Die Darbietungen von Orchester, Dirigent und Solisten wurden vom Publikum mit Begeisterungsstürmen bedacht. Foto: (sb)
Tenor Agustín Sánchez und Sopranistin Manami Okazaki traten als Solisten und im Duett auf.
Tenor Agustín Sánchez überzeugte unter anderem mit "Der unmögliche Traum" aus "Der Mann von La Mancha".
Ob Operette oder Filmmusik - Sopranistin Manami Okazaki sorgte immer wieder für Gänsehautmomente.
(vl.) Bürgermeister Manfred Ockel und Erster Stadtrat Kurt Linnert mit einem Geschenk zum Abschied des langjährigen Moderators Rainer Zagovec, das stellvertretend sein Sohn Rafael entgegennahm.
Mit den Zugaben brachte das Johann-Strauß-Orchester den Bürgersaal noch einmal zum Beben.
Seit 1989 ist es schöne Tradition in Kelsterbach, dass das neue Jahr musikalisch mit einem Konzert im Fritz-Treutel-Haus begrüßt wird. 1991 war erstmals das Johann-Strauß-Orchester – auch bekannt als Frankfurter Sinfoniker – für den schwungvollen Start ins neue Jahr verantwortlich und ist der Untermainstadt seitdem treu geblieben. Unterstützt wurden die Musikerinnen und Musiker über 30 Jahre lang von Moderator Rainer Zagovec, der 2026 eigentlich seine Abschiedsvorstellung in Kelsterbach geben wollte. Doch krankheitsbedingt musste Zagovec seine letzte Moderation leider absagen, diese übernahm für ihn am vergangenen Samstag Dirigent Witolf Werner. Mit viel Humor garniert servierte er zwischen den Stücken viel Informatives über die dargebotenen Stücke und deren Komponisten und führte das rund 230-köpfige Publikum unterhaltsam durch die zweieinhalbstündige Veranstaltung.
Nach einem kurzen Grußwort von Bürgermeister Manfred Ockel lud das 1986 gegründete Orchester die anwesenden „Freunde der Dreivierteltakt-Ekstase“ zu einer musikalischen Reise von der Wiener Hofburg nach Hollywood. Eröffnet wurde das Konzert mit „Ein Walzertraum“ von Oskar Straus, was Werner treffend als einen Start voller Hoffnung und Optimismus bezeichnete. Bei „Du bist meine Sonne“ von Franz Lehár bekam das Orchester zum ersten Mal an diesem Abend Unterstützung von dem in Mexiko City geborenen Tenor Agustín Sánchez, der 2024 sein Neujahrskonzert-Debüt in Kelsterbach gegeben hatte. Als zweite hochkarätige Solistin des Abends verzauberte anschließend Manami Okazaki mit „Was in der Welt geschieht“ von Emmerich Kálmán das Publikum.
Einen ersten großen Höhepunkt erreichte die Stimmung im Bürgersaal, als Sánchez eine temporeiche wie mitreißende Performance zu dem Stück „Man muss mal ab und zu verreisen“ aufs Parkett legte. Nach einem Walzer aus der Feder von Johann Strauß, der in Dirigent Werner Erinnerungen daran weckte, dass früher in Kelsterbach „getanzt wurde, dass sich der Boden gebogen hat“, läuteten die Solisten mit ihrem gemeinsamen Duett („Komm mit nach Varasdin“) eine rund zwanzigminütige Pause ein, in der das Team vom Kelsterbacher Tierschutzverein mit Getränken und belegten Brötchen für das leibliche Wohl der Gäste sorgte.
Im zweiten Teil des Konzerts stand dann die Welt der Filmmusik im Mittelpunkt. Stücke aus „The Sound of Music“, „Der Pate“, „Titanic“, „Es war einmal in Amerika“ oder der Western-Serie „Bonanza“ brachten einen Hauch von Hollywood-Glamour an den Untermain. Nach einem stimmungsvollen Finale mit einem Duett aus dem Musical-Film „Kismet“, betrat Erster Stadtrat Kurt Linnert die Bühne, um Dankesworte an Orchester und Publikum zu richten und gemeinsam mit dem Team vom städtischen Kulturamt einige Präsente an die Hauptakteure des Abends zu überreichen.
Bevor die Stimmung im Saal durch die schon obligatorische Zugabe auf einen letzten Höhepunkt zusteuerte, richtete Linnert noch einige Dankesworte in Richtung Rainer Zagovec. Mit seinem fundamentalen Wissen über Komponisten und deren Lieder sowie seinen zahlreichen amüsanten Anekdoten habe er das Kelsterbacher Publikum über viele Jahre begeistert. Das kleine Geschenk, mit dem er und Bürgermeister Ockel den langjährigen Moderator des Neujahrskonzerts in den wohlverdienten Ruhestand verabschieden wollten – ein Bild, das Zagovec als Dirigenten, umgeben von unsterblichen Komponisten-Größen wie Bach, Beethoven, Mozart, Brahms, Vivaldi und Tschaikowski zeigt –, nahm stellvertretend dessen Sohn Rafael entgegen. Der tosende Applaus, der auf den abschließenden Radetzky-Marsch folgte, galt dann auch nicht nur den erstklassigen Musikerinnen und Musikern, sondern auch Rainer Zagovec. (sb)