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Kelsterbach aktuell
Ausgabe 28/2026
Seite 2
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„Fast wie ein Hilferuf“: Freiwillige Feuerwehr stellt Lagebericht vor

„Der Lagebericht, den wir heute gehört haben, klingt fast wie ein Hilferuf derjenigen, die immer dann kommen, wenn wir Hilfe brauchen.“ So kommentierte Katharina Rathmann von der CDU-Fraktion den Lagebericht der Freiwilligen Feuerwehr Kelsterbach für das Jahr 2025, den Stadtbrandinspektor Christian Rolle den Ausschüssen und der Stadtverordnetenversammlung in deren letzten Sitzungen vor der Sommerpause präsentierte. Rolle stellte zu Beginn klar, dass Brandschutz und allgemeine Hilfe keine freiwilligen Leistungen, sondern kommunale Pflichtaufgaben sind. Die dafür zuständige Feuerwehr muss den örtlichen Verhältnissen entsprechend leistungsfähig und angemessen ausgestattet sein.

Das erforderliche Schutzziel, die Mindestausrüstung und die Personalstärke werden durch verschiedene Gefährdungsstufen bestimmt. Der Einsatzbereich der Freiwilligen Feuerwehr Kelsterbach umfasst viel Infrastruktur, darunter Teilabschnitte einer ICE-Strecke und einer Autobahn, einen Straßentunnel, den Kerosinhafen und mehr. Da gibt es viel Gefahrenpotential, weshalb Kelsterbach in den meisten Bereichen die höchste Gefährdungsstufe aufweist. Daraus ergibt sich ein Bedarf von 76 Einsatzkräften, dem die tatsächliche Anzahl von derzeit 67 aktiven Ehrenamtlichen entgegensteht.

Zu jeder Zeit müssten mindestens sechs entsprechend ausgebildete Einsatzkräfte zur Verfügung stehen, so Rolle. Bei größeren Einsätzen wie Wohnungsbränden werden deutlich mehr Einsatzkräfte – mindestens 19, davon acht Atemschutzgeräteträger – benötigt. Diese müssten zehn Minuten nach der Alarmierung am Einsatzort wirksame Hilfe einleiten können. Das ernüchternde Fazit für 2025: In 40 Prozent der insgesamt 118 hilfsrelevanten Einsätze konnte die Hilfsfrist nicht eingehalten werden. Die benötigte Anzahl an Atemschutzgeräteträgern konnte bei 49 Prozent der Einsätze nicht erreicht werden.

Hier kann nur mehr Personal helfen. Personalgewinnung, -erhalt und -motivation bleiben daher die wichtigsten Herausforderungen für die Freiwillige Feuerwehr. Dies sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, für deren Bewältigung auch die Unterstützung der Stadt benötigt werde, so Rolle. Etwa dabei, präsenter zu werden, beispielsweise bei Veranstaltungen, um sich dort zu zeigen, sich mit den Bürgerinnen und Bürgern auszutauschen und die ehrenamtliche Arbeit der Freiwilligen Feuerwehr vorzustellen.

Neben dem Personalmangel sei die zum Teil veraltete Ausstattung ein weiteres Problem, das dringend gelöst werden müsse, mahnt der Stadtbrandinspektor. Dies trifft besonders auf einige der Fahrzeuge zu. So ist ein Tanklöschfahrzeug schon 35 Jahre alt, während ein Mannschaftsfahrzeug seit zwölf Jahren im Einsatz ist. Allein die Versorgung mit Ersatzteilen sei bei so alten Fahrzeugen ein massives Problem. Da die Anschaffung neuer Fahrzeuge in der Regel drei Jahre in Anspruch nehme, dürfe diese Aufgabe nicht länger aufgeschoben werden. Hier gehe es um den Schutz der ehrenamtlichen Einsatzkräfte und der Menschen in Kelsterbach, da sei eine geregelte und verlässliche Finanzierung für Ausbildung, Schutzkleidung, Fahrzeuge und Geräte entscheidend, resümierte Rolle.

SPD-Fraktionsvorsitzender Christoph Harth sagte, der Lagebericht mache deutlich, mit welchem Engagement die Einsatzkräfte Tag für Tag für die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger sorgten. „Wir als Stadtverordnete müssen Verantwortung übernehmen und die finanziellen Voraussetzungen schaffen, damit die Feuerwehr heute und zukünftig handlungsfähig bleibt“, so Harth weiter.

Auch die CDU-Fraktion findet die Forderung nach einer verlässlichen und langfristig abgesicherten Finanzierung für die Freiwillige Feuerwehr richtig und wichtig. Sie fordert die Einrichtung einer eigenen Kommission für Brand- und Katastrophenschutz. Diese solle sich kontinuierlich, fachlich fundiert und fraktionsübergreifend mit den Aufgaben befassen und tragfähige Lösungen vorbereiten, so Rathmann. Ein entsprechender Antrag werde vorbereitet. (sb)