Zeugnissen weitergereicht werden. Dieser Flyer sollte zudem noch in mehrere Sprachen übersetzt und über die Kommunen und über verschiedene Einrichtungen verteilt werden. Auch auf der Homepage des Kreises ist er abrufbar: www.kreisgg.de/baden.

Dort wird erklärt, warum das Baden in Flüssen solch große Gefahr birgt und lebensgefährlich ist: Auch wenn die Wasseroberfläche ruhig aussieht, gibt es unter Wasser Strömungen und Strudel. Selbst geübte Schwimmerinnen und Schwimmer kommen dagegen nicht an. Es kommen Bodenabbrüche vor - und wo man gerade noch stehen konnte, liegt der Grund plötzlich mehrere Meter tief. Vorüberfahrende Schiffe können starken Wellenschlag auslösen.

Auf diese Tatsachen soll möglichst bald auch auf zusätzlichen Schildern mit leicht verständlichen Piktogrammen entlang des Rheins und Mains aufmerksam gemacht werden. Außerdem weisen Landrat Thomas Will, Friedrich Schmidt, Leiter des Fachbereichs Gefahrenabwehr der Kreisverwaltung, und Jochen Lohr von der DLRG-Ortsgruppe Leeheim in einem Video auf die Gefahren am Fluss und das richtige Verhalten - auch in einem Notfall - hin. Zum Beispiel finden sich Angaben zu den Flusskilometern und zu Notrufnummern an den Ufern. Link zum Video: https://youtu.be/aif40OWm2zY.

Landrat Thomas Will und Kelsterbachs Bürgermeister Manfred Ockel appellieren an die Menschen, die sich im Sommer an den Flüssen aufhalten möchten: „Gehen Sie nicht ins Wasser! Suchen Sie zum Schwimmen die Bäder im Kreisgebiet auf oder die ausgewiesenen Badeseen. Gefährden Sie nicht sich und andere. Und vor allem: Behalten Sie Ihre Kinder immer im Blick, damit sie nicht in einem unbeobachteten Moment ins Wasser fallen.“ (gg/hb)