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Kelsterbach aktuell
Ausgabe 29/2026
Seite 3
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Großes Interesse am Vortrag zu Cybercrime

Ralf Blättner (Bildmitte, stehend) klärte über Betrugsmaschen im Internet auf.

Im digitalen Stadtlabor KelsterLab war Anfang der Woche der Kelsterbacher Sicherheitsberater für Senioren Ralf Blättner zu Gast, um Seniorinnen und Senioren über das Thema Internetbetrug zu informieren und ihnen praktische Tipps zum Schutz vor der sogenannten Cyberkriminalität zu geben. Diese ist ein vielfältiges Phänomen, wie auch in der analogen Welt gibt es viele verschiedene Betrugsmaschen, die Kriminelle nutzen, um unter Verwendung von Informations- und Kommunikationstechnik an das Geld oder die Daten argloser Menschen zu gelangen. Dass das Thema vielen älteren Menschen auf den Nägeln brennt, zeigte sich am hohen Interesse, das der Vortrag Blättners hervorrief, rund 30 Seniorinnen und Senioren hatten sich trotz der Temperaturen jenseits der 30-Grad-Marke auf ins KelsterLab gemacht.

Blättner begann seine Ausführungen mit einem Blick in die Statistik, die besagt, dass gut jeder Vierte schon mindestens einmal von Cyberkriminalität betroffen wurde. Am häufigsten ist Betrug beim Online-Einkaufen, auch Zugriffe Krimineller auf Internet-Nutzerkonten sowie Betrug beim Online-Banking sind verbreitete Straftaten, die zu handfesten finanziellen Schäden führen können.

Ein altbekanntes Phänomen ist Schadsoftware, die den Opfern, genauer gesagt deren Computern, unwissentlich untergeschoben wird, etwa in Form eines Dateianhangs in einer E-Mail oder als versteckte „Zugabe“ zu einem kostenlosen Download. Vor Viren, Trojanern und anderen Schädlingen schützt Anti-Viren-Software, die auch als kostenlose Version durchaus verlässlichen Schutz bieten kann, - sofern sie vom Nutzer immer auf dem neuesten Stand gehalten wird.

Oftmals versuchen Kriminelle, an sensible Daten ihrer potentiellen Opfer zu kommen. Das fängt an mit persönlichen Daten, die gesammelt und dann verkauft werden. Mit den eigenen Daten sparsam umgehen, immer nur die verpflichtenden Formularfelder ausfüllen, lautet der Ratschlag Blättners dazu. Schlimmer noch ist es, wenn sensible Daten wie Passwörter in die Hände von Unbefugten gelangen, die dann damit einigen Schaden anrichten. Um jemanden dazu zu bewegen, beispielsweise seine Bankdaten samt Nutzername und Passwort fürs Onlinebanking preiszugeben, senden Betrüger gerne Post, die vorgibt, echte Post eines Geldinstituts zu sein. Darin wird der Empfänger aufgefordert, binnen einer kurzen Frist einen Link auszuführen und dann seine Daten einzugeben, damit angeblich das Bankkonto weitergeführt werden kann. „Es wird immer Zeitdruck aufgebaut“, warnt Blättner, den Betrügern nicht auf den Leim zu gehen. Man solle immer überprüfen, von welchem E-Mail-Absender die Nachricht kam, ob die E-Mail-Adresse - insbesondere die Domain - vertrauenswürdig ist. Auch zugesandte Links sollten nicht einfach bedenkenlos ausgeführt, sondern vorher genau überprüft werden. Passt die Internetadresse nicht zum Geldinstitut, handelt es sich sehr wahrscheinlich um Betrug.

Sogenannte QR-Codes sind inzwischen weit verbreitet, sie stellen eine Internetadresse als Grafik dar. Wer sie mit der Handykamera einscannt, kann den verknüpften Link ausführen und gelangt zur hinterlegten Internetseite. Betrüger überkleben gerne QR-Codes, beispielsweise auf Plakaten oder auf Flugblättern, und lenken den arglosen Nutzer auf eine von ihm angelegte Internetseite, wo er dann aufs Kreuz gelegt werden soll. QR-Codes sollten also nicht unüberprüft ausgeführt werden, die meisten QR-Code-Scanner zeigen die Ziel-Internetadresse an, die man dann ansteuern kann - oder auch besser nicht.

Und auch das gute, alte Telefon nutzen Betrüger immer wieder gerne, um sich als jemand Seriöses, beispielsweise als Mitarbeiter einer Behörde, eines Unternehmens oder einer Institution, auszugeben und sensible Daten abzufragen, mit denen dann Schindluder getrieben werden kann. Klingeln lassen und nicht drangehen, wenn man die anrufende Nummer nicht kennt, lautet Blättners Ratschlag. Wenn es wichtig und seriös ist, hinterlässt der Anrufer eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter.

Besonders perfide ist es, wenn Kriminelle die Sehnsüchte alleinstehender Menschen ausnutzen. Beim sogenannten „Love Scamming“ nutzen Betrüger gefälschte Profile auf Kennenlernplattformen oder in sozialen Medien. Sie geben sich als jemand anderes aus und spielen ihren Opfern die große Liebe vor. Haben sie ihr Opfer erst einmal mit ihrer Charme-Offensive emotional benebelt, wird dann eine Notlage vorgetäuscht und um Geld, viel Geld, gebeten. Solche Betrüger weigern sich aus naheliegenden Gründen, sich persönlich mit ihrem Opfer zu treffen oder mit ihm ein Video-Gespräch zu führen. Wer solch einem Betrug auf den Leim geht, erleidet meist nicht nur einen herben finanziellen Schaden, sondern wegen des Vertrauensbruchs nicht selten auch eine handfeste seelische Krise.

Das Fazit Blättners lautet, sparsam mit persönlichen Daten umzugehen und nur so viel wie wirklich nötig weiterzugeben. Man möge Vorsicht walten lassen bei Telefonanrufen, E-Mails und SMS-Nachrichten, wenn die Anrufer beziehungsweise Absender nicht bekannt sind. Er rät dazu, im Zweifel das Gespräch mit Familie und Freunden zu suchen, sich an die Polizei oder an den Sicherheitsberater für Senioren zu wenden.

Interessierte, die an der Veranstaltung nicht teilnehmen konnten, haben bald schon die Gelegenheit, dies nachzuholen. Blättner will wegen des großen Interesses am Thema seinen Vortrag nach dem Sommer noch einmal halten. Der Termin wird rechtzeitig bekanntgegeben. (wö)