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Kelsterbach aktuell
Ausgabe 32/2021
Seite 2
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Spenden fürs Taubenhaus und der Gipstrick

Weil die Antike annahm, dass die Taube keine Gallenblase habe und daher frei von allem Bitteren und Bösen sei, galt sie als Symbol des Friedens (Friedenstaube), der Unschuld, Liebe (Turteltaube), Treue (Hochzeitstaube) und Mutterschaft, der Seele und - christlich gedeutet des Heiligen Geistes (Pfingsten). Die positiv besetzte Tauben-Symbolik findet sich in zahlreichen Kulturen. Im Umfeld von Trauer oder der Beisetzung eines Verstorbenen steht die weiße Taube vor allen Dingen für die Freiheit, die eine Seele nach dem Tode und dem Verlassen des menschlichen Körpers erhält. Bei den Olympischen Spielen lässt man Tauben zum Zeichen des Friedens steigen, genutzt wurden sie als Brieftauben, für Züchter gelten sie als „schönstes Hobby“. Und mancher Schlager schmachtet von der Taube wie das „La Paloma blanca“ (weiße Taube). Doch das Image der Taube hat sich geändert. „Es ist ein von Menschen gemachtes Problem, dass die Taube in vielen Städten als ‚Ratte der Lüfte‘ gilt, als Überträgerin von Krankheiten, Verschmutzerin von Gebäuden,“ sagte die Vorsitzende des Tierschutzvereins Kelsterbach Judith Wagner. Vor allem frau habe sich daher im TSV Kelsterbach der Taube angenommen, um Taubenelend gar nicht erst entstehen zu lassen. Für rund 18.000 Euro zuzüglich 4.000 Euro für das Fundament hat der TSV in seinem Refugium ein Taubenhaus gebaut, um die Tiere zu pflegen, zu füttern und ihnen eine Sicherheit zu geben. Doch jetzt kommt’s. Man schiebt den Tauben statt der gelegten Eier Gipseier unter, und so gebe es weniger Nachwuchs, hochgerechnet seien das pro Taube 40 bis 50 Jungvögel pro Jahr. „Vergiften, verhungern lassen, verbrämen, jagen, all das ist für uns als Tierschützer und Menschen keine Option,“ sagt Wagner zu der Maßnahme.

Wissenschaftliche Erkenntnisse sammeln

Die Kelsterbacher Tierschützer wollen mit ihrem Taubenhaus auch für neue Erkenntnisse sorgen. Denn viele Städte kennen das „Taubenproblem“ und die Bilder vom Markusplatz in Venedig hat jeder vor Augen. In Kelsterbach werden die Vögel nun grün und rot beringt, und man erhofft sich dadurch Aussagen über die Stadttauben und deren Reviere und Mobilität zu erhalten. Im neuen Taubenhaus werden die Tiere mit gutem Futter versorgt, ein besonderer Granulatboden soll Keime und Krankheiten verhindern. Wenn der Taubenschlag dann geöffnet ist nach einer Anlaufzeit, werde man sehen, wieviel Tiere sich einfinden und brüten. Gerade die Pandemie und die leeren Innenstädte hätten dafür gesorgt, dass plötzlich auch in Kelsterbach mehr Tauben als sonst auftauchen, sagt Wagner. Denn bis auf die Tiere der Kelsterbacher Züchter habe es im Ort bisher kaum welche gegeben, abgesehen von den „wilden“ Ringel- und Türkentauben.

Ohne Sponsoren geht es nicht

Man habe die Rücklagen für das neue Taubenhaus ordentlich geschröpft, aber das sei es Wert, sagte die Vorsitzende Judith Wagner bei einer Spendenübergabe. Die Mainova AG in Person von Franzisco Rodriguez hat erneut in Kelsterbach Gutes getan und den TSV unterstützt, der Slogan „Partner der Region“ wird stetig mit Leben gefüllt. Der Verein „Airliner 4 Animals e.V.“ hat ebenfalls tief in die Spendenbox gegriffen und 3.000 Euro übergeben, Judith Wagner und Bürgermeister Manfred Ockel dankten den beiden Vorständen Samuel und Guido Schäfer dafür. Weitere Sponsoren sind die KSK-Stiftung Frankfurt, die koreanische Kirchengemeinde URI und der Landesverband des Tierschutzbundes. (hb)

Spendengemeinschaft

Die ersten "Mieter" im neuen Taubenhaus, entspannt und angstfrei.