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Kelsterbach aktuell
Ausgabe 29/2019
Seite 4
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Erlebnisreiche Tage in Berlin, Potsdam und der Mark Brandenburg

Die Studienreise 2019 des Volksbildungswerks Kelsterbach (VBW) stand im Zeichen des Theodor-Fontane-Jahres 2019. Vor 200 Jahren wurde der große deutsche Romancier in Neuruppin geboren. Mit seinen Reisebeschreibungen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ hat er dieser Landschaft ein literarisches Denkmal gesetzt.

Die „Wanderungen“ bildeten immer wieder die Grundlage für seine Romane, die Fontane erst im reifen Alter schrieb, wie z.B. „Effi Briest“ (1895) und „Der Stechlin“ (1887 – 1898). Die längste Zeit seines Lebens wohnte Fontane mit seiner Familie in Berlin, wo er als Journalist und Theaterrezensent arbeitete. Mit seinen Berlinern ging Fontane nicht eben respektvoll um, er fand: …“der Durchschnittsberliner ist unausstehlich und doppelt auf Reisen: er ist immer laut, eitel und zudringlich, nicht mit seiner Person, aber durch seine Manieren“.

Erich Kästner, der ebenfalls lange in Berlin lebte, schrieb 1959: „Theodor Fontane gelang, was den großes ausländischen Meistern mit Paris und London gelungen war: Er schuf Berlin zum zweiten Male. Er schuf uns die Stadt an der Spree, wie uns Balzac die Stadt an der Seine und Dickens die Stadt an der Themse schenkten. Diese Städte und ihre Gesellschaft mögen sich wandeln, sie mögen wachsen, verfallen oder gar zerstört werden, ihr Herz und ihr eigentliches Wesen lebt in den Werken der großen Romanciers unzerstörbar weiter“.

An der Studienreise vom 6. Juni bis 11. Juni 2019 nahmen 46 Mitglieder des Volksbildungswerks teil. Das Hotel, in dem wir während unseres Aufenthalts wohnten, lag sehr zentral in der Nähe des Kurfürstendamms. Unser sehr sympathischer und kompetenter „Stadtbilderklärer“, Jan, nahm uns mit auf eine Reise in die Vergangenheit und Gegenwart Berlins. Wir sahen die bekanntesten Wahrzeichen aber auch weniger spektakuläre Orte und die kurzweiligen, humorvollen Erklärungen waren höchst interessant, zeigten sie uns doch, neben prachtvollen Zeugen der Vergangenheit, auch Gebäude bahnbrechender, moderner Architektur. Während einer Schifffahrt auf der Spree hatten wir nochmals die Gelegenheit, das historische Zentrum und das „Band des Bundes“, wie das neue Regierungsviertel heißt, aus einer anderen Perspektive zu betrachten.

Brandenburgs Hauptstadt Potsdam ist ein kulturelles Kleinod, geprägt vor allem durch die Ära Friedrichs II. (Alter Fritz) und seines Vaters, Friedrich Wilhelm I. In den Jahren 1990, 1991 und 1999 wurde das Gesamtkunstwerk mit einem sich von Potsdam nach Berlin ausgedehnten Komplex von 150 Schlössern und historischen Gebäuden und 500 Hektar Parkanlagen in das Weltkulturerbe der UNESCO aufgenommen. Der größte Besuchermagnet in Potsdam ist die Sommerresidenz „Schloss Sanssouci“. Seit der Wende sind wieder viele der dem Verfall preisgegebenen Gebäude während der DDR-Zeit in Potsdam restauriert oder neu erstellt worden, zum Beispiel das „Holländische Viertel“, „Schloss Celilienhof“, das „Neue Palais“, „Schloss und Park Glienicke“. Bekannt geworden ist Glienicke vor allem durch die „Glienicker Brücke“, denn hier vollzog sich zwischen 1962 und 1985 der größte Agentenaustausch des Kalten Krieges.

Bei den Teilnehmern sehr beliebt ist der Tag „Zur freien Verfügung“. Hier haben alle die Möglichkeit, in Berlin oder Potsdam die für sie interessantesten Orte zu besuchen. Ziele waren unter anderem der Berliner Zoo, einer der artenreichsten der Welt, die Museumsinsel mit den fünf weltberühmten Museen oder die East-Side-Gallery (ein Stück Berliner Mauer) mit dem wohl bekanntesten Motiv „Dem sozialistischen Bruderkuss“, „Schloss Charlottenburg“ und „Schloss Bellevue“. Die Teilnehmer eines evangelischen Gottesdienstes im Berliner Dom waren sehr angetan von der Herzlichkeit des Altbundespräsidenten Joachim Gauck, der ebenfalls den Gottesdienst besuchte. „Madame Tussauds“, war ebenfalls einen Besuch wert. Das „Sowjetische Ehrenmal“ auf der „Straße des 17. Juni“ und das „Holocaust Mahnmal“ erinnern an die jüngere, leidvolle Geschichte Berlins und Deutschlands.

Am Abend erwartete uns ein weiteres High Light unserer Berlinreise; der Besuch des legendären Friedrichstadt Palasts. Hier wird den fast 2.000 Zuschauern in Europas größtem Revuepalast Show und Tanz auf höchstem Niveau geboten.

Auf den Spuren von Theodor Fontane begaben wir uns auf eine „kleine Wanderung“ (per Bus) durch die Mark Brandenburg. Wir besuchten Neuruppin, den Geburtsort des Dichters und des berühmten Baumeisters Karl Friedrich Schinkel (geb. 13.03.1781). Das Stadtzentrum der idyllisch am Neuruppiner See gelegenen Kleinstadt steht als Beispiel klassizistischer Städtebaukunst komplett unter Denkmalschutz.

Weiter ging es durch die friedliche märkische Landschaft nach Rheinsberg. Auf Schloss Rheinsberg verbrachte Kronprinz Friedrich, der spätere König Friedrich II, die glücklichsten Jahre seines Lebens. Das malerische Wasserschloss ist umgeben von einem herrlichen Landschaftspark. Der Name Rheinsberg ist auch eng verbunden mit dem Namen des Schriftstellers Kurt Tucholsky, dessen Roman „Bilderbuch für Verliebte“ auf Schloss Rheinsberg spielt.

Auch wenn man die Werke von Theodor Fontane nicht kennt, ein Gedicht ist wohl jedem aus der Schulzeit bekannt (als noch Gedichte auswendig gelernt werden mussten); „Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“. Als Abschluss und kleine Überraschung besuchten wir das 400-Seelendorf Ribbeck und das Schloss, das nach gründlicher Renovierung wieder in altem Glanz erstrahlt, in dem kulturelle Veranstaltungen stattfinden. Auch die Familie derer zu Ribbeck wohnt wieder auf ihrem ehemaligen Besitz. Im Jahre 1911 fällte ein Sturm den alten Birnbaum, sein Stumpf ist heute noch in der kleine Kirche zu sehen. Das Bilderbuchdorf und Schloss Ribbeck sind durch Fontane zum Mythos geworden und so dreht sich hier immer noch alles um Birnen. (rhr/vbw)