Manfred Ockel, David Rendel und Patrick Burghardt (von links) zogen ein positives Fazit ihrer Griechenlandreise.
Zu den Eindrücken ihrer Reise in die griechische Stadt Alexandroupolis vor drei Wochen äußerten sich jetzt die Verwaltungschefs der Drei-gewinnt-Kommunen Rüsselsheim, Raunheim und Kelsterbach, Oberbürgermeister Patrick Burghardt, Bürgermeister David Rendel und Bürgermeister Manfred Ockel, im Rahmen einer Pressekonferenz, die Anfang der Woche im Raunheimer Rathaus stattfand.
Raunheims Bürgermeister Rendel verwies eingangs darauf, dass Raunheim, Rüsselsheim und Kelsterbach seit langem im Rahmen der Städtekooperation „Drei gewinnt“ miteinander verbunden sind. Nun strebe der Verbund gemeinsame neue Städtepartnerschaften an, die sich von den bisher gepflegten unterschieden. Nach dem Zweiten Weltkrieg sei man Städtepartnerschaften eingegangen, um die Aussöhnung zu fördern, jetzt stünden aber andere Aspekte im Vordergrund: Es gelte, sich zu vernetzen, die wirtschaftliche Entwicklung zu fördern, Wissen und Fachkräfte auszutauschen, gemeinsame Projekte anzustoßen und voneinander zu lernen, wie die aktuellen Herausforderungen – beispielsweise Klimaschutz, nachhaltige Mobilität, Digitalisierung, wirtschaftlicher Strukturwandel – gemeistert werden könnten, erläuterte Rendel. Städte, mit denen die Drei-gewinnt-Kommunen partnerschaftlich kooperieren wollten, seien Alexandroupolis in Griechenland, Kenitra in Marokko und Bodrum in der Türkei. Angestrebt werde ein dauerhafter Austausch zwischen Verwaltung, Wirtschaftsförderung, Unternehmen, Hochschulen, Schulen, Vereinen und Zivilgesellschaft.
Das in der Region Westthrakien gelegene Alexandroupolis bezeichnete Rendel als besonders interessanten Partner, es sei ein Knotenpunkt zwischen Europa und Asien. Die Stadt sei mit einem Seehafen, einem Flughafen, einem Bahnhof und einem Autobahnanschluss verkehrlich sehr gut erschlossen, besitze eine zentrale Bedeutung für Nord-Griechenland und den südost-europäischen Raum. Darüber hinaus sei Alexandroupolis wie die Drei-gewinnt-Städte von einer vielfältigen Bevölkerung geprägt.
Im vergangenen Mai kam Alexandroupolis‘ Bürgermeister Ioannis Zampoukis zu Besuch nach Rüsselsheim, Raunheim und Kelsterbach. Dabei sei klar geworden, so Rendel, dass auf beiden Seiten ein ernsthaftes Interesse an einer langfristigen Zusammenarbeit bestehe. Bereits wenige Wochen später, vom 10. bis 13. Juli, erfolgte der Gegenbesuch der drei Verwaltungschefs Ockel, Rendel und Burghardt in Griechenland. Dabei konnten sie die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Strukturen sowie die Verantwortlichen der künftigen Partnerstadt und die möglichen Kooperationspartner unmittelbar kennenlernen und hätten große Offenheit, Gastfreundschaft und Gestaltungswillen erlebt, berichtete Rendel. Alexandroupolis habe großes Interesse bekundet, aktiv und modern zusammenzuarbeiten.
Städtepartnerschaften müssten in den Stadtgesellschaften verankert sein, um leben zu können, fügte Rendel an. Deshalb wollten die Drei-gewinnt-Kommunen einen interkommunalen Förderverein für die gemeinsamen Städtepartnerschaften und internationalen Kooperationen gründen. Dies solle im kommenden Herbst geschehen. Im Förderverein wolle man Menschen und Institutionen zusammenbringen, damit diese eigene Projekte entwickelten. Die Verwaltungen würden weiter koordinieren, Kontakte knüpfen und Projekte unterstützen, aber nicht jede Begegnung, jede Idee müsse dauerhaft von der Verwaltung organisiert werden.
Rüsselsheims Oberbürgermeister Patrick Burghardt resümierte, bei dem Besuch in Alexandroupolis habe sich gezeigt, dass es auf dem Feld der Kultur und Kunst viele Anknüpfungspunkte gebe. Der diesbezügliche Austausch solle jetzt forciert werden, kündigte Burghardt an. Auch Sport spiele eine große Rolle, Alexandroupolis sei besonders im Wassersport – Schwimmen, Wasserball – von herausragender Bedeutung in Griechenland und Austragungsort hochrangiger Wettbewerbe. Beeindruckt zeigte sich der Oberbürgermeister von einer großen Sporthalle, die zu einem Bruchteil der Kosten, die hierzulande anfallen würden, gebaut worden sei. Hier könne man voneinander lernen, folgerte Burghardt. Beim Thema Abfallentsorgung – insbesondere Recycling, Mülltrennung und -sortierung – wolle wiederum Alexandroupolis von den deutschen Partnerstädten sich etwas abschauen und eine moderne Abfallsortierungsanlage errichten. Auch Naturschutz, Nachhaltigkeit, Resilienz der Umwelt seien spannende Themen, bei denen voneinander gelernt werden könne. Sehr erfreulich sei, dass die Verwaltungen der vier Städte im Nachgang zu dem Besuch jetzt miteinander im regen Austausch stünden.
Kelsterbachs Bürgermeister Manfred Ockel zeigte sich bei seinem Besuch in Griechenland sehr überrascht von der sehr internationalen Bevölkerung, man treffe in Alexandroupolis viele Menschen aus der Türkei, aus Bulgarien und Rumänien an. Es gebe einen regen Grenzverkehr mit der Türkei, der frei von Ressentiments ohne größere Formalitäten ablaufe. Beeindruckt zeigte sich Ockel vom großen Bürgerengagement in Alexandroupolis. So gebe es beispielsweise eine App, mittels derer sich Bürgerinnen und Bürger in vielfältiger Weise ehrenamtlich in der Stadt engagierten. Die Infrastruktur in Alexandroupolis sei oftmals durch EU-Gelder finanziert, die dortige Stadtverwaltung unterhalte eigens eine Stabsstelle, die EU-Programme hinsichtlich Fördermöglichkeiten durchsehe und entsprechende Mittel akquiriere. Verbünde mit Städten aus drei Ländern seien prädestiniert dafür, finanzielle Förderungen von der EU zu erhalten, sagte Ockel. Dies wolle man künftig nutzen und Förderungen für gemeinsame Projekte, aber auch für die Städtepartnerschaft selbst erlangen. Die Partnerschaft solle nun in die Stadtgesellschaft getragen werden, bei den Vereinen gebe es bereits eine gute Resonanz. Mit der Gründung des Partnerschaftsvereins werde ein Grundstein gelegt für eine langfristige Zusammenarbeit, die von den Menschen in den beteiligten Städten gelebt werde, schloss Ockel. (wö)